17.03.2017

"Der muss kloppe!"

"Der muss kloppe!"Schlepper-Geschicklichkeitsfahren sowie das Traktor- und Fanfarenzugtreffen waren Besuchermagneten des Mathaisemarkts am Sonntag

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Er hat einen pistaziengrünen Lack, der in der Vor-Frühlingssonne glänzt, 80 PS und breite "Schlappen". Der Claas "Atos 340" erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 40 Stundenkilometer, doch an die muss man sich herantasten. Denn bei dem Traktor kommt es weniger auf Tempo an; beim Schlepper-Geschicklichkeitsfahren ist eher Fingerspitzengefühl gefragt. Die Organisatoren von der Landjugend haben im Hof der Strahlenberger Grundschule einen Parcours abgesteckt, der es in sich hat; man muss den "Atos" sachte in die Kurven legen, zurücksetzen, auf die abgeschrägten Metallschienen einer Wippe fahren und sich zentimeterweise vorarbeiten, bis beide Enden in der Luft schweben.

Zahlreiche Schaulustige sind hinter der Absperrung mit dabei, als die Strecke von den Weinhoheiten "eingefahren" wird. Sie machen ihre Sache gut: Landwirts-Tochter Annalena Spieß schafft die Runde in 4:57 Minuten, Sophie Koch ist mit 4:47 sogar noch schneller - sie sind gut eine Minute früher im Ziel als Königin Lisa Menges und auch deutlich schneller als Bürgermeister Hansjörg Höfer mit 5:12 Minuten. Routinier Werner Erhard legt um die Mittagszeit einen neuen Rekord von 3:23 hin, den die Titelverteidiger des Vorjahres, Johannes und Walter Hartmann, noch knacken müssen - als Preise warten ein Restaurantgutschein und ein Korb mit ess- und trinkbaren Preisen. Für alle, die schon vorher Hunger haben, grillen die Helfer der Landjugend Würste und Steaks, oder man kann sich am Kuchenbuffet etwas holen.

Im unteren Schulhof dreht sich ebenfalls alles um Landmaschinen: Lanz, Hanomag, McCormick und Deutz sind die Hersteller der Veteranen, die präsentiert werden und von zahlreichen Schlepper-Fans besichtigt werden. Mitglieder der Fanfarenzüge kommen jetzt aus dem Festzelt und machen im "Hirsch" beim Schlachtbuffet oder im Zehntkeller Station. Wer will, kann sich einer Führung mit Peter Grüber anschließen. Der Organisator des Schleppertreffens weiß fast alles über die 25 Maschinen. Etwa den Methusalem des Tages, einen 1947er "Ackerluft"-Bulldog aus Großsachsen mit 25 PS. "Er ist ein Jahr älter als sein Besitzer", grinst Grüber in Richtung Richard Schröder. Der präsentiert stolz das narbige Metall des Chassis und den Glühkopf: "Darunter muss ich Feuer machen, bevor es losgeht."

Wenig später geht es dann los: Die Maschinen setzen sich Richtung Heidelberger Straße in Bewegung, und immer wieder fädelt sich ein Fanfarenzug ein. Die Straßen sind gesäumt mit Menschen, am sonnigen Platz vor dem Alten Rathaus stehen sie in Sechserreihen, während alle Plätze des "Kaffeehauses" besetzt sind. Grüber, der wiederum Wissenswertes über die Landmaschinen berichtet, bekommt an der "Kommentarsstelle" Verstärkung durch Karl-Heinz Schulz. Er kündigt die Musikzüge an, gleich zu Anfang den Historischen Fanfarenzug "Schriesheimer Löwen" zusammen mit der Europafanfare Karlsruhe.

Allrad-Schlepper und ein Bulldog mit Seilwinde fahren vorüber, dazwischen beeindruckt das Fanfarenkorps 1969 Großzimmern mit einer perfekten Choreografie, bei der mal im Gleichschritt vorwärts, mal rückwärts gelaufen wird. "Die kriegen Kilometergeld", vermutet Schulz.

Erstmals sind der Fanfarenzug Meinerzhagen aus dem Sauerland und das Fanfarencorps aus Blaufelden im Landkreis Schwäbisch-Hall dabei, an der Spitze läuft hier Dirigentin Michaela Trump. "Sie ist nicht verwandt und nicht verschwägert mit Donald", versichert Schulz, muss aber kurz Pause machen, weil sich mit Hämmern, Knattern und Qualmwolken wieder ein Glühkopf-Bulldog ankündigt. "Der schmeißt Ruß, spätestens am Bellenbrunnen haben Sie ein schwarzes Gesicht", sagt Grüber und macht in Mundart auf das Motorengeräusch aufmerksam: "Der muss kloppe!"

Ihm folgen bekannte Gäste wie der Kraichgau-Fanfarenzug Mühlhausen, die Hendsemer Herolde, der Fanfarenzug aus Osterburken oder die "Fränkischen Herolde Dertingen", die bereits zum 38. Mal in Schriesheim bei einem Fanfarenzugtreffen sind. Und ganz zum Schluss sind noch zwei waschechte Porsche am Start: ein "Standard" und ein "Junior-Diesel".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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