17.03.2017

Rhein-Neckar-Kreis: Schnelles Internet lässt noch auf sich warten

Ländliche Gebiete leiden unter langsamen Verbindungen - "Backbone" soll Ende des Jahres fertig sein - Schwierigkeiten bei Vectoring

Von Frederick Mersi

Rhein-Neckar. 348 Kilobyte pro Sekunde - so schnell ist das Internet im Schriesheimer Ortsteil Ursenbach. Oder eher so langsam, meint Ortsvorsteherin Rosemarie Edelmann: "Da kann man ja praktisch neben der E-Mail herlaufen." In der Schriesheimer Kernstadt sind dagegen mit der sogenannten "Vectoring"-Technologie der Telekom theoretisch bis zu 100 Megabit pro Sekunde möglich, also die 36-fache Geschwindigkeit.

Große Tempo-Unterschiede im Netz gibt es im gesamten Rhein-Neckar-Kreis, zum Beispiel zwischen Sinsheim und dem Eppinger Stadtteil Elsenz oder Epfenbach. Auch wenn in Ursenbach gerade einmal etwa 180 Menschen leben, ist das langsame Internet dort nicht nur ein Standortnachteil, sondern für einige Einwohner und Gewerbetreibende ein existenzielles Problem.

Uwe Petzold ist im Außendienst eines internationalen Konzerns beschäftigt, muss sich also in den Firmenserver einloggen und an Skype-Konferenzen teilnehmen. "In Ursenbach kann ich das vergessen", sagt er, "da muss ich ins Tal und einen Hotspot benutzen." Seine Frau, Inge Pfrang, setzt sich seit geraumer Zeit im Ortschaftsrat für schnelleres Internet ein. "Es werden immer irgendwelche Daten genannt, zu denen es fertig sein soll" sagt sie. Bisher habe sich nichts getan.

Das will der Zweckverband "fibernet.rn" ändern: Der Zusammenschluss aus 54 Gemeinden und dem Kreis hat das Ziel, den Ausbau von Glasfaser-Verbindungen koordiniert voranzutreiben. Bis Ende des Jahres soll der "Backbone" fertiggestellt sein, das Rückgrat des Netzes für die Versorgung der Kommunen. "An etwa 35 Stellen im Kreis sind die Arbeiten aktuell im Gange", sagt Werner Riek, Technischer Leiter von "fibernet.rn".

In der Vergangenheit hat es aber immer wieder Verzögerungen gegeben: Mal seien Zuschüsse später gewährt worden als geplant, mal habe es Vergabeprobleme bei der Feinplanung gegeben, sagt Heddesheims Bürgermeister Michael Kessler, Kreisvorsitzender des Gemeindetags im Rhein-Neckar-Kreis. Dazu kamen lokale Probleme, zum Beispiel verlangte die Bahn zwischen Meckesheim und Helmstadt einen unerwartet hohen Preis für die Nutzung ihrer Kabelschächte parallel zu den Gleisen. Die Planung wurde dadurch um ein halbes Jahr zurückgeworfen. "Wenn man sieht, wie man vor fünf Jahren geplant hat, ist man jetzt deutlich hinterher", sagt Kessler. Das sei allerdings nicht auf Versäumnisse des Zweckverbands zurückzuführen. Man habe anfänglich etwas optimistischer geplant, sagt Werner Riek dazu. Schon 2014 habe man aber mit Ende 2017 als Datum für die Fertigstellung des Backbones gerechnet, und das könne man einhalten.

Die Feinplanung für die Versorgung der Haushalte in den Kommunen ist schon in Arbeit. Für die Stadt Weinheim hat der Zweckverband eine Firma mit der Feinplanung für den Ortsteil Oberflockenbach beauftragt, dieser soll als bisher "weißes Loch" beim Internet Priorität erhalten. Die Feinplanung soll im Juni diesen Jahres vorliegen.

Bei der Stadt Schriesheim liegt diese bereits in den letzten Zügen. Laut Torsten Filsinger, bei der Verwaltung für Wirtschaftsförderung verantwortlich, soll die Stadt über die Ergebnisse Ende März informiert werden. Allerdings gibt es neben den Ortsteilen Ursenbach und Altenbach noch weitere Bereiche der Stadt, die auf eine Glasfaserverbindung warten. Der Ausbau wird eine Finanzierungsfrage. "Welche Gebiete zuerst versorgt werden, muss der Gemeinderat entscheiden", so Filsinger.

Es gibt noch einen Grund, weshalb es in der Region wohl noch eine ganze Weile ein Internet der zwei Geschwindigkeiten geben wird: Auch wenn die Leitungen verlegt und die Haushalte angeschlossen sind, heißt das noch lange nicht, dass die Bewohner schneller surfen können. Die Telekom hat zwar angekündigt, mit der Vectoring-Technologie Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde zu ermöglichen. Die Realität vor Ort sieht aber anders aus.

Zum Beispiel in der Schriesheimer Kernstadt, wo das "Vectoring" bereits eingeführt worden ist. "Ich wollte das mal ausprobieren", sagt ein Schriesheimer Kunde. Der Familienvater bekam von seinem Provider die Nachricht, das jetzt schnelleres Internet verfügbar sei und wollte dieses bei "1 & 1" buchen. Daraufhin bekam er aber nur die Auskunft, dass nicht mehr als 18 Megabit pro Sekunde möglich seien, die Ursache solle er bei der Telekom erfragen. Auf eine schriftliche Anfrage zu diesem Vorgang bekam die RNZ weder von der Telekom noch von "1 & 1" eine Antwort.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung