17.03.2017

Rund 800 Besucher bei Schriesheimer Mathaisemarkt-Ausstellung

Werke von Walter Stallwitz: Eine Bilanz der diesjährigen Mathaisemarkt-Ausstellung des Kulturkreises im Feuerwehrhaus

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Eigentlich ist so ein Kronleuchter doch etwas Schönes: Mit unzähligen Prismen fängt er Sonnen- und Kerzenlicht ein und wirkt, auch wenn er tonnenschwer ist, leicht und vor allem edel. Aber gerade das stört Walter Stallwitz, dieser "Ausdruck eines elitären, luxuriösen Lebens", wie er das sieht, "Sinnbild des Spießertums und des Kapitalismus". Man kann nur spekulieren, ob der Künstler, der seit 1958 in Mannheims historischer Sternwarte malt, so ein Leuchtobjekt in seinem Atelier hat. Bei der nun zu Ende gegangenen Mathaisemarkt-Kunstausstellung "Bilder aus der Sternwarte" nehmen die Kronleuchter jedenfalls viel Raum ein - im wahrsten Sinne des Wortes.

Grundsätzlich geht es in Stallwitz’ großformatigen Acylbildern um Licht. Da scheint die Sonne durch die Sprossenfenster auf Möbel oder ins Treppenhaus, macht sich auf Gesichtern oder Interieurs breit, und Reflexionen schimmern in unzähligen Partikeln. Violett, zartes Grau, Grüntöne und Gelb in allen Schattierungen bringen seine Bilder zum Strahlen; der Kronleuchter dagegen wird mit groben schwarzen Linien und dick aufgetragenen Farbschichten zum mächtigen Monster an der Decke, das seine Umgebung einzufangen scheint.

Trotz unterschwelliger Bedrohung wirken die Werke ruhig, und immer wieder sieht man Ausstellungsbesucher im Feuerwehrhaus schweigend vor ihnen stehen und sie eingehend betrachten. "Ich habe schon viele Kunstausstellungen gesehen, aber diese hier gefällt mir am besten", sagt eine Besucherin, die besonders begeistert ist von den Porträts.

Der Kulturkreis (KKS) und Kuratorin Jo Goertz als Verantwortliche haben zahlreiche Freiwillige gefunden, die die Ausstellung während der Mathaisemarkttage betreuen; an den Wochenenden ist sie ganztags geöffnet, und es ist immer Betrieb. Auch beim "Behördentag" trifft man sich dienstagmorgens wie jedes Jahr im Feuerwehrhaus. Die Ausstellung ist der Rahmen für die Begrüßung durch Bürgermeister Hansjörg Höfer, und Goertz führt auch die Ehrengäste kurz in die Werkschau ein.

Wer sich am Ende in eins der Bilder verliebt hat, kann es kaufen, auch wenn der Künstler an einigen den Vermerk "unverkäuflich" angebracht hat. "Ich hänge sehr an ihnen", sagte er dazu bei der Eröffnung. Doch ansonsten können Interessierte aus dem Vollen schöpfen: Insgesamt sind 54 Stallwitz-Werke ausgestellt, vom quadratischen, 1,4 mal 1,4 Meter großen Gemälde, das Menschen hinter einer zerbrochenen Scheibe zeigt, bis zu den kleineren, in Mischtechnik auf Fotokarton gemalten Bildern, die man am Ausstellungstisch "durchblättern" kann.

Wer sich gar nicht entscheiden kann oder am liebsten alles hätte, der kann auch eins der Kunstbücher kaufen. Am Schluss sind einige verkauft, außerdem haben sich Interessenten auch für Werke vormerken lassen. Die Resonanz, so viel steht bald fest, war auf jeden Fall gut.

Für jeden Besucher wird nämlich ein Strich auf die Liste gesetzt, und am letzten Mathaisemarkt-Samstag sind rund 800 Markierungen zusammengekommen. "Heute", sagt eins der KKS-Mitglieder am Eingang, "sind schon um die 50 Leute da gewesen, und das trotz des schönen Wetters."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung