17.03.2017

Nepal-Hilfe: In Kathmandu steht das "Haus Schriesheim"

Nepal-Hilfe: In Kathmandu steht das "Haus Schriesheim"Nach den Erdbeben im Jahr 2015 führte Spendenaktion zum Wiederaufbau eines Kinderheimes - Dessen Leiter berichtete

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Gäste aus Nepal hat man nicht alle Tage. Nun kamen gleich drei Besucher aus dem Land am Himalaya: Sudama Karki und seine Mitarbeiter Shovana Bajracharya und Raju Manandhar sind derzeit im Land und machten auch im Begegnungszentrum "mittendrin" Station, um von ihrer Arbeit und der Hilfsorganisation PAORC (Poor And Orphan Children Relief Center - Hilfs-Zentrum für arme Waisenkinder) zu berichten.

Es war ein trauriger Anlass, der die Schriesheimer und die Gruppe aus Kathmandu vor anderthalb Jahren zusammenbrachte: Nach den Erdbeben im April und Mai 2015 waren weite Teile des Landes zerstört, und auch die Arbeit der PAORC-Kinderheime war gefährdet. Eine Initiative um Dieter Alt griff den Nepalesen unter die Arme, und am Ende einer großen Spendenkampagne kamen 25.200 Euro zusammen. Nun gab es zum ersten Mal Gelegenheit, persönlich mit Karki zu sprechen; weil der Reise-Unternehmer hervorragend Deutsch spricht, gab es keine Verständigungsprobleme. Anschaulich und lebendig schilderte er die Aufbauarbeit und den Alltag der Kinder.

Der Schulbesuch in Nepal kostet Geld und ist für viele Familien kaum bezahlbar - 50 Prozent der Einwohner sind Analphabeten. Nach dem Ende des Bürgerkriegs 2006 waren unzählige Kinder Waisen, lebten auf der Straße und waren sich selbst überlassen. Karki gründete 2005 mit sieben anderen Reiseleitern PAORC, das für Unterkunft und Schulbildung sorgte. Er stammt aus kleinen Verhältnissen, studierte und machte sich später selbstständig; Trekkingtouren führten ihn in den Himalaya und ins Hinterland. "Wo ich hinkam, hatte ich Kinder an der Hand", berichtete er. Die Not war groß und die Ressourcen knapp: "Wir waren oft 18 Stunden lang ohne Strom." Bei der Suche nach Land standen korrupte Politiker im Weg, doch schließlich gelang es, ein Grundstück in Sundarijal bei Katmandu zu pachten; aus Lehm, Stroh und 70.000 Flaschen, Hinterlassenschaften der Touristen, bauten Helfer das erste Haus; in der abgelegenen Region Gorkha errichtete der Verein eine Schule. Nach dem Erdbeben waren 98 Prozent der Gebäude zerstört - nur das Schulhaus stand noch. Anders sah es in der Hauptstadt aus: Fotos zeigten die Trümmer, eingedrückte Wände und Wellblechdächer. Karki brachte Zelte seines Unternehmens, damit die Waisen ein Dach über dem Kopf hatten: Wo sonst zwei Erwachsene campen, schliefen nun bis zu 14 Kinder. Es gab weder Strom noch Wasser, Karki organisierte einen Wasserfilter und Bretter für provisorische Baracken.

Mit Hilfe eines Architekten wurde nun erdbebensicher geplant: Den Windungen und Kurven eines Reisfeldes folgend, entstehen in Sundarijal sechs Häuser mit Platz für 450 Kinder. Eines wurde schon eingeweiht und verweist schon in seinem Namen auf den Ort, aus dem die Wiederaufbauhilfe kam: Das "Haus Schriesheim" hat im oberen Stockwerk einen hellen, länglichen Unterrichtsraum und im Erdgeschoss Mädchenzimmer für 24 Kinder. In eine Wand wurde die Spätburgunderflasche mit den Namen der 162 Spender und Unterstützer eingebaut; sie hat einen Ehrenplatz bekommen, ebenso die Fahne der Weinstadt, die es erst im zweiten Anlauf nach Nepal schaffte - niemand weiß, was aus der ersten wurde. Karki ging hart ins Gericht mit manchen seiner Landsleute. Auf vielen Webseiten sei um Spenden gebeten wurden: "Millionen wurden versprochen und kamen nie an." Auch die Hilfsorganisationen und ihre teuer untergebrachten Leute kamen nicht gut weg. Dafür gewährte er einen Einblick in das Leben der Kinder: Acht bis zehn leben zusammen in kleinen Zimmern, die Großen sind für die Kleinen verantwortlich, auch die Jüngsten übernehmen schon Verantwortung, helfen im Reisfeld, dem Gemüsegarten oder der Kaffeerösterei. Wo man sogar eine Berufsausbildung machen kann - als Start in ein besseres Leben.

Für ihr Haus sagten die Kinder Dankeschön: In einem Film waren sie zu sehen, und als Geschenke brachte Karki Spezialitäten aus Nepal mit, seidene Schals und zwei Bilder. Auf einem hatten die Kleinen ihre Version der Strahlenburg gemalt, ein rosa-glitzerndes Fantasieschloss mit vielen bunten Türmen. Das letzte Wort an diesem Abend hatte Alt. "Ich weiß noch nicht", sagte er, "wie und ob wir weitermachen." Die Schriesheimer jedenfalls spendeten schon wieder fleißig.

Info: Spendenkonto IBAN: DE 02.6705.0505.0039 4975 90 bei der Sparkasse Rhein Neckar Nord, Stichwort "PAORC-Kinderheim - Dr. Dieter Alt".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung