23.03.2017

Schriesheim: Hunde jagten Rehe in den Tod

Schriesheim: Hunde jagten Rehe in den TodWildtiere sind vor allem in der Setzzeit durch unangeleinte Hunde gefährdet - Jäger appellieren an die Besitzer, Rücksicht zu nehmen

Jäger und Winzer Georg Bielig musste am Dienstag diese tragende Rehgeiß in den Weinbergen zwischen Schriesheim und Leutershausen bergen. Sie war auf der Flucht vor einem freilaufenden Hund gestorben. Foto: privat

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Etwa vier Jahre alt war die Rehgeiß, die Winzer und Jäger Georg Bielig am Dienstag in den Weinbergen zwischen Schriesheim und Leutershausen bergen musste. Das tote und hochtragende Tier wies Verletzungen an den Beinen auf, typisch für eine panische Flucht durch den Wingert. "Das ist jetzt das zweite Reh innerhalb von sechs Wochen", sagt Bielig. Er geht davon aus, dass beide Tiere von Hunden gejagt wurden - und dadurch den Tod fanden.

"Normalerweise kriegt ein Hund ein gesundes Reh nicht, wenn er danach jagt", sagt Bielig. Doch aktuell sind die Tiere in der Setzzeit: Die Geiße tragen ihre Kitze aus und sind dementsprechend langsamer auf den Beinen. Erst Ende Mai werden die Jungtiere geboren. Solange sind die Rehe für Hunde deutlich leichter zu jagen.

"Wir beobachten, dass das verstärkt passiert"

Dabei gebe es auch keine Unterschiede zwischen verschiedenen Hunderassen, sagt Bielig. Im Wald sei das nicht so schlimm, dort hätten die Tiere bessere Chancen, zu entkommen. "Aber Rehe gibt es eben auch in den Weinbergen bis runter an die B 3", sagt Bielig, "das ist vielen gar nicht bewusst." Gerade im Frühjahr seien die Tiere oft auf der Suche nach frischem Gras und wagten sich weit den Hang hinab. "Das ist in der Natur einfach eine sensible Zeit", so Bielig, "deshalb bitten wir die Besitzer, ihre Hunde unter Kontrolle zu halten."

Die wiederum seien dieser Botschaft allerdings selten aufgeschlossen, meint Jagdpächter Frieder Habenicht. "Das geht Sie einen Dreck an", sei häufig die Reaktion. Er habe Verständnis dafür, die Hunde nicht überall anleinen zu wollen. Aber dieses Verständnis wünsche er sich auch vonseiten der Besitzer: "Da können wir immer nur bitten und betteln." Zumindest in der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere von Februar bis Mai sollten die Hunde unter Kontrolle gehalten werden.

Viel mehr bleibt den Jägern in Baden-Württemberg auch gar nicht übrig: Im Gegensatz zu anderen Bundesländern, wie zum Beispiel Bayern, gibt es hier keine Leinenpflicht für Hunde in freier Natur. In Schriesheim gilt diese nur in der Stadt. Allerdings müssen die Besitzer ihre Hunde auch sicher unter Kontrolle haben. Ist das nicht der Fall, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann.

Im Jahr 2014 habe es schon einmal gravierende Probleme mit wildernden Hunden in Schriesheim gegeben, sagt Bielig: "Da hatten wir acht tote Rehe hintereinander, die von Hunden gerissen wurden." Im Jahr 2016 seien es insgesamt vier oder fünf Rehe gewesen, sagt Jagdpächter Habenicht. So dramatisch ist die Lage in diesem Jahr noch nicht. "Wir beobachten aber, dass das verstärkt passiert", so Bielig.

Gerade jetzt werden zudem die Drähte an den Weinreben tiefergelegt. "So können die Tiere sie noch schlechter sehen", so Bielig. Die Wingerte sind also voll potenziell tödlicher Stolperfallen. Wenn die Rehe dann von Hunden verfolgt werden und panisch fliehen, können sie sich verletzen und sterben - ohne dass der Hund selbst sie reißt.

"Im vorliegenden Fall war es besonders tragisch", sagt Bielig, "die Geiß war noch jung und hochtragend." Er habe dann als Begehungsscheininhaber für das Gebiet zwischen Schriesheim und Leutershausen "die ehrenvolle Aufgabe", die Tiere zu bergen. "Das macht keinen Spaß."

Auch wenn das zweite Tier ebenfalls in diesem Gebiet gefunden wurde, in der Nähe des Friedhofs, ist das Problem keineswegs nur auf den Branich beschränkt: "Das ist ein flächendeckendes Problem in Schriesheim."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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