25.03.2017

Bürgermeister Höfer gibt Fehler bei Schriesheimer Hortbau zu

Weitere Arbeiten in Höhe von 400.000 Euro vergeben - Hoffnung auf "ruhigeres Fahrwasser"

Von Frederick Mersi

Schriesheim. "Lieber Gründlichkeit vor Schnelligkeit": So gab der neue Stadtbaumeister Markus Schäfer am Ende der Aussprache die neue Richtung vor. Zuvor hatte der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwochabend einstimmig der Vergabe weiterer Arbeiten am Neubau des Horts auf dem Grundstück des Strahlenberger Schulpavillons zugestimmt. Diese sollen rund 400.000 Euro kosten.

Damit blieben alle Angebote bis auf eine Ausnahme bei der Heizungsinstallation unter oder nahe der Kostenschätzung der Verwaltung. Die Vergabe von Zimmermann-, Holzbau-, Dachdecker- und Klempnerarbeiten musste dagegen auf die nächste Sitzung des Gremiums Ende April verschoben werden: Zunächst müssten noch Nebenangebote geprüft werden, sagt Schäfer. Trotzdem solle der Bau des Horts im Zeitplan bleiben: "Wir haben noch einen Puffer", sagte der Stadtbaumeister.

Die Fraktionssprecher im Gemeinderat waren erleichtert, dass das Projekt nun "in ruhigem Fahrwasser" sei, wie Michael Mittelstädt von der CDU es ausdrückte. Robert Hasenkopf von der Grünen Liste hoffte ebenfalls, dass es nun "keine riesigen Überraschungen mehr gibt". Wegen der Kostenexplosion von 700.000 auf nun schätzungsweise rund 2,5 Millionen Euro beim Bau des Horts hatte Hasenkopf das Projekt in der Vergangenheit mit der Elbphilharmonie in Hamburg verglichen.

"Was da geschah, war nicht nachvollziehbar", kritisierte Heinz Kimmel von den Freien Wählern, "700.000 Euro waren für uns eigentlich die Ausgangslage." SPD-Stadtrat Marco Ginal wählte selbstkritische Worte: "Wir hatten am Anfang gar keinen Plan. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen."

Siebter Kindergarten wird nötig

Auch Bürgermeister Hansjörg Höfer gab zu, die Verwaltung habe die Baustelle unterschätzt: "Wir haben gedacht, wir machen ein Dach drüber und bringen den Hort dann darin unter." Erst dann habe man mit dem Statiker einen Rundgang gemacht. Dabei sei erst klar geworden, dass das Gebäude eine neue Heizung und damit auch eine neue Dämmung brauche, der die Statik nicht mehr standhielt. "Dieser Fehler liegt bei mir, bei uns", gab Höfer zu. Man sei unter Zeitdruck wegen der Beantragung von Zuschüssen zum Bau eines neuen Kindergartens in der Kurpfalzstraße gewesen. Denn wenn der Neubau fertig und der Schülerhort dorthin umgezogen ist, soll der Kindergarten in der Kurpfalzstraße vorübergehend in die Container am Schulzentrum umziehen. Eigentlich ein ideales Szenario vor dem Hintergrund, dass der Hort aufgrund der Ganztagesbetreuung an der Kurpfalz-Grundschule dort überflüssig wird.

Das Projekt an sich zogen daher weder die Verwaltung noch die Mehrheit des Gemeinderats in Zweifel: Wolfgang Renkenberger von der FDP sagte, er hätte dem Neubau auch zu diesem Preis zugestimmt. "So sparen wir uns zusätzliche Container beim Kindergartenneubau", merkte Marco Ginal (SPD) an. Die hätten zwischen 300.000 und 400.000 Euro gekostet, sagt Bürgermeister Höfer: "Da haben wir uns gefragt: ,Wie können wir das vermeiden?’"

Ein alternatives Gebäude sucht die Verwaltung dennoch: In absehbarer Zeit werde die Stadt einen siebten Kindergarten benötigen, sagte Höfer. Wer ein Haus mit Außenbereich anbieten kann, soll sich bei der Stadt melden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung