31.03.2017

Schriesheim: Auch "Fürzle" kamen beim Luther-Abend auf den Tisch

Von der Ehe, dem Glauben, Essen und Trinken: Evangelische Gemeinde in Altenbach lud zu Luther-Abend ein

Diakon Klaus Nagel als Martin Luther (vorn) und seine Frau Monika (r.) hatten am Samstag zu einem deftigen kulturellen und kulinarischen Abend geladen. Die 40 verfügbaren Plätze waren schnell ausverkauft. Foto: Dorn

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim-Altenbach. "Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket?" Dieser derbe Nachschlag zu einem deftigen Mahl würde zwar prima zu Martin Luther passen. Doch wir wollen dem Reformator keinen Satz in den Mund legen, den er nicht nachweislich gesagt hat. So sieht das auch Klaus Nagel, Gemeindediakon in der Evangelischen Kirche. Zusammen mit seiner Frau Monika gestaltete er am Samstag den kulturellen Teil eines kulinarischen Luther-Abends in Altenbach.

Dabei ging es um die Ehe und die Frauen, die Pfarrleute und den Glauben, die Römische Kirche, aber auch um irdische Güter und Genüsse. "Unser Gott gönnt uns gern, dass wir essen, trinken und fröhlich sind. Darum hat er ja alle erschaffen", hatte Luther gesagt und in diese Gewissheit alle Kreaturen einbezogen.

Hemmungslose Sauferei

war keine Seltenheit

Bezüglich anderer leiblicher Genüsse wird er gern mit "In der Woche zwier schadet weder ihm noch ihr" zitiert. Auch dieser Satz fiel im Gemeindehaus, wo fleißige Köchinnen eine Fülle an Speisen und Getränken auftischten.

Gewürzwein aus Weißwein mit Honig, Zimt, Nelken, Kardamom und Ingwer standen als "Aperitif" auf der Speisekarte, Grünkernsuppe und Salat mit Kräutern und Blüten wie Veilchen oder Kissenprimeln "aus dem Klostergarten" als Vorspeise, Mastochsenfleisch und Hühnerbrustfilets mit Brotklößen als Hauptspeise und Dörrobst-Kompott samt "Nonnenfürzle" als Nachtisch. Besagte "Fürzle" sind ein einfaches Schmalzgebäck, aber dennoch sehr lecker. Luthers Frau Katharina soll jeden Tag für mindestens 20 Menschen gekocht haben, möglicherweise gingen aber noch viel mehr Gäste bei ihr und ihrem Mann ein und aus. Im Evangelischen Gemeindehaus in Altenbach war die Zahl derer, die zum Luther-Abend kommen konnten und für 15 Euro ein ganzes Menü serviert bekamen, auf 40 beschränkt.

Für deren leibliches Wohl sorgten Heidi Morath, Heike Lukamp, Renate Schmitt, Elke Schwöbel und Natalia Hammer. Sie hantierten geschickt in der kleinen Küche, schmeckten ab und hatten ansonsten zu Hause schon einiges vorbereitet. Die Tische im Saal waren schon am Vorabend eingedeckt und zur Deko Zinngeschirr aus Wohnzimmerschränken geholt worden. Luther soll ja mit allen Sinnen gelebt, also auch gern gegessen und getrunken haben.

Doch zu seiner Zeit war hemmungslose Sauferei offenbar auch keine Seltenheit. Tatsächlich soll Luther überlegt haben, die Sauferei per Gesetz zu erlauben, um das Gegenteil zu erreichen. Wohl wissend, dass der Mensch gern gegen Gebote aller Art handelt. "Non moriar sed vivam et narrabo opera domini": Das sind die Worte aus dem Psalm 118, Vers 17, die Luther an die Wand seines Zimmers schrieb und die über seinen Tod am 18. Februar 1546 hinaus Gültigkeit haben: "Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Werke des Herrn verkündigen."

Und was war Luthers Leibspeise? Er soll Brathering und Erbsenpüree besonders gemocht haben (die Kartoffeln hatten es damals ja noch nicht nach Europa geschafft), dazu eine "Pfloschen" von Katharinas selbst gebrautem Bier.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung