15.04.2017

"Ein Zuschussbetrieb"

Im RNZ-Interview bewerten Bürgermeister Höfer und Detlef Schreiber vom Bauamt die Sanierung der "guten Stube" der Stadt

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Ausgerechnet beim Behördentag des Mathaisemarkts hatte Bürgermeister Hansjörg Höfer die Nachricht öffentlich gemacht: Bei der Begehung des für über 700.000 Euro frisch sanierten Zehntkellers wurden Mängel am neuen Fluchtweg festgestellt, wegen dem die "gute Stube" der Stadt überhaupt erst renoviert werden musste. Nun sind Nacharbeiten notwendig. Wie konnte das passieren, und wer zahlt dafür? Im RNZ-Interview äußern sich Höfer und Detlef Schreiber, beim Bauamt für die Sanierung zuständig, zu Versäumnissen, Missverständnissen und der zukünftigen Nutzung des Kellers.

Herr Höfer, die Stadt hat über 700.000 Euro für die Sanierung des Zehntkellers ausgegeben. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Höfer: Der Zehntkeller musste saniert werden. Wegen der neuen Brandschutzbestimmungen mussten wir einen zweiten Fluchtweg bauen. Der Architekt Manfred Fischer hat schon den kleinen Zehntkeller gemacht, daher hat sich eine Zusammenarbeit angeboten. Er hat das im großen Zehntkeller sehr gut gemacht, wir waren damit sehr zufrieden. Die Auflagen des Brandschutzes haben wir uns aber erst erarbeiten müssen.

Schreiber: Der Zehntkeller war ja ursprünglich gar nicht für diese Nutzung vorgesehen. Jetzt müssen wir aber die Versammlungsstättenverordnung einhalten. Das hat sich ein wenig schwierig gestaltet, wir haben aber so weit alles hingekriegt.

Bei der Begehung fiel der Fluchtweg aber durch. Was muss jetzt noch nachgearbeitet werden?

Schreiber: Das sind eigentlich Kleinigkeiten. Die neue Fluchttreppe konnten wir nicht so breit machen wie ursprünglich vorgesehen. Deswegen haben wir dort auch keinen Handlauf installiert. Das Landratsamt besteht aber darauf, also muss er in die Wand eingelassen werden. An der Durchgangshöhe muss noch etwas gemacht werden. Dass die Kosten dadurch explodieren werden, ist aber nicht richtig. Die Auflagen wären sowieso zu erfüllen gewesen.

Einen guten Eindruck hinterließ das trotzdem nicht. Bestehende Vorgaben wurden ja nicht eingehalten...

Schreiber: Das stimmt so nicht. Wir haben zwei Jahre auf die Baugenehmigung gewartet, hatten vom Landratsamt her also überhaupt keine Auflagen vorliegen. Wir haben den Keller dann nach bestem Wissen und Gewissen umgebaut. Bei der Begehung bezüglich Mathaisemarkt, die übrigens keine Schlussabnahme war, wurden diese Punkte bemängelt. Dass da noch Kleinigkeiten nachzuarbeiten sind, ist okay. Beispiel Fluchttreppe im Außenbereich: Die ist über hundert Jahre alt. Dass die den heutigen Vorgaben nicht ganz entspricht, ist klar. Wir müssen da aber nur auf die Stufen aufspachteln. Das hätten wir so oder so machen müssen.

Höfer: Der Punkt war, dass es bis zum Mathaisemarkt fertig werden musste. Ansonsten wäre das gar nicht an die Öffentlichkeit gekommen. Das hätten wir einfach so nachgearbeitet. Der Keller ist ja letztendlich mit eingeschränkter Besucherzahl geöffnet worden, also 300 Gäste statt bis zu 400.

War also der Hauptfehler, den Zehntkeller schon für den Mathaisemarkt zu öffnen? Dadurch wurde der Eindruck erweckt, die Sanierung sei abgeschlossen.

Höfer: Ja.

Schreiber: Richtig. Es waren dann Meldungen unterwegs, dass die Begehung schon die Schlussabnahme durch das Landratsamt war. Es sind aber noch Maßnahmen auszuführen, daher kann diese Abnahme noch gar nicht erfolgt sein.

Lassen sich Kosten und Bauzeit dabei abschätzen?

Höfer: Das wird jetzt im Mai gemacht. Die Kosten für den Handlauf und den Ausgleich der Treppenstufen bezahlt der Architekt. Der Rest ist unsere Aufgabe.

Schreiber: Das Gewölbe muss ein Stück abgebrochen werden. Es wird auf jeden Fall unter 10.000 Euro bleiben. Man muss auch klipp und klar sehen, dass der Umbau des Zehntkellers noch nicht abgeschlossen ist: Die Beleuchtung ist zum Beispiel noch nicht fertig. Die Baumaßnahme läuft eigentlich noch.

Warum zahlt der Architekt dann für Nacharbeiten? Gab es bei der Sanierung Versäumnisse?

Höfer: Versäumnisse gab es insofern, als dass es diese Richtlinien gibt: Ein Fluchtweg braucht einen Handlauf rechts und links - und das hätte der Architekt so ausführen müssen.

Schreiber: Das Gewölbe wäre Sache der Stadt gewesen, deshalb zahlen wir das. Bei einer Vorbesprechung in Sachen Brandschutz wurde uns gesagt, das wäre so okay. Die Baurechtsbehörde als übergeordnete Behörde hat dann aber später gesagt, uns reicht das so nicht.

Sind Sie zuversichtlich, dass bei den Nacharbeiten dann alle Auflagen erfüllt werden?

Schreiber: Die Nacharbeiten erfolgen in Abstimmung mit dem Landratsamt. Die nehmen unsere Maßnahmen ab. Das ist im Vorfeld abgeklärt.

Wenn dann alles so weit fertig ist, soll es laut Ihrer Aussage, Herr Höfer, eine Satzung der Stadt zur Nutzung des Zehntkellers geben. Wann wollen Sie diese dem Gemeinderat vorlegen?

Höfer: Im Laufe des Jahres. Wir müssen das vorher im Gremium auch besprechen. Meine Vorstellung ist, dass man den Keller nicht für private Feierlichkeiten nutzt. Wir müssen ja auch auf die Nachbarschaft Rücksicht nehmen. Vereine, Winzergenossenschaft, die Stadt und Menschen, die sich um Schriesheim besonders verdient gemacht haben, sollen den Keller nutzen können - zum Beispiel, wenn eine ehemalige Weinkönigin heiraten will.

Wurde das vorher auch so gehandhabt, nur ohne Satzung?

Schreiber: So viel ich weiß, gab es keine.

Höfer: Für jede Veranstaltung wurde da ein neuer Mietvertrag gemacht. Aber es ist sinnvoll und richtig, wenn man das in die Form einer Satzung gießt.

Sind die Vorstellungen im Gremium dazu sehr unterschiedlich?

Höfer: Ich bin gespannt auf die Abstimmung, gehe aber davon aus, dass die Mehrheit eine ähnliche Meinung hat - vor allem hinsichtlich privater Nutzung. Wir wollen ja nicht als Konkurrent zu privaten Anbietern auftreten. Es wird natürlich auch um die Miethöhe gehen: Wenn Parteien oder Vereine dort Kulturveranstaltungen machen, muss diese so sein, dass das weiterhin möglich ist.

Lassen sich die Sanierungskosten über diese Miete dann wieder reinholen?

Höfer: Nein, davon gehe ich nicht aus. Der Zehntkeller ist wie eine Turnhalle ein Zuschussbetrieb.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung