17.04.2017

Warum die Treibers Ostereiermärkte organisieren

Das Ehepaar Treiber organisiert Ostereiermärkte in der Region - Als Deko nutzen sie diese aber nicht

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Ein Puppenhaus, ein Telefon, ein Football - all das lässt sich aus Eiern machen. Die Beweise stehen oder liegen bei Christa und Walter Treiber in einer gläsernen Vitrine im Wohnzimmer. Es ist eine Sammlung aus 35 Jahren "Kunst am Ei", wie Christa Treiber es nennt. Damals nahm sie an einem Kurs der Volkshochschule teil, bemalte Ostereier und fuhr im Zuge dessen zu einer Ausstellung nach Bern. "Da habe ich mir gedacht, wir könnten so etwas auch mal machen", erinnert sie sich. Ihre erste Eierausstellung fand in einem Seckenheimer Pfarrsaal statt, dann mietete das Schriesheimer Ehepaar zwei Konferenzräume in der Heidelberger Stadthalle. Von der Resonanz waren die beiden überwältigt: "Die Leute standen in einer Schlange bis auf die Straße raus", sagt Christa Treiber, "die mussten zum Teil bis zu zwei Stunden warten".

Im Hause Treiber hängen keine Ostereier

Und alles nur, um ein paar Ostereier anzuschauen? "Das hat eigentlich gar nichts mit Ostereiern zu tun", sagt Christa Treiber, "90 Prozent der Leute dort sind Kunstsammler". Denn mit Eiern kann man viel machen: sie mit Öl- oder Aquarellfarben bemalen, umstricken oder ausfräsen, einhäkeln oder abkratzen. "Christa malt viel mit Öl, andere mit ganz normalen Farben", sagt ihr Mann Walter, "da sind wirklich die tollsten Dinge dabei". Wo würde zum Beispiel Goethes "Osterspaziergang" besser hinpassen als auf ein Osterei, wenn man mal vom sehr begrenzten Platz auf der Kalkschale absieht.

Aufgehängt werden diese Kunstwerke im Hause Treiber aber nicht, stattdessen setzen sie auf Blumen und Osterhasen. "Es gibt bei den Ausstellungen einige Leute, die das wollen", sagt Christa Treiber. Wenn sie dafür ein Loch in die Schale fräst, habe sie immer Angst, dass das Ei zerbricht. "Passiert ist mir das aber noch nie", sagt sie. "Das, was dann aufgehängt wird, ist auch sehr dekorativ", sagt ihr Mann Walter. Beliebte Motive bei den Ausstellungen, die inzwischen im Schwetzinger Schloss und dem Mannheimer Luisenpark stattfinden, seien bei solchen Eiern Blumen oder Märchenfiguren.

Übers Osterwochenende wird das Ehepaar Treiber keine Eier verstecken - auch wenn Christa Treiber noch gute Erinnerungen daran hat: "Die waren immer an denselben Orten, und wir Kinder haben so getan, als wüssten wir es nicht." Andere Ostertraditionen leben bei ihnen aber weiter - zum Beispiel, dass am Gründonnerstag Spinat gegessen wird. Ihre Mutter habe immer darauf bestanden, sagt Christa Treiber. Am Karfreitag steht das Backfischessen auf dem Programm: Walter Treiber ist schließlich Mitglied bei den Sportanglern. "Und es schmeckt gut", sagt seine Frau Christa und lacht.

Am Ostersonntag wollen die beiden dann etwas tun, das sie schon lang nicht mehr getan haben: "Wenn schönes Wetter ist, machen wir einen Spaziergang durch die Weinberge", sagt Christa Treiber. Sonst sei man meist auf Kurzbesuchen bei der Verwandtschaft gewesen, dieses Jahr bleibe man zu Hause. Am Dienstag wird die Osterdekoration dann weggeräumt.

Die "Kunst am Ei" bleibt aber - nicht nur in der Treiber’schen Vitrine. "Wir hatten bei der Ausstellung im Luisenpark dieses Jahr auch wieder viele junge, begeisterte Familien als Besucher", sagt Walter Treiber. Ob Ostereier je "out" sein werden? "Das wird immer weitergehen", sagt seine Frau Christa.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung