21.04.2017

Weinernte Schriesheim Winzer hoffen nach Frost auf ein blaues Auge

Frühe Blüte und später Frost verursachen erste Ernteausfälle – Entwarnung kann wohl erst nach dem Wochenende gegeben werden

Schriesheim. (fjm) "Wir sind heute noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen", sagte Peter Haas gestern, "jetzt hoffen wir, dass die Nacht nicht ganz so böse ausfällt." Der Rebschutzwart der Winzergenossenschaft (WG) Schriesheim inspizierte deren Rebzeilen am Donnerstagvormittag und stellte erste Schäden durch den Frost in der vorigen Nacht fest.

"Der Frost war flächendeckend und ging bis in die mittleren Lagen", so Haas, "wir haben dadurch die ersten Ertragsausfälle." Je nach Weinberg seien zwischen 20 und 90 Prozent der Reben betroffen.

Ähnlich sieht es bei Winzer Georg Bielig aus: "Bei Tageslicht betrachtet sind manche Weinberge gut, andere sind zu 50 bis 80 Prozent kaputt", lautet seine Zwischenbilanz nach der ersten Frostnacht. In der Ebene wurden zwischen Mittwoch und Donnerstag bis zu 3,5 Grad unter Null gemessen - für die austreibenden Reben viel zu kalt.

Philipp Wehweck hatte seine Weinberge gestern noch gar nicht überprüft, ging aber ebenfalls von Frostschäden aus: "In den flacheren Lagen haben wir vermutlich auch etwas abbekommen, da wird es nicht anders aussehen als bei den Kollegen." Die Tallagen sind häufiger von Frost betroffen, weil kalte Luft aufgrund ihrer höheren Dichte nach unten sinkt. Bei den Temperaturen gilt dann: Je kälter desto schlimmer.

"In der Nacht auf Donnerstag waren es ja zum Teil nur leichte Minusgrade", so Wehweck. Wenn es aber noch kälter wird, werden die Triebe der Reben schwarz, fallen in sich zusammen und sterben ab. Dementsprechend groß sind dann die Ausfälle bei der Lese im Herbst.

Schriesheim ist mit diesem Problem aber nicht allein. "Der Frost ging vom Kaiserstuhl bis Richtung Norden und wurde immer schlimmer", sagte Rebschutzwart Haas, der sich zuvor bei den Kollegen erkundigt hatte. In der Pfalz und in Rheinhessen seien die Folgen der ersten Frostnacht gar "verheerend".

Die Wettervorhersage gab dann zumindest ein wenig Grund zur Hoffnung aufs "blaue Auge": Mit zwei Grad über Null lag die voraussichtliche Tiefsttemperatur in einem für die Winzer ungefährlichen Bereich. Dennoch wurde gestern eine amtliche Wetterwarnung wegen Frost für die gesamte Region herausgegeben. Wirkliche Entwarnung kann für Winzer und Landwirte wohl erst nach diesem Wochenende gegeben werden.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung