21.04.2017

Steinbruch-Sperrung wäre "totaler Quatsch"

Immer wieder verunglücken Besucher innerhalb des Naturschutzgebietes – Kletterverbot war aber schon früher nicht zielführend

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Es war ein lauer Frühlingsabend am 1. April in Schriesheim, als um 19.21 Uhr die Freiwillige Feuerwehr alarmiert wurde. Ein 36 Jahre alter Kletterer war im Steinbruch abgestürzt, von Ebene drei auf Ebene zwei - 15 Meter in die Tiefe. Eigentlich sollte der Schwerverletzte mit dem Rettungshubschrauber Christoph V ins Krankenhaus gebracht werden, doch der konnte nur auf Ebene drei landen. Der Verunglückte musste schließlich zu Fuß mit einer Schleifkorbtrage über 500 Meter teils schwieriges Gelände zum Rettungswagen getragen werden.

Für die Feuerwehr gestalten sich Rettungseinsätze im Schriesheimer Steinbruch häufig besonders schwierig. Immer wieder stürzen dort Kletterer ab, doch die Unglücksursachen sind vielfältig: "Manchmal sind es Wanderer, auch ein 15 Jahre alter Radfahrer war schon mit dabei", sagt Feuerwehrkommandant Oliver Scherer. Sowohl menschliches als auch technisches Versagen sei dafür verantwortlich: "Das ist die ganze Palette."

Einen Trend bei den Einsatzzahlen kann Scherer nicht erkennen: 51 Mal wurde die Feuerwehr seit 1981 in den Steinbruch gerufen, das macht im Durchschnitt 1,3 Einsätze pro Jahr. "Die Unfallzahlen sind aber von Jahr zu Jahr unterschiedlich - von 2009 bis 2012 hatten wir dort zum Beispiel gar nichts", sagt Scherer. Zudem habe es sich oft auch um kleinere Verletzungen gehandelt.

Obwohl nur sieben der 51 Einsätze nichts mit dem Klettern zu tun hatten, hält Scherer ein Kletterverbot oder eine Sperrung des Steinbruchs nicht für zielführend. Das gab es schon einmal, nachdem die Abbauarbeiten des Porphyrwerks dort 1967 beendet worden waren. "Während des Verbots war es aber eher schlimmer", erinnert sich Scherer.

Heute kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft "Klettern und Naturschutz im Odenwald" um die Instandhaltung der Kletterkorridore und darum, dass die Regeln im Natura 2000-Schutzgebiet von den Besuchern des Steinbruchs eingehalten werden. "Mit der Stadt und dem Regierungspräsidium haben wir 1999 einen Patenschafts- und Nutzungsvertrag abgeschlossen", sagt Christian Kohl, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft.

Den Steinbruch für Kletterer zu schließen, ist seiner Meinung nach "totaler Quatsch". Klettern sei einfach ein gefährlicher Sport - "gerade dann, wenn man nicht richtig ausgebildet ist". Das habe mit dem Steinbruch per se nichts zu tun: "Es gibt immer Leute, die nicht die richtige Selbsteinschätzung haben."

Feuerwehrkommandant Oliver Scherer ist jedenfalls dankbar für die Arbeitsgemeinschaft: "Die halten uns dort oben immer die Zufahrten frei", sagt er, "die Zusammenarbeit ist äußerst positiv." Auch einen Hubschrauberlandeplatz hat die AG eingerichtet.

Grundsätzlich gilt es aber für alle Besucher des Steinbruchs - ob Kletterer, Wanderer oder Radfahrer -, sich vorab über die Regeln in dem Naturschutzgebiet zu informieren. Für die Kletterer heißt das zum Beispiel, die vorgesehenen Korridore nicht von der Seite zu betreten. Für Wandergruppen bedeutet das aber auch, im Steinbruch kein Feuer zu entfachen.

Die Einhaltung dieser Regeln zu kontrollieren, ist für die Stadt allerdings schwierig: "Wir können eigentlich nur an die Leute appellieren", sagt Bürgermeister Hansjörg Höfer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung