28.04.2017

Gemeinde will aus Kostenexplosion lernen

Gemeinderat vergab am Mittwoch weitere Arbeiten zum Neubau des Schulhorts und übte Selbstkritik

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Vor einem Monat hatte der Gemeinderat beim Thema Hortneubau noch auf "ruhigeres Fahrwasser" gehofft, am Mittwochabend musste das Gremium dann eine nochmalige Kostensteigerung von 2,5 auf etwa drei Millionen Euro zur Kenntnis nehmen. Ursprünglich waren in einer ersten Kostenschätzung 750.000 Euro vorgesehen gewesen.

"Das ist immerhin das Vierfache", sagte Robert Hasenkopf (Grüne Liste), "das ist für uns schwer nachvollziehbar." Die Vertreter der anderen Fraktionen sahen das ähnlich: "Wir müssen das nächste Mal sauberer in der Planung sein", fand Michael Mittelstädt von der CDU. Heinz Kimmel von den Freien Wählern hoffte nur, "dass das Kind nicht noch tiefer in den Brunnen fällt", und FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger warnte: "Noch so ein Projekt können wir uns nicht leisten."

Dabei sind Verwaltung und Gemeinderat von dem Projekt an sich weiterhin überzeugt: Der Neubau eines Schulhorts anstelle des alten Pavillons der Strahlenberger Grundschule sei eine "sehr charmante Lösung" gewesen, sagte Hasenkopf. Auch Bürgermeister Hansjörg Höfer betonte am Mittwoch noch einmal die Vorteile: Wenn der Hort in seinem jetzigen Zuhause, den Containereinheiten in der Conradstraße, geblieben wäre, hätte man neue Einheiten für den Kindergarten Kurpfalzstraße anschaffen müssen. Dessen baufälliges Gebäude wird im November abgerissen. "Die neuen Container hätten etwa 400.000 Euro gekostet, und wir hätten sie nach vier Jahren nicht mehr gebraucht", so Höfer.

Nach aktuellem Stand wird der Kindergarten im November in die Container des Horts umziehen, dieser kommt übergangsweise in den Räumen der Strahlenberger Grundschule unter. Im Dezember soll dann der Neubau für den Hort bezugsfertig sein, auch die Volkshochschule und die Strahlenberger Grundschule werden dort zwei Klassenzimmer nutzen können. Diese werden vom Land mit 200.000 Euro bezuschusst.

"Die Abrisskosten für den Pavillon wären sowieso auf uns zugekommen", sagte Höfer. Weil die Bausubstanz schadstoffbelastet war, beliefen sich diese aber auf 250.000 Euro - deutlich mehr als in der ersten Kostenschätzung veranschlagt. "Warum gab es keine Voruntersuchung beim Abriss?", kritisierte Hasenkopf. Bei vielen anderen Arbeiten sei eine ähnliche Kostensteigerung zu verzeichnen gewesen.

"Es ist wichtig, dass man daraus Lehren zieht", lautete sein Fazit, "wir haben noch einige Großprojekte, die auf uns zukommen." Michael Mittelstädt (CDU) ergänzte: "Das nächste Mal müssen wir von vornherein mit dem ,Worst Case’-Szenario in den Haushalt gehen."

Eine Kostensteigerung gab es

auch bei den Holzbau-, Zimmer-, Blechner- und Dachdeckerarbeiten, die einstimmig an die Schriesheimer Firma von Gemeinderat Georg Grüber vergeben wurden. Veranschlagt waren in der Kostenberechnung dafür 392.000 Euro, das Auftragsvolumen beträgt nun etwa 441.000 Euro. "Es freut mich, dass der Auftrag in Schriesheim bleibt", sagte Bürgermeister Höfer nach der Abstimmung. Grünen-Gemeinderat Georg Grüber nahm wegen Befangenheit nicht an der Abstimmung teil.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung