06.05.2017

Nach vielen Hürden das Ziel erreicht

Evangelische Stadtmission weihte am gestrigen Donnerstag auf dem Talhof das frisch sanierte Gelbe Haus ein – Dieses genügt nun modernen Ansprüchen

Von Stefan Zeeh

Schriesheim. Manche Projekte benötigen ihre Zeit. So auch der Umbau des Gelben Hauses auf dem Gelände des Schriesheimer Talhofs. Die Planungen dazu begannen im Jahr 2006, wie der Leiter des Talhofs, Günther Förster, bei der gestrigen Einweihung vor rund 100 Gästen erläuterte.

Damals wurde ein Konzept zur Neustrukturierung des Talhofs entwickelt, durch das eine neue Lebenswelt für die Bewohner der Einrichtung der Wiedereingliederungshilfe der Evangelischen Stadtmission Heidelberg entstehen sollte.

In der Folge galt es nicht nur, die Finanzierung dieses Projekts zu klären, sondern auch bürokratische Hindernisse zu überwinden und Bauvorschriften zu beachten, wie etwa im Bereich des Brandschutzes.

"Im März 2014 startete dann der Umbau", so Günther Förster über den eigentlichen Beginn der Arbeiten am Gelben Haus. Mit Hilfe von Mitarbeitern der Volksbank Kurpfalz wurde das Gebäude entkernt. Dabei trat Unerwartetes zutage: Im Dachgeschoss fehlten an allen vier Ecken die Stützbalken. Eine Aufgabe für den Statiker, der dann noch feststellte, dass die Bodenplatte mit Stahlträgern verstärkt werden muss.

Mit dem Abschluss der Umbauarbeiten haben sich nun die Lebensverhältnisse für die Bewohner deutlich verbessert. Statt der früher vorhandenen Zweibettzimmer gibt es Einzelzimmer mit eigenem Bad, und die Bewohnerinnen verfügen nun über einen geschützten Bereich mit separatem Eingang.

"Gekostet hat der Umbau etwas mehr als eine Million Euro", sagte die Geschäftsführerin der Altenhilfe und Wiedereingliederungshilfe der Evangelischen Stadtmission Heidelberg, Heidi Farrenkopf. Viel mehr als die reinen Zahlen war ihr aber die Betonung der gemeinschaftlichen Leistung wichtig.

So hätten die Mitarbeiter des Talhofs, Handwerker, Politiker oder die Mitarbeiter von Stiftungen, Vereinen sowie Banken und nicht zuletzt die zahlreichen Spender dazu beigetragen, dass man die Einweihung des Gelben Hauses nun feiern könne.

Dass der Talhof eine ganz besondere Einrichtung ist, wusste auch Ulrike Hahn (Foto: Kreutzer), die erst seit Kurzem dem Vorstand des Diakonischen Werks Baden angehört. Die Bedeutung von Einrichtungen wie dem Talhof, wo in Not geratene Menschen unterkommen, werde deutlich, wenn man sich die Situation in unserer Gesellschaft vergegenwärtige. Zwar sei das Land so wohlhabend wie nie zuvor, doch bei genauerem Hinsehen zeige sich, dass nicht alle am Wohlstand partizipierten. "

Die soziale Ungleichheit wächst", stellte Ulrike Hahn fest. Der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Scheidung vom Ehepartner oder eine Krankheit seien die häufigsten Ursachen dafür, dass die persönlichen sozialen Netzwerke nicht mehr funktionierten und man selbst das Dach über dem Kopf verliere. Keine Wohnung mehr zu haben, bedeute aber auf Sicherheit, Ruhe und einen Schlafplatz verzichten zu müssen.

Wohnungsnot und Familien am Rande des Existenzminimums kennt auch Schriesheims Bürgermeister Hansjörg Höfer aus seiner täglichen Arbeit. "Auch in Schriesheim gibt es Menschen, die den Strom abgestellt bekommen oder die aus Wohnungen herausgeklagt werden", sagte er.

Daher lobte er das Engagement der evangelischen Kirche, die schon vor Jahrzehnten erkannt habe, dass es notwendig sei, sich für Menschen am Rande der Gesellschaft einzusetzen. Gleichzeitig habe sich der Staat immer mehr aus seiner sozialen Verantwortung herausgezogen.

Ein Beispiel hierfür hatte bereits Hahn genannt, die die 250 Millionen Euro, die das Land Baden-Württemberg für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stellt, mit den 700 Millionen Euro verglich, die alleine die Stadt Wien 2014 in den Bau derartiger Wohnungen investierte.

"Gottes Segen gibt Gelassenheit und Durchhaltevermögen", erklärte schließlich Pfarrer Matthias Schärr, der nicht nur das Haus, sondern auch alle, die darin wohnen und arbeiten, unter Gottes Schutz stellte.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung