27.05.2017

Musikschule will raus aus dem Schattendasein

Olaf Weithäuser und Svetlana Klaus wollen Einrichtung in die Zukunft führen - Benefizkonzert und Tag der offenen Tür im Juni

Seit 1991 dabei, nun gemeinsam in der Leitung: Olaf Weithäuser und Svetlana Klaus (v.r.). Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Rein architektonisch gesehen liegt die Musikschule Schriesheim auf der Nordseite des Schulzentrums häufig im Schatten. Im übertragenen Sinne habe sie aber auch ein "leichtes Schattendasein" innerhalb der Stadt gefristet, findet ihr Leiter, Olaf Weithäuser. Mit seiner seit 1. März im Amt befindlichen Stellvertreterin Svetlana Klaus will er das in den kommenden Jahren ändern: "Wir müssen die Musikschule in die Zukunft führen."

Über Jahrzehnte hatte Richard Trares die Einrichtung geleitet, doch das Gesicht der Musikschule vor Ort war meist sein Stellvertreter, Hans-Dieter Schotsch. Vor eineinhalb Jahren übernahm Weithäuser die Leitung - eine Entscheidung, die er sich nicht leicht machte: "Ich habe mir das schon etwa ein Dreivierteljahr lang überlegt." Zwar war er als Saxofonlehrer seit 1991 an der Musikschule tätig, vor der neuen Aufgabe hatte er aber großen Respekt.

"Ich habe mir dann aber gedacht, vielleicht kann ich hier wirklich ein paar Weichen stellen", sagt Weithäuser. Seitdem hat sich bereits einiges getan: So werden die Verwaltungs- und Organisationsaufgaben nun von einem größeren Team verantwortet - worüber auch Stellvertreterin Klaus froh ist: "Ich weiß nicht, wie Herr Schotsch das damals fast allein geschafft hat." Weithäuser ist nun auch gleichzeitig Vorsitzender des Vereins, der von der Stadt Schriesheim und der Gemeinde Hirschberg getragen wird. Zuvor war diese Aufgabe dem Direktor des Gymnasiums zugefallen. "Jetzt haben wir kürzere Wege und einfachere Strukturen", sagt Olaf Weithäuser.

Zudem geht der Generationenwechsel in der Leitung mit dem in der Lehrerschaft einher. "Wir wollen Nährboden für junge Leute bieten, die sich ausprobieren können", so Weithäuser, "das bringt die Schule nach vorn." Denn auch die Art des Unterrichtens hat sich in den vergangenen Jahren geändert, wie Svetlana Klaus anmerkt. "Wenn die Kinder keinen Bach spielen möchten, wird das iPad hingestellt und etwas aus den Charts geübt", sagt die russische Pianistin, die wie Weithäuser seit 26 Jahren an der Musikschule aktiv ist: "Zwischendurch kommt aber dann auch immer wieder eine Etüde rein."

Etwa 80 Prozent der derzeit knapp 1000 Musikschüler sind Kinder und Jugendliche, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind. Auch beim Schlagzeugunterricht werde häufig die Videoplattform Youtube zu Hilfe genommen, sagt Weithäuser: "Es ist wichtig, dass wir den Anschluss nicht verlieren." Deshalb will die Stadt für die Proberäume WLAN einrichten, um die "Musikschule 4.0" zu ermöglichen.

Zur Neuausrichtung der Musikschule sollen auch viele öffentliche Veranstaltungen gehören: Zunächst ein Benefizkonzert am Freitag, 23. Juni, mit dem vom ehemaligen Musikschulleiter, Richard Trares, geleiteten Männerkammerchor Kirrlach und Ensembles der Musikschule, dessen Erlös zum Teil neue Schallboxen für die Schlagzeuger finanzieren soll. Einen Tag später, am Samstag, 24. Juni, lädt die Einrichtung dann zu ihrem Tag der offenen Tür ein - diesmal ohne musikalisches Rahmenprogramm.

Auch das 40-jährige Jubiläum der Musikschule im kommenden Jahr wirft schon seine Schatten voraus: Vier Veranstaltungen werden zu diesem Anlass geplant - unter anderem ein Kindermusical und ein Rock-Pop-Festival. "Das ist eine große Herausforderung", sagt Svetlana Klaus, "da brauchen wir Kraft und Kreativität."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung