27.05.2017

Windkraftgegner und Ökostromer streiten über Beiträge

Beiträge im Mitteilungsblatt: Pauschale Kritik und persönliche Angriffe – BI Gegenwind wirft Bürgermeister Bevorzugung vor

Reagieren mit alten Positionen auf neue Kritik: Nach der Kontroverse um einen Beitrag im Mitteilungsblatt präsentieren die Ökostromer um Prisca Henheik, Heinz Theophil, Wolfgang Fremgen und Winfried Plesch (v.l.) einen Flyer mit ihrem Selbstverständnis. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. "Als ideologische Brüder und Schwestern der AfD sammeln sich auch in unserer Region Gegner der Energiewende unter dem Deckmantel der Wahrung des Naturschutzes": Dieser Satz hat eine heftige Kontroverse zwischen Windkraftgegnern und den Schriesheimer Ökostromern ausgelöst.

Die Bürgerinitiative Gegenwind wirft Grünen-Stadtrat Wolfgang Fremgen, Autor des umstrittenen Beitrags im Mitteilungsblatt, nun "Beleidigung und Denunziation" vor und kritisiert Bürgermeister Hansjörg Höfer für die Veröffentlichung. "Wir haben einen Biologen, der sich bei uns engagiert. Wenn so einer hier in die rechte Ecke gestellt wird, lassen wir das nicht auf sich beruhen", sagte Frank Funcke von der BI am vergangenen Mittwoch im Gemeinderat.

Fremgen: "Ich würde es genau so noch mal schreiben"

Funcke und Hans-Jörg Goerlach hatten zuvor bereits eine schriftliche Beschwerde an Bürgermeister Hansjörg Höfer geschickt, laut der Fremgens Äußerungen "eindeutig in Bezug auf den Verein Gegenwind" getroffen worden seien. Dabei seien die Richtlinien der Redaktion des Mitteilungsblatts nicht eingehalten worden: "Der Beitrag hätte also nicht veröffentlicht werden dürfen." Höfer sah das aber anders: "Was Sie von mir fordern, werte ich als Zensur."

Ein gerichtliches Vorgehen wollte Funcke trotz anderer Auffassung während der Sitzung zwar nicht ankündigen. Man behalte sich aber vor, weitere Maßnahmen zu ergreifen, hieß es von der BI. Bürgermeister Höfer war dagegen der Auffassung, dass den Gesetzen Genüge getan sei: "Ich bin nicht der Meinung, dass der Beitrag eine Verunglimpfung ist."

Fremgen selbst beruft sich darauf, dass er in seinem Beitrag "niemanden direkt explizit angesprochen" habe. Er habe zwar nicht gedacht, dass die Reaktionen auf seine Formulierungen so heftig ausfallen würden, betonte aber gegenüber der RNZ: "Den Mund lasse ich mir nicht verbieten. Ich würde es genau so noch mal schreiben." Im Gegenzug kritisiert er seine namentliche Nennung in einem Beitrag der BI Gegenwind im Mitteilungsblatt, in der vom "Fahrschullehrer (sic) der Ökostromer" gesprochen wird, der "wohl doch statt eines Elektrofuhrparks Verbrennungsmotoren bevorzugt".

Die Ökostromer wollen als Initiative unterdessen laut eigenem Bekunden nicht direkt auf die Kritik der BI Gegenwind eingehen. Stattdessen haben sie einen neuen Flyer aufgelegt, der die energiepolitischen Vorstellungen der Initiative präsentieren soll. "Wir wollen damit bewusst noch einmal unsere alten Positionen verdeutlichen", sagt Winfried Plesch.

Dazu gehört auch die Auffassung, dass die Windenergie ein wichtiger Pfeiler der Energiewende ist. Auf Schriesheim bezogen bedeutet das für die Ökostromer: "Wenn wir am Ende Konzentrationszonen bekommen, sollten wir dort auch Windräder bauen - wenn es sich lohnt."

Damit unterscheiden sich die politischen Positionen der beiden Initiativen enorm, beide sehen sich jedoch auch als überparteilich an.

In dieser Hinsicht versucht Winfried Plesch von den Ökostromern, die Wogen der vergangenen Wochen etwas zu glätten: "Die BI Gegenwind ist nicht die AfD, und die Ökostromer sind nicht die Grünen - aber natürlich gibt es Überschneidungen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung