27.05.2017

Kommt schnelles Internet 2018?

Ursenbach beklagt Wegzug von Bürgern - Grünen-Landtagsabgeordneter Uli Sckerl kam zum Gespräch

Ernste Gesichter bei den Ursenbachern: Durch das fehlende schnelle Internet haben sie sogar schon Einwohnerverluste. Der grüne Landtagsabgeordnete Uli Sckerl (li.) will sich dafür einsetzen, dass die Kommune Zuschüsse des Landes in Anspruch nehmen kann. Foto: Dorn

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim-Ursenbach. Der Schriesheimer Ortsteil Ursenbach fühlt sich abgehängt, weil der schnelle Zugriff aufs Internet derzeit unmöglich ist. Selbstständige und Freiberufler, die gerne von zu Hause aus arbeiten würden, haben ihr Büro zum Teil schon nach Schriesheim verlegt. "Ein unhaltbarer Zustand", findet Inge Pfrang vom Ortschaftsrat, und genauso vermittelte sie dies dem grünen Landtagsabgeordneten Uli Sckerl und Fadime Tuncer, Fraktionsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat, bei einem Treffen im Dorfgemeinschaftshaus.

Mit Gleichgesinnten setzt sich Inge Pfrang schon länger für einen besseren Netzanschluss ein. In Ursenbach wurden dafür schon Unterschriften gesammelt. Laut Uli Sckerl scheitert der Internetanschluss mit entsprechender Geschwindigkeit nicht am Land, dort gingen ständig Anträge auf Förderung ein, die auch berücksichtigt würden. So gesehen müsse Schriesheim das Internet einfach zur "Chefsache" machen und dafür sorgen, dass es für alle Einwohner verfügbar sei. Zumal ein optimaler Zugriff auf das Netz inzwischen ein genauso wichtiger "Standortfaktor" sei wie das Vorhandensein von Schulen und Kindergartenplätzen.

Beim Aufrüsten bezüglich schneller Datenvermittlung wäre Schriesheim laut Schätzung von Sckerl vermutlich mit um die 250.000 Euro dabei. "Stellt Förderanträge, die werden berücksichtigt - ihr seid doch die größte Fraktion" lautete sein Aufruf an seine Parteigenossen.

Die grün-schwarze Landesregierung will jedenfalls auch die entlegenen Ortschaften bis 2021 mit schnellem Internet versorgt haben. Laut Sckerl ist tatsächlich jetzt "Zeit für Investitionen" und demnach dafür gerade auch genügend Geld da. Der Ortschaftsrat hatte bei mehreren Abgeordneten um ein Gespräch gebeten. Sckerl war am schnellsten vor Ort. "Ich hab das gleich ernst genommen", sagte er. Dies nicht ohne auf die Schwäbische Alb zu verweisen, in der es digitale Medien ebenfalls schwer haben. Der Weinheimer Sckerl kennt aber auch die Verhältnisse an der Bergstraße und im "Vorgebirge" des Odenwald. Dass man dort stellenweise keinen Empfang hat, ist momentan noch normal. Auch dies müsste sich eigentlich ändern.

Wer in Ursenbach sein Geschäft betreibe, lernen oder studieren wolle, habe wegen der unzureichenden Verbindung schlechte Karten, machte Ortsvorsteherin Rosemarie Edelmann im Gespräch mit Sckerl noch einmal deutlich. Der Ortsteil habe deswegen bereits Einwohnerverluste zu beklagen.

Man verständigte sich darauf, dass jetzt die durch den Zweckverband "Fibernet" des Rhein-Neckar-Kreises geschaffenen Möglichkeiten zügig genutzt werden sollen.

Nachdem "Fibernet" die technischen Voraussetzungen mit dem Aufbau der sogenannten "Backbone" geschaffen habe, müssten als nächster Schritt Zuleitungstrassen nach Ursenbach wie auch nach Altenbach gebaut werden. "Hier ist die Stadt Schriesheim am Zug. Ich setze mich gerne ein, dass die Kommune Zuschüsse des Landes in Anspruch nehmen kann", sagte Sckerl. Er wies darauf hin, dass die Landesregierung derzeit viel Geld in die Hand nehme, um besonders die ländlichen Gebiete an ein leistungsfähiges Netz anzubinden.

Nach 75 Millionen Euro 2016 seien es 2017 über 130 Millionen, die das Land zur kommunalen Förderung ausschütte. Planungen sehen eine Realisierung in Ursenbach im ersten Halbjahr 2018. Man ging im Dorfgemeinschaftshaus mit der Zusage, hierfür gemeinsam zu arbeiten.

Auf Sckerls "Gibt’s sonst noch was?" zum Schluss kamen Fragen bezüglich der Verkehrsberuhigung im ländlichen Raum. So gilt in Ursenbach zwar Tempo 30, nur halten sich offenbar viele Autofahrer nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkung und rasen mit einem Affenzahn durch den kleinen Ort.

Thema ist auch die Busverbindung, die besser sein könnte. Offenbar gibt es manchmal auch Kommunikationsprobleme mit den Busfahrern, es sei schon öfter vorgekommen, dass die Abzweigung Ursenbach, auch wenn dafür rechtzeitig Bedarf angemeldet wurde, nicht angefahren wurde. Laut Sckerl gilt auch für Subunternehmer die Beförderungspflicht, die auch eingehalten werden muss.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung