01.06.2017

Filmteam dreht Dokumentation über Altenbacher Flüchtlingskind

Die Zirkusschule soll Teil des Kinofilms werden

Während Trainer Ralf Breitinger den Kindern der Zirkusschule beibringt, Bälle zu jonglieren, läuft stets eine Kamera mit. Grund dafür ist der Flüchtlingsjunge Ahmad (2.v.r., mit Brille), der Protagonist eines Kinofilms ist. Rechts neben ihm: sein jüngerer Bruder Adham. Foto: Dorn

Von Stefan Zeeh

Schriesheim-Altenbach. Zwar fehlt auf den Verkehrsschildern am Branichtunnel der Hinweis auf die Schriesheimer Ortsteile Altenbach und Ursenbach. Dafür könnte aber zumindest Altenbach in den kommenden Monaten im Kino und Fernsehen eine gewisse Aufmerksamkeit bekommen. Denn hier dreht der in Heidelberg ansässige Filmemacher Wolfgang Latteyer Teile seines vom Land Baden-Württemberg und der Bundesregierung geförderten Kino-Dokumentarfilms für Kinder "Warum ich hier bin".

Das Filmteam um Mieko Azuma und Susanne Mi-Son Quester begleiten den mit seiner Familie aus Syrien geflüchteten Jungen Ahmad, der aus der Vorbereitungsklasse in die Regelklasse einer Grundschule kommt und sich dort zurechtfinden muss.

Daneben erzählen ältere Menschen, die aus verschiedenen Gründen ihre Heimat verlassen haben, von ihrem ersten Tag in der deutschen Schule. Alle waren damals ungefähr zehn Jahre alt, so wie Ahmad heute.

Als im September 2015 immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen, ist Latteyer die Idee zu diesem Film gekommen. "Ich möchte zeigen, dass es schon immer Zuwanderung gab", sagt er. Auf Altenbach ist er dabei eher zufällig gestoßen. "Mir hat jemand erzählt, dass hier gerade ein Flüchtlingskind eingeschult wird", erinnert sich Latteyer. Und das war Ahmad.

So kommt es, dass seit einiger Zeit ein kleines Filmteam in der Altenbacher Grundschule dreht. Bei den Dreharbeiten erzählte Ahmad derart begeistert immer wieder von der Zirkusschule des TV Altenbach, an der er teilnimmt, dass sich das Filmteam dazu entschloss, zusätzlich auch während der Zirkusschule zu drehen. "Seit dem letzten Jahr können Flüchtlingskinder dank der Dr. Barbara Schenk-Zitsch Stiftung, die vier Patenschaften für Flüchtlingskinder übernommen hat, an der Zirkusschule teilnehmen", sagt die Vorsitzende des TV Altenbach, Suzanne Epp.

Die Zirkusschule ist ein Zusatzprogramm des Turnvereins und muss extra bezahlt werden. Besonders für die Flüchtlingskinder sei das ein tolles Angebot, denn hier könnten sie im Kontakt mit anderen Kindern spielerisch die deutsche Sprache erlernen.

Dass die Kinder in der Zirkusschule viel Spaß haben und auch noch lernen, ihren Körper besser zu koordinieren, wurde beim Vor-Ort-Termin mit dem Filmteam sofort deutlich. Etwa als Trainer Ralf Breitinger ihnen die Kunst des Jonglierens mit kleinen Bällen beibrachte. Ganz einfach fing er mit einem Ball an. Diesen in die Luft zu werfen und zu fangen ist kein Kunststück.

Etwas schwieriger wird es schon, wenn man in die Hände klatscht, während der Ball in der Luft ist. Von da an ist es nur noch ein kleiner Schritt, mit einem zweiten Ball zu jonglieren, und auch mit einem dritten Ball gelang es den Kindern bald.

Körperbeherrschung war auch beim Balancieren über das Drahtseil gefragt, und so manches Kind war über eine unterstützende Hand froh. "Wir haben bis zu vier Betreuer für maximal 20 Kinder in der Zirkusschule", sagt Epp. Allerdings seien derzeit nicht alle Plätze in der Zirkusschule belegt. "Fünf Plätze sind noch frei."

Auch möchte der TV Altenbach das Angebot "Zirkusschule" dahin gehend verbessern, dass eine eigene Seilanlage angeschafft wird und nicht immer Trainer Ralf Breitinger diese zur Verfügung stellen muss. Über Spenden soll die 1300 Euro teure Seilanlage finanziert werden; "700 Euro haben wir bereits zusammen", sagt Epp.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung