01.06.2017

"Neue Helfer wären sehr willkommen"

"Neue Helfer wären sehr willkommen"Aus Erstversorgung wird Integration: Damit steht die Flüchtlingsarbeit vor neuen Herausforderungen

Flüchtlingsbeauftragte Isabel Herschel geht davon aus, dass die Flüchtlinge in den kommunalen Unterbringungen bereits grob mit Deutschland und dessen Gepflogenheiten vertraut sind; aber eben nicht mit ihrer Umgebung in Schriesheim. Foto: Dorn

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in Schriesheim muss sich ein Stück weit neu erfinden, weil die zu erwartenden Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung andere Bedürfnisse haben, als jene, die im Herbst 2014 nach Schriesheim kamen. Damals ging es quasi um eine "Erstversorgung" und darum, den Menschen grundlegende Strukturen vorsichtig zu vermitteln.

"Die Flüchtlinge, die jetzt zu uns in die Anschlussunterbringung kommen, kennen Deutschland ja schon, nicht aber unbedingt Schriesheim", erklärte Isabel Herschel, die Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte der Stadt bei der Informationsveranstaltung zur ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit im Vereinsraum der Mehrzweckhalle.

Die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen, die hierzulande anerkannt oder geduldet sind, ist eine Pflichtaufgabe von Städten und Kommunen. Wen der Rhein-Neckar-Kreis (RNK) nach Schriesheim schicken wird, wisse man noch nicht, sagte Herschel weiter. Zahlen von Ende Februar belegen, dass die meisten Geflüchteten aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und Gambia stammen, gefolgt von Pakistan, Nigeria, dem Kosovo, Eritrea, Iran und der Türkei. Mit unterschiedlichen Bleibeperspektiven, wobei Geflüchtete aus den Balkanländern zumeist nicht anerkannt und folglich zurückgeschickt werden.

Es war zwar mit 15 Teilnehmern nur ein kleiner Kreis, der sich an diesem Abend traf, doch gab es einige "Neulinge", die sich gerne in die von Herschel vorbereiteten Listen für Arbeitsgruppen oder Projekte eintragen wollten.

"Neue Helfer wären sehr willkommen, denn diejenigen, die sich derzeit engagieren, wollen wir nicht überlasten", sagte Herschel, die allen Ehrenamtlichen herzlich für ihre Arbeit dankte. Fadime Tuncer schilderte, wie sich im Herbst 2014 die Flüchtlingshilfe mit verschiedenen Kooperationspartnern formierte und welche Strukturen man seitdem aufgebaut hat.

Die Vermittlung von Sprachkompetenzen steht nach wie vor an erster Stelle, um Flüchtlinge in die Gesellschaft, in Schulen und den Arbeitsmarkt integrieren zu können.

Für die "Neuen" - erwartet werden in diesem Jahr noch 141 Menschen, in 2018 "70 plus x" - mietet oder kauft die Stadt Unterkünfte im Dossenheimer Weg, in den Fensenbäumen und im Bollengrubenweg. In der Überlegung ist die Übernahme der Kreisunterkünfte in der Carl-Benz-Straße und im Kleinen Mönch, in der Talstraße könnte ein Neubau entstehen. Fadime Tuncer nannte "Ideen", die auf Umsetzung warten, wenn sich Verantwortliche finden: Gesprächsabende, Krabbelgruppen, ein Sommerfest, Spielabende, gemeinsames Kochen oder die Wiederbelebung des Gartenprojekts auf einem Grundstück an der Bundesstraße 3. "Der Bedarf nach Möbeln und Kleidung ist gedeckt", sagte Tuncer. Nun gehe es darum, die Menschen in die "Gesellschaft zu bringen".

Aus dem Kreis der Teilnehmer kamen Vorschläge zur besseren Vernetzung von Paten und Helfern und die Bitte, Aktivitäten und Projekte auf der Homepage der Flüchtlingshilfe zu listen.

Isabel Herschel informierte ihre Zuhörer darüber, dass alle Neuankömmlinge eine Willkommensmappe bekämen, in der ein Stadtplan, Adressen und Anlaufstellen enthalten seien. Dabei soll es aber nicht bleiben: "Es wäre gut, Leute zu haben, die diese Menschen an die Hand nehmen und ihnen Schriesheim zeigen - als Ergänzung zur Mappe."

Bedürfnisse individuell abdecken und Strukturen verändern, so lautete das Fazit der Veranstaltung. "Flüchtlinge haben auch nicht mehr so viel Zeit, sind in Schulen und Kursen", gab ein Helfer zu bedenken.

"Wir können Neues anbieten, wenn man weiß, was gebraucht wird", sagte Gabriele Mohr-Nassauer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung