06.06.2017

In manchen Bädern fällt das Fotografieren ins Wasser

Mit dem Smartphone mal schnell ein paar Fotos im Freibad gemacht? Das ist nicht überall erlaubt

Rhein-Neckar. (by/cbe/stk/stu/mwg/web) Sommer, Sonne, Freibadzeit: Mitten rein ins vergnügte Planschen platzt eine Diskussion über den Persönlichkeitsschutz. Sollten Schwimmbäder den Badegästen erlauben, ihre Smartphones mitzubringen und auch zu nutzen? Denn diese Handys haben integrierte Kameras, mit denen unbemerkt Fotos und Videos aufgenommen werden können. Aber nicht jeder, der einen Bikini oder eine Badehose trägt, möchte das. Zudem gilt auch in Freibädern das Recht am eigenen Bild.

Besonders problematisch wird das Fotografieren bei Kindern, die im Schwimmbad häufig sehr knapp oder gar nicht bekleidet sind. Um das Foto ins Internet zu stellen, braucht es mit dem Smartphone nur wenige Klicks.

In Rheinland-Pfalz haben Schwimmbäder daher das Fotografieren verboten, in Hessen werden sogenannte Cam-Sticker getestet, mit denen die Kameralinsen abgeklebt werden müssen. Die RNZ hat sich bei Freibädern in der Region erkundigt, wie sie das mit dem Persönlichkeitsschutz regeln.

Sinsheim: In der Badewelt gibt es seit jeher ein Fotografierverbot. "Unsere Gäste werden dazu angehalten Handys und Kameras im Auto oder in einem Spint zu lassen", sagt eine Mitarbeiterin. Damit soll das Recht am eigenen Bild gewahrt werden. Auch im Sinsheimer Freibad darf nicht fotografiert werden, so steht es in der Hausordnung: "Das Fotografieren und Filmen fremder Personen und Gruppen ohne deren Einwilligung ist nicht gestattet."

Den Badegästen die Smartphones abzunehmen, davon hält der stellvertretende Betriebsleiter, Jerome Sorderdt-Balci, aber nichts. "Wir würden damit gar nicht mehr hinterherkommen und es wäre zu kompliziert", sagt er. Auch rechtlich sei das schwierig. Sorderdt-Balci: "Wenn wir aber sehen, dass jemand andere Personen ohne deren Erlaubnis fotografiert, kümmern wir uns darum." Der Betreffende werde dann angesprochen und aufgefordert, die Bilder zu löschen. Es gelte die Reihenfolge: ansprechen, verwarnen, rauswerfen.

Mosbach: Im Freibad "Famos" besteht um das Becken herum ein Handyverbot. Schilder weisen darauf hin. "Das Thema brodelt schon länger", sagt Jürgen Jaksz, Geschäftsführer der Stadtwerke Mosbach, die das Freibad betreiben. Grund für den Schritt: die Privatsphäre der Besucher. Das Handyverbot wird auch von den Bademeistern kontrolliert. Wer sich nicht daran hält, bekommt eine Ermahnung. Wer dann ein zweites Mal erwischt wird, muss das Freibad verlassen. "Auf der Liegewiese ist es aber einfach nicht zu kontrollieren", sagt Jaksz.

Ladenburg: Auch im Ladenburger Freibad ist das Fotografieren am Beckenrand schon seit einiger Zeit verboten. Ein komplettes Handy- und Foto-Verbot sei derzeit aber nicht vorgesehen, sagt Bürgermeister Stefan Schmutz. Man verfolge die Entwicklungen in anderen Freibädern und die Diskussionen jedoch genau.

Eberbach: Fotografieren ist im Freibad verboten. Darauf weist ein Schild mit durchgestrichener Kamera im Eingangsbereich hin. Das Verbot steht auch seit vergangenem Jahr in der Badeordnung. Wird ein Badegast beim Fotografieren gesehen, wird er vom Bäderpersonal auf das Verbot hingewiesen. Die eigenen Kinder oder Enkel dürfen allerdings fotografiert werden.

Schriesheim: Im Waldschwimmbad gibt es kein Handyverbot. "Das wäre kaum zu kontrollieren", sagt ein Mitarbeiter. Man schreite aber konsequent ein, wenn Badegäste gegen ihren Willen fotografiert werden. Erst letztes Jahr hätten sich zwei Männer einen Spaß daraus gemacht, Frauen mit ihren Smartphones zu knipsen - ehe diese sich beschwerten und es eine Ermahnung setzte.

Weinheim: Selbstverständlich wird auch in den Bädern der Zweiburgenstadt darauf geachtet, dass niemand belästigt wird. "Aber Smartphones sind bei uns erlaubt", sagt Alexander Erg, Geschäftsführer der TSG Weinheim. Der Verein betreibt das dortige Waldschwimmbad, wo es laut Erg sogar kostenloses W-Lan gibt. "Sollten Probleme bekannt werden, könnten wir die Handynutzung auf bestimmte Bereiche beschränken, aber bisher ist nichts vorgekommen." Von Verboten hält er nichts: "Wir sind eine Kommunikationsgesellschaft. Eltern wollen, dass ihre Kinder im Schwimmbad erreichbar sind - und umgekehrt." Auch im kommunalen Bad am Waidsee sind aktuell keine Beschränkungen geplant. Im Spaßbad Miramar wiederum dürfen Besucher ihre Abenteuer auf den Actionrutschen mit Selfies krönen. "Smartphones sind im Erlebnisbad und in der Therme erlaubt", heißt es auf Anfrage. Die Saunaanlage und textilfreie Badeabende bleiben dagegen handyfrei.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung