21.06.2017

Aus dem Kindergarten vor die Kamera

Vanessa Schönig und ihre Töchter arbeiten als Fotomodelle - Profile bei sozialen Netzwerken werden dabei zur Werbeplattform

Von Carolina Paul

Schriesheim. Entlang der Treppe zur ersten Etage hängen zahlreiche Bilder von Vanessa Schönig und ihren drei Töchtern Marie, Emma und Paula. Ihre Fotos sind ihr Beruf: Alle Vier verdienen ihr Geld als Models. Schönig kommt aus Mönchengladbach und lebt seit ein paar Jahren mit ihrer Familie in Schriesheim. Sie hat Englisch und Pädagogik studiert und führt eine Sprachschule in Heidelberg, doch seit fünf Jahren steht die 30-Jährige mit ihren Kindern auch regelmäßig vor der Kamera.

Die achtjährige Marie und die sechsjährige Emma sind seit ihrem dritten Lebensjahr dabei, die dreijährige Paula erst seit Kurzem. Die Drei sind mit Spaß bei der Sache. Spielerisch werden die Mädels zu unterschiedlichen Themen kinderfreundlich in Szene gesetzt. Von dem Geld, das sie damit verdienen, bekommen Marie, Emma und Paula einen kleinen Betrag selbst, der Hauptteil aber wird für ihre Zukunft angelegt.

Von vielen Firmen wurden die Mädchen bereits engagiert und waren schon in Werbungen für Schulranzen, Spielzeuge, eine Kleidermarke und eine Versicherung zu sehen. Im Vordergrund steht bei der Arbeit aber immer das Wohl der Drei: Kinder dürfen maximal 30 Tage im Jahr arbeiten, sonst muss eine pädagogische Fachkraft eingestellt werden. Außerdem darf ein Shooting mit ihnen laut Bundeskinderschutzgesetz je nach Alter maximal zwei beziehungsweise drei Stunden dauern.

Weil Paula und Emma noch in den Kindergarten gehen, finden ihre Fotoshootings auch am Vormittag statt. Bei der Ältesten, die schon die Schule besucht, achtet die Mutter darauf, dass das Modeln erst nach dem Unterricht beginnt. Vorurteile oder Missgunst aus dem näheren Umfeld gebe es keine, im Gegenteil: "Viele finden das eher beneidenswert", sagt Schönig.

Um sich und die Kinder zu schützen, tritt sie im Internet aber nicht mit ihrem vollen Namen auf und gibt auch über ihren Wohnort keine Auskünfte. Ungefähr dreimal die Woche ist die Familie zu Terminen unterwegs, manchmal steht Vanessa vor der Kamera, dann wieder eine oder mehrere ihrer Töchter, ab und zu auch alle zusammen. Manchmal führt ihre Arbeit sie auch in idyllische Landschaften, zum Beispiel vergangene Woche in das Allgäu. Die Kinder haben trotzdem noch Zeit für Hobbys: Marie spielt zum Beispiel regelmäßig Tennis und schwimmt gerne, während Emma dreimal die Woche im Leistungsturnen trainiert. "Das ist für sie ein Ausgleich", sagt Vanessa Schönig.

Mit dem Modeln sind aber auch viel Vorbereitung und Organisation verbunden. Immer wieder müssen neue Outfits gekauft werden, weil die Schönigs ihre Kleidung oft selbst mitbringen müssen. Regelmäßig muss der Kontakt zu den Agenturen gepflegt werden: Sie brauchen aktuelle Fotos, um zu sehen, für welche Werbekampagnen Marie, Emma und Paula geeignet sind. Auch stundenlange Autofahrten gehören zum Alltag.

Vanessa Schönig koordiniert all das, sie hat das Modeln inzwischen zu ihrem Hauptberuf gemacht. Für die Stadt Mannheim, ein Möbelhaus und eine Kaufhauskette wurde sie bereits abgelichtet, vor rund zwei Jahren war sie als Kandidatin in der Modesendung "Shopping Queen". "Das war witzig, aber auch anstrengend, weil da von morgens bis abends gedreht wurde", erinnert sie sich.

Darüber hinaus ist Schönig auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook aktiv: Dort lädt die dreifache Mutter regelmäßig aktuelle Bilder unter einem Namenskürzel hoch, die von Tausenden Menschen angeschaut werden. Inzwischen interessieren sich auch verschiedene Firmen für ihre Profile und schicken ihr Pakete zu, damit Schönig dann ein Foto mit dem Produkt ins Internet stellt. So erreichen die Unternehmen eine größere Reichweite.

Bald steht für die Schönigs der Umzug in ein größeres Haus an, denn der Platz im jetzigen Heim wird mit drei Kindern und zwei Hunden allmählich zu klein. Für die Zukunft kann sich Mutter Vanessa vorstellen, ihr Haus für Shootings zur Verfügung zu stellen. Vielleicht sind dann auch die Hunde Bruno und Frank dabei.

Ob die Mädchen später das Modeln zu ihrem Beruf machen wollen, sei ihnen aber selbst überlassen, sagt ihre Mutter. Solange die Drei Spaß daran haben, werde sie ihre Töchter dabei unterstützen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung