30.06.2017

Schriesheim erhebt Vorwürfe gegen Baufirma

Sanierungen in Dossenheimer Weg, Oberer Bergstraße und Burgweg dauern zu lang - Arbeiter kamen mal zu kurz, mal gar nicht

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Ende Mai und Mitte Juni, so lautete der Plan: Stadtbaumeister Markus Schäfer hatte sich Ende März noch optimistisch gezeigt, dass die Sanierungsarbeiten im Dossenheimer Weg beziehungsweise in der Oberen Bergstraße bis dahin abgeschlossen sein würden. Beide Zeitfenster wurden von der Baugesellschaft Hauck, die mit den Arbeiten beauftragt wurde, aber weit überschritten. In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch kritisierte Schäfer dies deutlich.

"Wir haben es mit einer Firma zu tun, die wohl sehr von Krankheit und Kündigungen geplagt war", so der Stadtbaumeister. Hauck habe häufig nicht genug Mitarbeiter gehabt, um die Aufträge, zu denen auch die Sanierung des Burgwegs gehört, wie vereinbart auszuführen. "Dann wurden Subunternehmer beauftragt, deren Arbeiter die Baustelle nach zwei Tagen einfach wieder verlassen haben."

Für Karl-Friedrich Lamb, Prokurist der Baugesellschaft, sind diese Entwicklungen nicht voraussehbar gewesen. In der Oberen Bergstraße seien Poliere krankheitsbedingt ausgefallen. "Sie mit einem dermaßen leer gefegten Markt für Fachkräfte zu ersetzen, war praktisch ein Ding der Unmöglichkeit", sagte er gestern der RNZ. Hinzugekommen sei die Geschäftsaufgabe eines Subunternehmers, der dies der Firma Hauck nicht mitgeteilt habe.

Manche Arbeiten wurden in der Folge von einer anderen Firma, mit der die Baugesellschaft vorher noch nicht zusammengearbeitet hatte, mangelhaft ausgeführt: Im Dossenheimer Weg musste der neue Gehweg deshalb zweimal gepflastert werden. An manchen Werktagen war auf den Baustellen gar kein Betrieb. "Das ist jetzt peinlich für uns, aber ich kann es leider nicht ändern", sagte Lamb.

In der Schillerstraße sollte eigentlich am 6. Juni die Asphaltierung des dritten Abschnitts zwischen Bahnhofstraße und Theodor-Körner-Straße beginnen. "Aber es ist nichts passiert", sagte Schäfer, "als wir am nächsten Tag die Firma kontaktierten, sind wir gewissermaßen in der Luft hängen geblieben." Erst später kam die Antwort: Man könne erst am 15. August mit den Arbeiten beginnen, vorher gebe es keine Kapazitäten. Geeinigt haben sich Stadt und Unternehmen schließlich auf kommenden Montag als Baubeginn, bis zum 25. August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. "Wir schicken eine Top-Kolonne", so Lamb, "die Bauarbeiten werden fristgerecht fertiggestellt werden."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Arbeiter der beauftragten Baugesellschaft später als vereinbart beginnen: Als im August 2016 mit dem Dossenheimer Weg begonnen werden sollte, hatte die Firma Hauck keine Kolonnen frei. "Ärgerlich" fand das damals schon Schäfers Vorgänger Markus Foltin: "Da brauchen wir Verlässlichkeit - auch nach außen."

Sein Nachfolger kämpft knapp ein Jahr später mit ähnlichen Problemen. Die Stadt wird nun Ansprüche auf Schadenersatz prüfen, zumal bereits die nächsten Sanierungsarbeiten im Steinschleifenweg und der Sophienstraße anstehen. "Wir werden bei zukünftigen Maßnahmen genau prüfen müssen, an welche Firma wir den Auftrag vergeben", so Schäfer am Mittwoch im Gemeinderat. Bei den Problem-Baustellen hatte die Baugesellschaft Hauck als günstigster Bieter die Zuschläge erhalten. Die Ausschreibungen für die nächsten Tiefbauarbeiten laufen.

Neue Enddaten für die Obere Bergstraße, den Burgweg und den Dossenheimer Weg stehen inzwischen fest: Ende nächster Woche sollen in den beiden letztgenannten Fällen die Asphaltierungsarbeiten abgeschlossen sein. Die Obere Bergstraße wird nach heutigem Stand am 25. August fertig. In der Sophienstraße und im Steinschleifenweg sollen die Arbeiten dann am 1. September beginnen - pünktlich, hofft Stadtbaumeister Schäfer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung