07.07.2017

Ein Ort der Begegnung zahlt sich aus

Begegnungszentrum "mittendrin" feierte Anerkennung als Mehrgenerationenhaus - Staatssekretärin Mielich dankte Ehrenamtlichen

"Ich kann nur empfehlen: Leisten Sie sich ein Mehrgenerationenhaus", sagte Bärbl Mielich (Grüne, 3.v.l.) bei der Enthüllung der Plakette. Bürgermeister Hansjörg Höfer, die Leiterinnen Sarah Strohhäcker und Christine Vierling sowie Pfarrerin Suse Best applaudierten. Foto: Dorn

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Der Name ist Programm: Das Begegnungszentrum "mittendrin" liege eben mitten in der Seele der Stadt, sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer beim Empfang anlässlich dessen Anerkennung als Mehrgenerationenhaus. "Wie war es früher ohne das ‚mittendrin‘?", fragte Höfer ins Rund der Gäste aus Politik, Kirchen, Kooperationspartnern und Helfern. Und gab die Antwort gleich selbst: "Es ist nicht mehr wegzudenken."

Das "mittendrin" ist als Begegnungszentrum und Café ein diakonischer Arbeitszweig der Evangelischen Kirchengemeinde Schriesheim und öffnete vor zwei Jahren seine Pforte für Menschen jeden Alters, Kultur und Herkunft. Die beiden hauptamtlichen Leiterinnen Sarah Strohhäcker und Christine Vierling führten durch den offiziellen Teil des Programms, der die feierliche Enthüllung der gläsernen Plakette mit der Inschrift "Wir leben Zukunft vor" als sichtbares Zeichen der Anerkennung zum Mehrgenerationenhaus beinhaltete.

Sowohl Höfer als auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration, stellten das große ehrenamtliche Engagement fürs "mittendrin" heraus. "Es ist großartig, dass so viele bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Entscheidend bei Mehrgenerationenhäusern ist, dass sie von der Bevölkerung getragen werden - und von den Helfern", sagte Mielich. "Es ist schön, so wahrgenommen zu werden", fand Christine Vierling und wandte sich an die Ehrenamtlichen: "Da hört ihr es: Ihr seid toll."

Unter den rund 80 Helfern sind nicht wenige musikalisch begabt. So war es möglich, eine eigene kleine "mittendrin-Band" auf die Bühne zu bringen, die "Oh, happy day" sang. Weitere Beiträge kamen vom Posaunenchor, der die Feier festlich mit Händels Feuerwerksmusik eröffnete. Mucksmäuschenstill hörten die Gäste kurz vor Ende der Veranstaltung dem jungen Musikschul-Gitarristen Leon Dawkins zu, der in bewundernswerter Ruhe und souverän eine Kostprobe seines Talents darbot.

Mielich beglückwünschte all jene für ihre Arbeit, die das "mittendrin" ins Leben gerufen haben und mit Leben füllen. Die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen habe das Bundesprogramm zur Förderung von Mehrgenerationenhäusern vor zehn Jahren initiiert. Damit verbunden ist eine jährliche finanzielle Unterstützung von 30.000 Euro über die Dauer von vier Jahren hinweg. Voraussetzung ist, dass die Stadt selbst einen Beitrag zur Förderung leistet. In Schriesheim sind das 10.000 Euro.

Mielich erinnerte an die Vorwürfe, denen Bürgermeister Höfer sich anfangs ausgesetzt sah, als man ihm Verschwendung von Steuergeldern unterstellt habe. In der Gestaltung eines Mehrgenerationenhauses sei eine Gemeinde offen. Angesichts veränderter (Familien-)Strukturen und einer gestiegenen Zahl an Flüchtlingen würden diese Einrichtungen an Bedeutung gewinnen für eine inklusive Gesellschaft. "Wir wollen ein menschliches Zusammenleben fördern, und Mehrgenerationenhäuser sind dafür ein gutes Beispiel", so die Staatssekretärin. "Ich kann jeder Kommune nur empfehlen: Leisten Sie sich Mehrgenerationenhäuser als Schmelztiegel des sozialen Miteinanders." Dies hier sei ein "wunderbarer Ort der Begegnung", der sich jetzt schon ausgezahlt habe.

Pfarrerin Suse Best sprach von der Intention, mit dem "mittendrin" auch Raum für Ruhe, Rückzug und "Begegnungen mit Gott" zu schaffen. "Jesus chillt hier auch öfters", zitierte sie den Eintrag eines Jugendlichen ins Gästebuch. Ihr Kollege Kieren Jäschke hielt später die Abendandacht, nach einem bunten Mitmachprogramm, das die ehrenamtlichen Helfer auf die Beine gestellt hatten. Zudem waren die Kooperationspartner mit Informationsständen vertreten.

"Es braucht Improvisationstalent und Mut, um ein Mehrgenerationenhaus zu führen", erklärte Andrea Barth, die das Mehrgenerationenhaus in Heilbronn leitet und den Landesarbeitskreis vertrat, in dem Schriesheim Mitglied ist. Sie half vor Jahren mit hilfreichen Informationen, um die anfänglichen Überlegungen der Kirchengemeinde zu "befeuern". "Der Funke sprang wohl über", meinte sie.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung