10.07.2017

Sechs Monate Arbeit umsonst

Der Naturspielplatz von Kindern der Altenbacher "Räuberhöhle" soll abgesperrt werden - "Im Zweifelsfall geht die Sicherheit vor, so Bürgermeister Höfer

Von Frederick Mersi

Schriesheim-Altenbach. Ein halbes Jahr haben die Kinder an ihrem eigenen grünen Spielplatz gearbeitet, jetzt dürfen sie ihn nicht mehr benutzen: Die Weidenzelte und -tunnel auf dem Außengelände des städtischen Kinderhauses "Räuberhöhle" sollen durch einen Zaun abgesperrt werden, weil sie am Fuß eines Hangs stehen, der mit seiner Steigung und Fallhöhen gefährlich sein könnte.

"Gerade in Altenbach ist das schon kurios", sagt Jan Lauterbach, "hier wohnt ja absolut niemand in der Ebene." Und Jenny Steinhauer ergänzt: "Die Treppe vor unserem Haus ist wahrscheinlich gefährlicher als dieser Hang." Beide sind im Elternbeirat des Kinderhauses aktiv und verstehen jetzt die Welt nicht mehr: "Die Kinder haben sich mit den Weidenzelten sehr viel Mühe gegeben", sagt Lauterbach, "und ich kann die Gefährlichkeit einfach nicht entdecken".

Zumal ein erstes von der Stadt beauftragtes Gutachten im Juli 2016 an dem neugestalteten Hang nichts bemängelte. Einzig auf sogenannte "Augenstecher-Zweige" und Vogelkot müsse geachtet werden, hieß es. Im November kam dann aber ein zweites Gutachten eines anderen Sicherheitsprüfers im Auftrag der Stadt zu dem Ergebnis, dass der neue Spielhügel "durch die hohe Geländeneigung und diverse Verletzungsgefahren nicht für den Spielbetrieb geeignet" sei.

Dabei sei das Kinderhaus beim neuen Außengelände den Empfehlungen für naturnahes Spielen des Kommunalverbands für Jugend und Soziales gefolgt, sagt Lauterbach. Auch eine Landschaftsgärtnerin und ein Mitarbeiter des Bauamts unterstützten die Kinder Anfang 2016 bei der Errichtung ihrer "grünen Höhlen". Jetzt ist das Bauamt dafür zuständig, das Ganze wieder abzusperren.

"Unser Ziel wäre es einfach, den unteren Bereich mit den Weidenzelten offen zu lassen", sagt Lauterbach. Dafür wolle man sich mit der Stadt und Sachverständigen an einen Tisch setzen, ergänzt Jenny Steinhauer. Um dies zu erreichen, haben die beiden eine Unterschriftenaktion gestartet, bei der fast alle Eltern der "Räuberhöhle" mitgemacht haben. Der Ortschaftsrat habe dies angeregt, nachdem man bei der Stadt auf wenig Resonanz gestoßen war. "Bis jetzt haben wir immer nur irgendein Ergebnis bekommen, aber nie erfahren, wie es dazu kam", so Lauterbach.

Bürgermeister Hansjörg Höfer entgegnet: "Mein Problem ist, dass ich diese Sache nicht verhandeln kann." Wenn er auf Anraten des Sicherheitsprüfers nicht handle, könne er im Fall einer Verletzung privatrechtlich dafür haftbar gemacht werden, sagt Höfer. Er habe Verständnis für die Eltern und ihr Anliegen, denn der grüne Spielplatz sei "eine tolle Sache".

Doch das Gelände sei schon vor dem Umbau des Außengeländes abgesperrt gewesen, der Zaun sei entfernt worden, um eine Zufahrt für die Baufahrzeuge zum Spielplatz unterhalb des Gebäudes zu schaffen. Somit stelle man eigentlich den ursprünglichen Zustand des Geländes wieder her. Um das Areal wieder freizugeben, müsse eine Planung vorliegen, die dann erneut von einem Gutachter geprüft werden müsste. "Und zwar von jemandem, der sich genau mit den Unfallverhütungsvorschriften auskennt", so Höfer. Das Projekt wäre dann aber nicht mehr das der Räuberhöhlen-Kinder.

"Im Zweifelsfall geht die Sicherheit der Kinder für die Stadt als Träger der Einrichtung einfach vor", sagt Höfer, "wir tragen dort letztendlich die Verantwortung, und die kann uns auch keiner abnehmen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung