10.07.2017

Heiße Nacht mit viel Abwechslung

Dank Sommerwetter und exzellenter Musiker wurde die zwölfte Ausgabe von "Schriesheim jazZt" am Samstag zu einem vollen Erfolg

Von Marco Partner

Schriesheim. Um die große Vielfalt des kleinen Festivals zu erleben, genügen manchmal kurze Wege - oder Pausen. Kaum haben die Saxofonisten und Trompeter der SRH-Bigband nach der erfrischenden Latin-Jazz-Nummer "Azulito" ihre Instrumente auf der Bühne im Unteren Schulhof abgelegt, um sich die Notenblätter für das nächste Lied zurechtzulegen, da wehen aus der Ferne das helle Klarinettenspiel und der Dixie-Sound der Speyrer "City Stompers" herüber.

Nur ein paar Schritte weiter lässt Richie Arndt mit seiner Acoustic Band im Goldenen Hirsch die Gitarren sprechen. Eingerahmt von einem Dach aus Weinreben gleitet der Sänger mit der Bottleneck über die Saiten. "Hear my train is coming", singt der Bielefelder mit wehleidiger Stimme und verwandelt den bekannten Jimi-Hendrix-Song in einen schweißtreibenden Western-Titel, und den "Hirsch" in einen heißen Jazzschuppen.
"Es ist diese große Abwechslung. Mal gibt es traurigen Blues und dann wieder Free Jazz, bei dem es voll abgeht. Und das alles ganz zwanglos", sagt Martina Schmelzer. Die zwölfte Auflage von "Schriesheim jazZt" ist für sie und ihren Mann Volkmar gleichzeitig der zwölfte Festivalbesuch. Insgesamt machen sich am Samstag wieder über Tausend Jazzbegeisterte auf den musikalischen Weg durch die Altstadt.

An sieben Stationen locken sieben Bands, die die ganze Vielfalt des Musikgenres unter Beweis stellen. "Trotz der hohen Außentemperaturen hoffe ich, dass die Musiker Ihnen richtig einheizen", sagt Gabriele Mohr-Nassauer, Vorsitzende des Kulturkreises, zur Eröffnung. "Bleiben und genießen Sie, solange es draußen so warm ist. Das kann ruhig bis morgen früh sein", erklärt auch Bürgermeister Hansjörg Hofer, der sich für das ehrenamtliche Engagement des Kulturkreises als Veranstalter des "jazZt"-Festivals bedankt.

Neue Lieblingsbands werden beim Spaziergang zwischen Evangelischem Kirchgarten und Oberstadt schnell ausfindig gemacht. Für Martin Wörner ist zum Beispiel das Obi Jenne Trio mit der bezaubernden Sängerin Janice Dixon ein absoluter Volltreffer. "Das ist Musik auf höchstem Niveau. Ich bin sehr begeistert", schwärmt der Schriesheimer. Doch nicht nur die Auswahl an Bands, auch das Ambiente des Festivals überzeugt ihn. "Man wandelt von Hof zu Hof, kann für sich etwas Neues entdecken und trifft natürlich auch viele bekannte Gesichter."

Als einer der Geheimtipps des Abends entpuppt sich das Ensemble "Schmitto Kling & Hot Club the Zigan" in der Oberstadt. Ausgestattet mit Geige, Kontrabass, Piano und Gitarren erweckt die 1971 gegründete Formation den Sinti-Jazz wieder zum Leben. Ganz gediegen, ohne Eile, aber mit umso mehr Charme demonstrieren die fünf älteren Herren, dass Musik weit über die bekannte zwei- bis vierminütige Radiolänge hinausgehen kann, ohne dass Langeweile aufkommt. Gleiches gilt für die SRH-Bigband: Vor zwei Jahren musste die Truppe ihr "jazZt"-Konzert aufgrund heftiger Regenschauer bereits nach dem ersten Set abbrechen. Diesmal werden sie wie die Zuschauer von einer heißen Sommernacht und der Freude an der Musik verwöhnt.

Und doch ist Flüssigkeit im Spiel. "Bei dem Wetter müssen wir in jeder Pause sofort trinken. Mit und ohne Geschmack, dass die Töne auch gut rauskommen", witzelt Uwe Rudnik, der vierte Trompeter. Im zweiten Set wird die Band aus Heidelberg von der Jazzsängerin Sarah Mokhtari-Serest begleitet. Und während sich die Musikstudentin aus Mannheim mit einer Soul-Interpretation von Tom Waits "Downtown Train" Bestnoten verdient, brillieren die "Sidesteps" im evangelischen Kirchgarten unter anderem mit einer Jazz-Version von Bob Marleys "I shot the sheriff".

Die "Boogie Connection" am Alten Rathaus dagegen wechselt zu später Stunde von klavierbetonten Boogie-Woogie-Stücken mehr und mehr ins Rockige, während die gebürtige New Yorkerin Janice Dixon mit dem gebürtigen Schriesheimer Obi Jenne und Band im Strahlenburger Hof weiterhin dem klassischen Jazz die Ehre erweist.

Was alle Bands trotz großer Unterschiede vereint: die Liebe zur Musik, der Hang zur freien Rhythmik. Das wird auch bei den "Speyer City Stompers" deutlich, die im Hof des Restaurants Kaiser den Nachthimmel auch im vierten Set noch so leidenschaftlich mit ihren Banjos und Blasinstrumenten erfüllen, als würde Woody Allen persönlich durch die Schriesheimer Altstadt wandeln, um sich Ideen für seinen neuesten Film zu holen.

Musikalische Impressionen für den ganz persönlichen Jazz-Soundtrack gibt es für die Besucher auch bei der zwölften Ausgabe von "Schriesheim jazZt" bis Mitternacht wieder zuhauf. Ganz ohne Regen, aber dafür mit vielen glücklichen Gesichtern - bei den Zuhörern wie den Interpreten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung