13.07.2017

Blasen sind kein Grund zum Aufhören

Neuntklässler des Kurpfalz-Gymnasiums bauen an einem neuen Spielplatz - Projekt zur "Kooperativen Berufsorientierung"

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Aus der Bluetooth-Box schallt der Sommerhit "Rockabye" von Clean Bandit, als der schwere gelbe Sandsteinblock entzweispringt. Schulsozialarbeiter Udo Heidrich darf nur zugucken, wie zwei Neuntklässlerinnen mit zahllosen Hammerschlägen unter der Anleitung von Marek Walczak einen Riss in den Stein treiben. Dabei juckt es ihn schon ein bisschen in den Fingern: "Das ist für mich eine Rückkehr zu meinen Wurzeln", sagt der gelernte Steinmetz.

Doch die Arbeit am zukünftigen Spielplatz auf dem Schulhof des Kurpfalz-Gymnasiums ist den Schülern vorbehalten: Unter Anleitung eines Teams der Werkstattschule Heidelberg haben sie ein gesamtes Schuljahr die Aufteilung und die Elemente des Spielgeländes geplant, seit Montag arbeiten sie täglich an der Verwirklichung des zentralen Teils, des Balancierpfads, immer von 9.30 Uhr bis 15 oder 16 Uhr.

Bleona gräbt und bearbeitet die Sandsteinschlange, die Teil des Balancierpfads werden soll, immer abwechselnd. Drei Blasen hat die Neuntklässlerin schon an den Händen, Handschuhe brauche sie aber nicht, sagt sie. Stattdessen Pflaster drauf, dann wird weitergearbeitet. "Das Graben macht mir mehr Spaß als das Arbeiten am Stein", sagt sie, während sie mit ihrer Kunstlehrerin Bele Rommel eine Grube aushebt, "da arbeitet man gemeinsam, kann mehr reden und muss sich weniger konzentrieren."

Eigentlich hat gerade die Große Pause begonnen, für Bleona und ihre Klassenkameradinnen aber kein Grund aufzuhören: "Wir haben ja erst vor einer Stunde angefangen." Dass ihr die Arbeit so viel Spaß machen würde, habe sie vorher nicht gedacht, sagt die Gymnasiastin, "nur, dass es auf jeden Fall besser ist als Unterricht." Doch sie ist nicht die Einzige, die Feuer gefangen hat und von der Architektin zur Bauarbeiterin geworden ist. "Die Schüler sind hoch motiviert und interessiert - da kann man nicht meckern", bestätigt Jörg Windmann, der das Team der Werkstattschule leitet.

Das Projekt soll nicht nur Ersatz für den Spielplatz an der Conradstraße schaffen, der als zukünftiger Außenbereich des Kindergartens Kurpfalzstraße nach dessen Umzug in die angrenzenden Container eingezäunt wurde: Der Spielplatz soll auch der Berufsorientierung der Gymnasiasten dienen. Sie können sich als Planer und Handwerker ausprobieren und ihre Erfahrungen mit in ihr Berufspraktikum im kommenden Schuljahr nehmen.

"Kooperative Berufsorientierung" (Koobo) heißt das zugehörige Programm des Landeskultusministeriums. Bei den Planungsworkshops, die einmal im Monat stattfanden, kamen so viele Ideen zusammen, dass das Kurpfalz-Gymnasium schon über eine Fortsetzung des Projekts im kommenden Schuljahr nachdenkt. "Wir haben schon das Signal gekriegt, dass es weitergehen kann", sagt Schulsozialarbeiter Heidrich, "wir wollen damit auch einfach die Plätze für alle Schüler attraktiver gestalten".

Erst einmal soll bis morgen Nachmittag die "Balancierschlange" fertig werden. Jörg Windmann ist optimistisch, dass das klappt: "Was wir uns vorgenommen haben, bekommen wir auch hin." In den Sommerferien könnten dann die weiteren Spielgeräte folgen, die von der Stadt in Auftrag gegeben wurden. Steinmetz und Sozialarbeiter Udo Heidrich hat es sich unterdessen nicht nehmen lassen, selbst mit anzupacken: "Den Schlag ums Auge der Schlange habe ich gemacht."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung