17.07.2017

Die britische Leiterin über Brexit und den royalen Besuch

Lynn Schoene, Leiterin des Museums Théo Kerg, spricht im Interview über die Königsfamilie und ihre Sorgen als Britin in Deutschland

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Wenn am Donnerstag Prinz William und Herzogin Kate aus dem britischen Königshaus Heidelberg besuchen, wird Lynn Schoene (64) eine Besuchergruppe durchs Museum Théo Kerg führen. Die in Luton, 30 Kilometer von London entfernt, geborene Britin leitet die Einrichtung seit 20 Jahren. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen mit dem englischen Königshaus, den Brexit und die drängendsten Probleme von Briten in der Region.

Frau Schoene, werden Sie William und Kate am Donnerstag beim Rudern auf dem Neckar zuschauen?

Nein, eher nicht. Ich schaue mir das lieber hinterher im Fernsehen an. Es wäre sehr nett, die beiden zu sehen. Aber die Chancen, dass man einen Blick auf die beiden bekommt, sind wohl doch relativ gering. Das Getümmel will ich mir nicht antun.

Interessieren Sie sich denn als in Deutschland lebende Britin überhaupt für das Königshaus?

Ja. Dass ich nicht hingehe, ist kein Zeichen geringer Wertschätzung. Die Monarchie gehört zu Großbritannien dazu. Sie hat keinen politischen Hintergrund und sollte Vorbild für die Menschen sein. Und das machen William und Kate ja ganz gut.

Sind die Mitglieder der Königsfamilie für Sie also Identifikationsfiguren?

Eigentlich schon. Als ich ein kleines Mädchen war, kam die Königin in meine Heimatstadt, um eine Bibliothek zu eröffnen. Natürlich wollte ich dorthin und war dann total enttäuscht, dass die Königin nicht in fließenden Roben erschienen ist. Ich war sauer, dass da nur eine kleine Person im Kostüm stand (lacht). Und es hat geregnet.

Ist diese Rolle gerade in Zeiten politischer Unsicherheit noch wichtiger?

Ja, sie sind ja Repräsentanten des Landes, ein bisschen wie hier der Bundespräsident. Also Personen, zu denen man aufschaut und die man respektiert, auch wenn das nicht immer bei allen so gewesen ist. Zwar darf die Königin nicht politisch sein, aber das hat auch einen Vorteil: Sie ist nicht parteiisch, und die Menschen haben zu ihr eine emotionale Bindung. In unsicheren Zeiten kann das wie eine Insel sein. Da ist es umso besser, wenn William und Kate ein positives Bild abgeben.

Hätten Sie gedacht, dass die Deutschen so ein großes Interesse an William und Kate haben?

Ich hatte schon das Gefühl, dass die Deutschen die britische Monarchie mögen. Man sieht das auch an den vielen Heften zu Adelsfamilien, die zum Beispiel beim Arzt im Wartezimmer gelesen werden.

Ist der Besuch bei Ihren britischen Freunden in der Region ein Thema?

Ja, schon. Aber über den Brexit wird viel mehr geredet. Die Frage ist ja: Strebe ich nun die doppelte Staatsbürgerschaft an? Wie ist mein Status hier, wenn ich dies nicht tue? Über die Monarchie redet man da normalerweise nicht groß.

Welche Optionen haben Sie nach dem Brexit, um hier bleiben zu können?

Drei Freunde haben sich für die doppelte Staatsbürgerschaft entschieden. Aber dafür muss man einen Test machen mit vielen Fragen, die viele Deutsche nicht einmal beantworten könnten. Das hat mich dann doch etwas abgetörnt. Wenn man so lange in einem Land gelebt und gearbeitet hat, ist das etwas absurd. Die Alternative wären vielleicht Aufenthaltsgenehmigungen, die man sich dann regelmäßig erneuern lassen muss. Das ist eine kuriose, aber auch eine blöde Situation. Ich bin enttäuscht von der Politik in meinem Heimatland.

Was wünschen Sie sich für Großbritannien?

Dass die Brexit-Verhandlungen so verlaufen, dass Großbritannien und die EU danach zusammenarbeiten können und es nicht zulasten der Bevölkerung geht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung