17.07.2017

Praktikant wurde zum "Antipasti-Fachmann"

Abdullhay Qasimi aus Afghanistan wurde durch ein Inklusionsprogramm im Cateringbetrieb glücklich

Schriesheim. (capa) Ein Beispiel für gelungene Inklusion sind der Cateringservice von Viola Keller und ihr körperlich behinderter Mitarbeiter Abdullhay Qasimi: Der 23-jährige Afghane kam 2013 nach Deutschland und wohnte zuerst in Sinsheim, wo er auch arbeitete. Seit einiger Zeit lebt er im ambulanten betreuten Wohnen der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar (AWO) in Dossenheim und erfährt hier Unterstützung im alltäglichen Leben.

Idil Reineke, seit 2014 als Inklusionslotsin der AWO in Schriesheim im Einsatz, kontaktierte sämtliche Unternehmen und Vereine in der Stadt, um Qasimi an seinem neuen Wohnort Möglichkeiten in den Bereichen Arbeiten, Wohnen und Freizeit zu eröffnen. Darunter war auch der Catering- und Lieferservice von Viola Keller, die großes Interesse zeigte.

Als Abdullhay Qasimi für ein einwöchiges Praktikum im März bei ihr arbeitete, war es "wie gesucht und gefunden": Mittlerweile ist er als Minijobber bei Viola Keller tätig und hat eine Menge Spaß bei der Arbeit. Mehrmals die Woche unterstützt er das Team beim Vorbereiten, Aufräumen und Kochen. "Er ist unser Antipasti-Fachmann", sagte Keller, die sich sehr über die gelungene Zusammenarbeit freut, mit einem Lachen. Qasimi würde gerne eine Ausbildung beginnen und ist momentan auf der Suche nach einer Lehrstelle. "Ich darf leider nicht ausbilden", erklärte Keller, die Qasimi sichtlich ins Herz geschlossen hat.

Mit einem Kooperationsvertrag, der 2014 unterschrieben wurde, hatte sie die Zusammenarbeit mit der AWO ursprünglich besiegelt. Darin ist festgehalten, welche Aufgaben die Inklusionslotsin und der Cateringbetrieb im Rahmen ihrer Zusammenarbeit übernehmen müssen: Mit ihrem Fachwissen soll Reineke die Entwicklung hin zu einem inklusiven Betrieb unterstützen und Kontakt zu Fachdiensten, Kostenträgern, Vereinen oder Einrichtungen der Rehabilitation aufbauen.

Der Betrieb von Viola Keller stellt im Gegenzug Praktikumsplätze für behinderte Menschen zur Verfügung, achtet auf Barrierefreiheit bei Bauvorhaben und bietet bei erfolgreicher Beendigung des Praktikums auch die Möglichkeit auf einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Der Vertrag zwischen Qasimi und Keller ist unbefristet.

Ob sie, wenn ihr Mitarbeiter eine Ausbildung beginnt, wieder jemanden mit körperlicher Benachteiligung fest einstellen wird, darüber hat sich Viola Keller noch keine Gedanken gemacht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung