21.07.2017

Initiative kämpft weiter gegen die "DDR 4.0"

Verein blickte zum einjährigen Bestehen auf Erreichtes zurück - Referent Peter Geisinger bezeichnete Windkraft als unrentabel

"Die größte planwirtschaftliche Verirrung" ist der Ausbau der Windkraft nach Meinung des Referenten Peter Geisinger, Vorsitzender des Vereins "Vernunftkraft Odenwald". Foto: Dorn

Schriesheim. (ze) Vor etwas mehr als einem Jahr wurde die Bürgerinitiative "Gegenwind Schriesheim" gegründet. Vor wenigen Monaten wurde durch den Zusammenschluss mit der entsprechenden Bürgerinitiative aus Hirschberg der Verein "Gegenwind Schriesheim-Hirschberg". Anlass genug für die Verantwortlichen des neuen Vereins bei einer Veranstaltung zum Thema "Windkraftindustrie an unserer Bergstraße vor der Entscheidung?" auf die Aktionen der Bürgerinitiativen und des Vereins zurückzublicken.

"Wir haben knapp 50 Mitglieder und etwa 20 Mitstreiter", stellte Vorsitzender Hans-Jörg Goerlach den noch jungen Verein vor. Dieser sei wie die beiden vorangegangenen Bürgerinitiativen nicht untätig gewesen, sagten der ehemalige Sprecher der Bürgerinitiative Gegenwind Hirschberg, Karl-Heinz Weinert, und der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Frank Funcke, vor rund 60 Zuhörern im Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch": Vorträge zum Thema Windenergie wurden organisiert, Infostände, etwa beim Blütenwegfest oder bei der Eröffnung des Branichtunnels, angeboten und große Werbebanner aufgestellt.

Darüber hinaus habe man die Diskussion mit Bürgermeister Hansjörg Höfer sowie den Gemeinderäten gesucht, etwa während der Bürgerfragestunde vor den Gemeinderatssitzungen, so Frank Funcke. "Der Bürgermeister verweigert jegliche Diskussion über das Thema", lautete jedoch das Fazit des stellvertretenden Vorsitzenden.

Vielmehr unternehme der Bürgermeister keinerlei Anstrengungen, die Errichtung von Windrädern auf Schriesheimer Gemarkung zu verhindern. Diese sei nicht so unwahrscheinlich, da von den ehemals 17 Konzentrationszonen, die der Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim in seinem Gebiet vorgeschlagen hatte, nur noch vier übrig sind, zwei davon auf Schriesheimer Gemarkung.

"Für mich gibt es keinen Sinn, eine weitere Windkraftanlage in Deutschland zu errichten", sagte Peter Geisinger, Referent des Jubiläumsabends und Vorsitzender des Vereins "Vernunftkraft Odenwald". Gerade einmal 2,2 Prozent mache der Anteil des aus Windrädern gewonnen Stroms am Gesamtenergieverbrauch aus. Dafür werde der Tod von Vögeln und Fledermäusen in Kauf genommen. Auch aus wirtschaftlicher Sicht machten Windräder keinen Sinn.

Dazu präsentierte er Daten von Werner Daldorf, dem ehemaligen Vorsitzenden des Anlegerbeirats des Bundesverbandes Windenergie. Dieser hatte die ihm zur Verfügung stehenden Jahresabschlüsse von 1150 Windparks der Jahre 2000 bis 2013 ausgewertet. Dabei stellte er fest, dass die Einnahmen aus der Stromerzeugung dieser Windparks gut 13 Prozent unter den vorhergesagten Einnahmen lagen. Innerhalb von 13 Jahren sei so ein Anlegerschaden von 321,6 Millionen Euro entstanden.

Geisinger führte auch gleich die Gründe an, die aus seiner Sicht dafür verantwortlich sind, dass Windräder trotz wirtschaftlich trüber Aussichten immer noch gebaut werden. Denn die Initiatoren und Hersteller der Windparks verdienten durch die Subventionierung der Windkraft.

Doch auch das Ausland leide unter dem Windkraft-Ausbau: Die zeitweise Überproduktion an Strom durch regenerative Energieträger, der teilweise in die Leitungen der Nachbarländer geleitet wird, sorge dafür, dass in der Schweiz und in Österreich die Stromproduktion aus Wasserkraft unrentabel werde. "Das ist die größte planwirtschaftliche Verirrung, das ist DDR 4.0", fasste Peter Geisinger dementsprechend seine Ausführungen zusammen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung