21.07.2017

Schriesheimer Schüler forderten Politiker

Jugendliche aus Kurpfalzgymnasium luden Bundestagskandidaten ein - Gut vorbereitete Diskussion

Malte Kaufmann (AfD), Karl A. Lamers (CDU) und FDP-Kandidat Dennis Nusser (1. bis 3. v. l.) hatten ebenso auf dem Podium Platz genommen wie Lothar Binding (SPD, 3. v. r.), Grünenpolitiker Danyal Bayaz (2. v. r.) und Linken-Kandidatin Sarah Mirow (r.). Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Irgendwann wurde es Sahra Mirow dann doch zu viel: "Wenn die AfD sagt, sie sei nicht flüchtlingsfeindlich, dann muss ich lachen", sagte die Bundestagskandidatin der Linken am Dienstagmorgen in der Aula des Kurpfalz-Gymnasiums. Der Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD) Malte Kaufmann hatte zuvor gesagt, man solle seiner Partei nicht vorwerfen, dass sie ausländerfeindlich sei. Auch, dass die AfD befürworte, an Deutschlands Grenzen auf Flüchtlinge zu schießen, sei eine "Unterstellung".

Ansonsten verlief die zehnte Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl im Herbst weitgehend unaufgeregt. Das lag auch an den souverän agierenden Moderatoren Finn Franzen und Victoria Giese aus dem vierstündigen Gemeinschaftskunde-Kurs von Jörg Lawrenz. Wenn die Antworten ihrer Gäste zu sehr vom Thema abwichen, hatten die beiden Schüler der Jahrgangsstufe eins keine Scheu, zu unterbrechen.

Drei Themen hatte ihr Kurs zuvor gemeinsam vorbereitet: Terror und Sicherheit, Rente und internationale Beziehungen. Zu jedem der drei Blöcke hatten die Gymnasiasten, ähnlich wie bei Talkshows im Fernsehen, einen Einspieler vorbereitet. AfD-Kandidat Kaufmann forderte eine bessere Sicherung der Außengrenzen und die konsequente Abschiebung von Gefährdern, aber auch eine bessere Ausstattung der Polizei, zum Beispiel mit "Bodycams". Dem entgegnete CDU-Abgeordneter Karl A. Lamers: "Was Herr Kaufmann da sagt, ist nicht allein AfD-Programm." Auch die "Bodycams" habe dessen Partei nicht erfunden, und es sei die Union gewesen, die eine Vorratsdatenspeicherung über vier Wochen möglich gemacht habe.

Dennis Nusser von der FDP betonte hingegen, man müsse die Instrumente, die man in der Strafverfolgung bereits habe, besser nutzen: "Jeder einzelne Terrorist, der Anschläge in Europa begangen hat, war vorher polizeibekannt." Zudem sei der überwiegende Teil der Täter innerhalb der EU aufgewachsen.

Auch Danyal Bayaz, Kandidat der Grünen im Wahlkreis Schwetzingen und Vertretung der Abgeordneten Franziska Brantner, sagte: "Wir haben die Bürgerrechte in der Vergangenheit immer mehr zugunsten der Sicherheit geschliffen." SPD-Bundestagsabgeordneter Lothar Binding zweifelte zudem an, dass Deutschland tatsächlich im Fadenkreuz des islamistischen Terrors stehe, was Linken-Kandidatin Mirow noch einmal konkretisierte: "Die meisten Anschläge passieren nicht hier, sondern im arabischsprachigen Raum."

Einigkeit herrschte bei Vertretern aller Parteien im zweiten Themenblock darüber, dass der Eintritt in die Rente flexibler gestaltet werden müsse - und nicht jeder bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten kann. Sehr unterschiedlich waren dagegen die Bewertungen der momentanen Abgabelast. Während Kaufmann von der AfD anprangerte, das Geld fließe in Flüchtlingsunterkünfte und Klimaschutz, rief Binding dazwischen: "Das Geld ist für den Staat, für uns alle."

Ebenso unterschiedlich waren die Positionen bei der Einschätzung autoritärer Staatsoberhäupter und Diktatoren, als es um Deutschlands Rolle in der Außenpolitik ging. Sahra Mirow behauptete, die Verfolgung von Regimekritikern in der Türkei sei momentan deutlich intensiver als die in Russland. Gleichzeitig bezeichnete sie Wladimir Putin auf Schülernachfrage als Autokrat. Karl A. Lamers warf ihr dagegen vor, sie verbreite dessen Propaganda bezüglich der NATO-Osterweiterung.

Malte Kaufmann fand es "unsäglich", wie Trump in den Medien stigmatisiert werde, während FDP-Kandidat Nusser den amerikanischen Präsident als "Depp" bezeichnete.

So unterschiedlich die Positionen waren, so einig war man sich in dem Dank an die Schüler des Kurpfalz-Gymnasiums für die Organisation der Veranstaltung. Gemeinschaftskundelehrer Jörg Lawrenz forderte die Schüler dazu auf, bei der Wahl Verantwortung zu übernehmen. Wenn nicht für den Bundestag, dann bei der U18-Wahl des Jugendgemeinderats im Herbst.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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