04.08.2017

Ein Schriesheimer Student als Gesicht der "neuen" FDP

Bundestagskandidat Dennis Nusser (20) sprach im Gasthaus Frank über Bildung und Digitalisierung

Der jüngste seiner Art in Baden-Württemberg: FDP-Bundestagskandidat Dennis Nusser. Foto: Dorn


Schriesheim. (ze) "Der Wahlkampf ist bei den Leuten noch gar nicht angekommen", stellte Stadtrat Wolfgang Renkenberger zu Beginn der liberalen Runde der Schriesheimer FDP fest. Ein Blick in die sehr überschaubare Runde an interessierten Bürgern bestätigte seine Einschätzung: Nur wenige waren zur Vorstellung des FDP-Bundestagskandidaten des Wahlkreises Heidelberg-Weinheim, Dennis Nusser, gekommen.

"Ich bin 2013 nach der Bundestagswahl in die FDP eingetreten", stellte sich der mit 20 Jahren jüngste Kandidat der FDP in Baden-Württemberg für die kommende Bundestagswahl vor. Den Zeitpunkt habe er bewusst gewählt: "Ich war mit der alten FDP inhaltlich nicht immer einverstanden", sagte Nusser. Die Freien Demokraten hätten seiner Ansicht nach die Bürgerrechte mehr in den Vordergrund ihres Parteiprogramms stellen müssen, was ihm ein großes Anliegen ist.

Die Vorratsdatenspeicherung wurde beschlossen, mit dem "Bundestrojaner" können die Computer der Bürger ausgespäht werden. Damit könne man jedoch terroristische Attentate offenbar nicht verhindern, so Nusser. Jeder Attentäter sei zuvor bereits polizeilich bekannt gewesen. Vielmehr sei es notwendig Polizei und Justiz zu stärken: "Eine Ausweitung der Überwachung ist nicht der richtige Schritt, um Terrorismus vorzubeugen."

Auch über die Bildungspolitik sprach er im Gasthaus Frank: "Deutschland liegt bei den Ausgaben für die Bildung deutlich unter dem OECD-Durchschnitt", so Nusser, der an der Universität Heidelberg Amerikanistik studiert. Besonders bemängelte der Bundestagskandidat die schlechte digitale Ausstattung in Schulen, in denen es meist kein WLAN gebe. Deshalb schlage die FDP vor, dass der Staat 1000 Euro pro Schüler oder umgerechnet zwölf Milliarden Euro bereit stellen sollte, um die Schulen in puncto Digitalisierung voranzubringen.

Überhaupt werde das Thema Digitalisierung in Deutschland sträflich vernachlässigt, so Nusser. Das sei problematisch in einer Welt, die immer digitaler werde. So veränderten sich derzeit die Berufsfelder, und das Programmieren werde immer wichtiger. Gleichzeitig spiele das Programmieren in den Schulen keine Rolle - oft mit der Begründung, dass es sich nicht lohne, eine Programmiersprache zu erlernen, da diese schon bald nicht mehr aktuell sei. Dabei gehe es vielmehr darum, die dazugehörigen Denkmuster zu verinnerlichen.

Auch auf europäischer Ebene sah Dennis Nusser "tief greifende Probleme". So sei etwa die Europäische Kommission aufgebläht und müsste seiner Ansicht nach von 28 auf 16 Kommissare reduziert werden. Außerdem solle das Einstimmigkeitsprinzip für Entscheidungen der EU abgeschafft werden. Darüber hinaus gelte es, das EU-Parlament zu stärken, indem bei den Europawahlen eine Listenwahl stattfindet. Dadurch könnte Europa den Menschen wieder nähergebracht werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung