07.08.2017

"Windräder zerstören den Lebensraum von Tieren"

Michael Riffel, Marcel Münderle und Andreas Arnold forschten an der Ursenbacher Höhe - Bei der FDP stellten sie ihre Ergebnisse vor

Schriesheim. (RNZ) Werden alle Eingriffe in die Umwelt gleich behandelt oder nicht? Dieser Frage gingen Michael Riffel und Marcel Münderle von der Hirschberger Firma Rifcon sowie der Fledermausexperte Andreas Arnold auf Einladung des Schriesheimer FDP-Chefs Ingo Kuntermann im Gasthaus "Frank" vor 30 Anwesenden nach.

"Wir erstellen unter anderem Gutachten für Pflanzenschutzmittel", so Riffel: "Ich muss qualifiziert sein, hafte persönlich für Fehler, werde alle drei Jahre von der Behörde überprüft und muss meine gerichtsverwertbaren Rohdaten 15 Jahre lang aufbewahren." Bei den Gutachten für Windindustriestandorte gelte das alles nicht, kritisiert er. Es gebe weder zertifizierte Gutachter noch persönliche Haftung. Die Investoren könnten "Rohdaten beeinflussen" und es gebe - anders als für Pflanzenschutzmittel - keine Fachbehörde, die das kontrolliere. "Daten müssen nicht aufbewahrt werden" und könnten "verloren gehen". "Die Gefahr von Gefälligkeitsgutachten" sei groß.

Mit vier Mitstreitern hat Riffel zwei Jahre lang auf eigene Rechnung das Gebiet um die Ursenbacher Höhe untersucht, das nach den Plänen des Nachbarschaftsverbands als Konzentrationszone für Windräder in Frage kommen könnte. Münderle hat in diesem Bereich mehr als 70 Vogelarten kartiert. Vier davon sind vom Aussterben bedroht, zum Beispiel Heidelerche und Braunkehlchen, die das Gebiet zum Durchzug nutzten. Es gibt hier zudem geschützte Brutvögel, wie Rotmilan, Sperber, Habicht, Turmfalke und Mäusebussard. 40 bis 60 Prozent des Weltbestandes des Rotmilans seien in Deutschland zu Hause. Insbesondere diese Vogelart hätte ein hohes Kollisionsrisiko mit den Rotoren der Windkraftanlagen.

Arnold referierte über seine Forschungen zu den Fledermäusen in dem Gebiet. In "546 Erfassungsnächten" seien "fast 43.000 Rufaufnahmen erstellt" worden. Das Gebiet beherberge 15 der 19 Fledermausarten, die im Land vorkämen. Für vier der Arten gelte ein besonder Schutzstatus. Spezielle Schutzzonen müssten für sie ausgewiesen werden.

Der Wald sei als Ort der Fortpflanzung und auch der Jungenaufzucht essenziell wichtig. Windindustrieanlagen würden den Lebensraum der Tiere nachhaltig zerstören. Und dabei geht es nicht alleine ums Abholzen: "Und die Tiere müssen noch nicht einmal mit den Rotoren kollidieren", sagte Arnold: "Wenn sie nur in die Nähe kommen, platzen ihre Lungen, und sie fallen einfach zu Boden." 600 Tonnen Insekten oder 120 Milliarden Stechmücken: Diese Menge Plagegeister wird jährlich von 335.000 Fledermäusen gefressen; oder auch nicht, denn so viele der kleinen Säugetiere sterben bundesweit jedes Jahr durch die Rotorflügel von Windrädern. Die drei Forscher hätten ihre Daten bei den Gemeinden Schriesheim und Hirschberg, der Naturschutzbehörde Unterer Neckar und beim Regierungspräsidium in Karlsruhe eingereicht, "bis jetzt aber ohne Reaktion", so Arnold.

FDP-Kreisrat Hartmut Kowalinski sah die Verantwortung nun beim Wähler. Nachdem die Fakten öffentlich seien, könne man den nächsten Wahltermin nutzen. Und einer der Anwesenden war ganz erstaunt, dass man sich bei der FDP informieren müsse, wenn einem der Naturschutz wichtig sei.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung