15.08.2017

Flüchtlinge in Schriesheim: Die Bewährungsprobe steht noch bevor

Zwölf Flüchtlinge sind inzwischen im Dossenheimer Weg 68 eingezogen - Neue Sozialarbeiterin wird die Bewohner ab September betreuen

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der EnBW im Dossenheimer Weg stehen einige Fahrräder, im Flur brennt am frühen Abend Licht: Die ersten Menschen sind in die Schriesheimer Gemeinschaftsunterkunft in der Anschlussunterbringung eingezogen - und es sind alte Bekannte. Die zwölf Männer aus Afghanistan, Syrien und dem Irak haben zuvor schon einmal in Schriesheim gewohnt, nur ein paar Häuserblocks entfernt in der Carl-Benz-Straße 23. Weitere sollen in den nächsten Wochen folgen.

"Die Daten für weitere zwölf Personen hat der Kreis inzwischen übermittelt", sagt die städtische Integrationsbeauftragte Isabel Herschel. Bereits Mitte Juli seien die ersten Bewohner im Dossenheimer Weg eingetroffen. "Viele von ihnen können inzwischen schon gut Deutsch", so Herschel, "und die meisten sind mit Sprachkursen, Praktika oder einem Vollzeitjob beschäftigt."

Wurden in der Carl-Benz-Straße, bis zum Brand im Januar Unterkunft des Rhein-Neckar-Kreises, noch Kleidung und Mobiliar für die Neuankömmlinge gesucht, haben sich die Bedürfnisse inzwischen stark verändert. "Unsere Arbeit ist jetzt eine andere", sagt auch Fadime Tuncer, Leiterin der Schriesheimer Flüchtlingshilfe: "Vor allem geht es jetzt um das Integrative." Die Ehrenamtlichen versuchen, die jungen Männer am Vereinsleben teilhaben zu lassen, informieren sie über Feste, Möglichkeiten für Sprachkurse und Ausbildungen.

"Das ist das, was bis jetzt am meisten an mich herangetragen wurde", sagt Integrationsbeauftragte Herschel: "Viele der Männer suchen eine Ausbildung." Darüber hinaus bräuchten sie trotz inzwischen besserer Deutschkenntnisse Hilfe beim Ausfüllen von offiziellen Dokumenten. "Sie kommen damit auch zu mir", sagt Herschel, "aber es ist natürlich etwas Anderes, wenn jemand als Freund hilft."

Insgesamt bietet die Unterkunft im Dossenheimer Weg 68 knapp 30 Flüchtlingen Platz, die in Zweier- bis Viererzimmern untergebracht sind. Optisch erinnern die wiederum sehr an das vorige Zuhause der Männer in der Carl-Benz-Straße: metallene Stockbetten, Spinde, ein oder zwei Stühle und ein Tisch pro Zimmer.

Doch Fadime Tuncer sieht im Gegensatz dazu deutliche Verbesserungen: "Das EnBW-Gebäude hat einen deutlich höhren Standard als die Carl-Benz-Straße", sagt sie. Einer der Mängel der Kreisunterkunft sei zum Beispiel gewesen, dass die Duschen nicht abschließbar gewesen seien. "Nach dem Umbau funktionieren diese Dinge im Dossenheimer Weg", so Tuncer, "das ist dann natürlich deutlich mehr Intimsphäre." Mit dem größeren Außengelände in Richtung Weinberge gebe es außerdem mehr Lebensqualität.

Probleme gebe es momentan nur bei der Aufrechterhaltung des Deutsch-Kurses, erzählt Tuncer: "Die Zahl der Unterrichtenden ist gerade noch so hoch, dass der Kurs von Montag bis Freitag stattfinden kann." Die Flüchtlingshilfe suche daher noch nach Ehrenamtlichen. Ebenso könnte weitere Hilfe nötig werden, sobald der Rest der Bewohner im Dossenheimer Weg ankommt. Die Gemeinderatsfraktion der Grünen hatte deren Standort zuletzt als zu weit abseits des Stadtzentrums kritisiert. "Wenn die Leute sich nicht auskennen, kann das schon schwierig werden", sagt Tuncer: "Wir müssen die Augen offen halten, damit die Unterkunft am Ende nicht abgeschottet ist."

Damit das nicht passiert, stellt die Stadtverwaltung zum 1. September eine neue Sozialarbeiterin ein: Barbara Gutruf wird dann als "Case Managerin" im Dossenheimer Weg tätig sein. Zuvor war sie beim Rhein-Neckar-Kreis angestellt und betreute die Sammelunterkunft im Hotel "Atlanta" mit bis zu 150 Flüchtlingen in Schwetzingen.

Integrationsbeauftragte Isabel Herschel ist froh, dass sie Verstärkung bekommt: "Die Kollegin kann die Leute viel umfassender betreuen und auf ihrem Weg begleiten." Auch Fadime Tuncer von der Flüchtlingshilfe freut sich über die Entlastung: "Es werden jetzt viele Ausgaben von der Stadt aufgefangen, die wir vor einiger Zeit noch bewerkstelligen mussten", sagt sie, "dass wir uns jetzt der eigentlichen Integration widmen können, dafür sind wir sehr dankbar."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung