15.08.2017

Digitales Schriesheim: Kirchenerkundung auf dem Tablet oder Smartphone

Evangelische Kirchengemeinde stellte App mit Audio- und Videobeiträgen zur Kirchenerkundung vor - Stadtführerinnen sind begeistert

Von Frederick Mersi

Schriesheim. "Da haben die Protestanten mal wieder die Nase vorn", sagt Romy Schilling - und das als bayrische Katholikin, wie sie lachend betont. Die Schriesheimerin führt Gruppen durch die Stadt und ist von der neuen App zur Besichtigung der Evangelischen Kirche sichtlich angetan. Das Gotteshaus lässt sich seit Kurzem auf Tablet und Smartphone mit Audio- und Videobeiträgen erkunden. Schriesheim gehört damit im Rhein-Neckar-Kreis zu den Vorreitern: Bisher wurde dies nur in der Klosterkirche Lobbach angeboten.

Pfarrerin Suse Best war im vergangenen Sommer in einer Zeitschrift der Badischen Landeskirche auf die Möglichkeit einer App aufmerksam geworden: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bot Unterstützung und Förderung bei der Erstellung eines solchen Programms für mobile Endgeräte an. "Mich hat diese Möglichkeit fasziniert", sagt Best. Die Texte für den Audioguide erstellte sie zum Großteil selbst, aufgenommen wurden sie mit einem professionellen Sprecher.

Auch zwei Videos sind in den Rundgang eingebettet: Luftaufnahmen des Kirchengebäudes von einer Drohne und eine Erkundung des gesperrten Kirchturms. Dabei erfahren die Besucher unter anderem, dass die sogenannte "Heimatglocke" nur mit einem Seil vom Durchgang ins Kirchengebäude aus geläutet werden kann. "Eine tolle Idee", findet Volkshochschulleiter Frank Röger.

Unter der Regie der VHS finden zweimal im Jahr Stadtführungen statt, darüber hinaus werden Schilling und Mundart-Stadtführerin Heide Haala alias "Ba-wett" auch für Geburtstage oder von Vereinen und Firmen für Rundgänge gebucht. "Ich komme noch einmal hierher, um mir das mal in Ruhe anzuschauen und das Ganze auszuprobieren", sagt Haala bei der Vorstellung der neuen App im Begegnungszentrum "mittendrin".

Alle Besucher, die kein eigenes Smartphone oder Tablet haben, können sich letzteres dort an der Theke während der Öffnungszeiten ausleihen. "Es liegt auch eine ’Step-by-Step’-Anleitung dabei", erläutert Best. WLAN gibt es von Freifunk Rhein-Neckar im Begegnungszentrum und einem Teil des Kirchengebäudes ebenfalls umsonst. Nur Kopfhörer, falls gewünscht, müssen die Besucher selbst mitbringen.

Der Rundgang selbst umfasst 13 Stationen und historische wie geistliche Beiträge. Darunter ist unter anderem eine Andacht von Pfarrer Wilhelm Busch zum am Altar eingelassenen Spruch "Wer den Sohn hat, hat das Leben". Organist Martin Fitzer informiert außerdem über die kürzlich restaurierte Orgel und hat für die App auch einen musikalischen Beitrag aufgenommen. Diese zehnte Station ist mit zwei Minuten und 56 Sekunden die längste des Rundgangs, insgesamt dauert die Tour etwas mehr als 16 Minuten. "Wir wollten das bewusst nicht zu lang machen", sagt Pfarrerin Best, "irgendwann schwindet dann die Aufmerksamkeit."

Wer dann immer noch nicht genügend Informationen über das barocke Gebäude bekommen hat, wird beim Internetauftritt der Evangelischen Kirchengemeinde fündig: Dort gibt es Hintergrundwissen unter anderem zu den Grabsteinplatten im Turmdurchgang, dem Himmelfahrtsfenster im Chorbereich und einen Vortrag von Historiker Hermann Brunn aus dem Jahr 1971 über die Geschichte der christlichen Gemeinde in Schriesheim seit der Reformation. Ob im Anschluss an eine Stadtführung, völlig unabhängig davon, als Schriesheimer oder Besucher: Die Pfarrerin freut sich über jeden Gast in der Kirche. "Mein eigentliches Interesse ist dabei ein geistliches", sagt die Theologin, "dass Menschen hier zur Ruhe kommen und innehalten können - auch in unserer Metropolregion." Radfahrer werden darüber hinaus bei Bedarf im "mittendrin" mit Reparaturwerkzeug versorgt.

Info: Weitere Infos gibt es im Internet unter kirchenapp.de/77 und ekisa.de/kirchenapp. Die "Kirchen-App" kann im App Store und bei Google Play heruntergeladen werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung