16.08.2017

Vereine versuchen Neuanfang in unterschiedlichen Sportarten

Zwischen Abmeldung, Neuanmeldung und ersten Erfolgen

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Das Flaggschiff wird fehlen: Die Erste Mannschaft der Handballherren vom Turnverein (TV) Schriesheim wird in der kommenden Saison nicht mehr in der Landesliga Nord antreten. "Es blieb uns nur noch der Weg, die Mannschaft abzumelden", sagt Peter Hartmann. Er leitet die Abteilung als Zweiter Vorsitzender derzeit kommissarisch, denn seit Norbert Morast von seinem Leitungsamt zurückgetreten ist, hat sich für ihn kein Nachfolger finden können.

Vor einigen Monaten hätte Hartmann die aktuelle Situation noch für undenkbar gehalten, doch kurz vor dem Saisonabschluss verabschiedete sich überraschend Trainer Liviu Ianos. "Das war vorher nicht abzusehen", sagt Hartmann, "wenn wir das gewusst hätten, hätten wir noch reagieren können." So brach auf einmal die ganze Mannschaft auseinander, die Spieler sahen in umliegenden Vereinen wie Leutershausen und Großsachsen bessere Perspektiven. Die Zweite Mannschaft in der Landesliga starten zu lassen, habe auch keinen Sinn gemacht. "Nur um uns abschießen zu lassen?", fragt Hartmann rhetorisch.

Mit den Heimspielen der Mannschaft bricht dem Verein eine wichtige Einnahmequelle weg. "Das schadet der ganzen Abteilung", sagt Hartmann. Nun hofft er auf den Aufstieg der ehemaligen Zweiten Mannschaft aus der Kreisliga, die jetzt zur Ersten Mannschaft geworden ist. Eine Beförderung wider Willen. Immerhin, sagt Hartmann, laufe die Jugendarbeit sehr gut: Christine Morast und Kerstin Siegmund sorgen dafür, dass der Betrieb in der Abteilung weitergeht.

Bei den Fußballern in Altenbach ist es genau andersherum: "Seit drei Jahren haben wir keine Jugendarbeit mehr", sagt Gustav Weber, Vorsitzender der Turn- und Sportgemeinde (TSG). Dabei spielten auf dem 2003 eingeweihten Kunstrasenplatz zwischenzeitlich zahlreiche Nachwuchskicker, von den Bambini bis zu den D-Junioren. Jetzt ist nur noch die Herrenmannschaft übrig.

"Ein bisschen Leben soll wieder reinkommen", hofft Weber. Davon herrscht an diesem Donnerstagabend auf dem Altenbacher Sportgelände Kipp nicht allzu viel: Die Rollläden des Vereinsheims sind heruntergelassen, auf dem inzwischen in die Jahre gekommenen Fußballfeld liegen einige Blätter und Äste. 16 junge Männer sind mit ihrem Trainer Frank Lennert gekommen, um das neue Trikot für die kommende Saison in der Kreisklasse C, der untersten Liga, vorzustellen. "Eine kleine Initialzündung" erhofft sich Weber von dem Engagement des Autohausbesitzers Steffen Linsenmeier.

In der vergangenen Saison wäre nämlich beinahe Schluss gewesen: Die Herren waren nur ein paar Spielabsagen von einer Zwangsabmeldung entfernt. Doch das Ruder wurde herumgerissen, für die kommende Spielzeit sieht es in Sachen Spieleranzahl gut aus. "Eigentlich gäbe es auch für Jugendmannschaften genug Interessierte", sagt der TSG-Vorsitzende, "aber uns fehlen die Übungsleiter." Das könne sich aber ganz schnell ändern, vermutet Weber: "Fängt einer an, zieht er meistens andere mit." Bei den B-Junioren soll eine neu ins Leben gerufene Spielgemeinschaft mit Wilhelmsfeld zunächst Abhilfe schaffen.

Die ersten Früchte des Neuanfangs könnten dagegen die Baseballer der Raubritter schon am morgigen Sonntag ernten: Um 15 Uhr könnte die Herrenmannschaft gegen Villingendorf den vorzeitigen Aufstieg in die Erste Landesliga perfekt machen.

Mit einer neuen, stadiontauglichen Digitalanzeige, erweitertem gastronomischen Angebot bei Heimspielen und Unterhaltungsaktionen hat der Verein nach dem sportlichen Absturz im Erwachsenenbereich das Ruder vorerst wieder herumgerissen.

Für alle drei Vereine könnte dieser Sommer auf unterschiedliche Art und Weise entscheidend werden.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung