22.08.2017

Der Einsatz fängt gerade erst an

Pia Mößner hat Nepal im vergangenen Jahr lieben gelernt - Sie bleibt noch bis Januar

Von Frederick Mersi

Schriesheim/Kathmandu. Die Verbindung bricht immer wieder ab. Das Internet funktioniert nicht immer in Nepal. Pia Mößner hat sich damit arrangiert. Sie stehe gerade auf einem kleinen Trampelpfad neben ihrer Wohnung in Kathmandu, sagt sie. Es ist 19.45 Uhr, dreidreiviertel Stunden später als in ihrer Heimatstadt Schriesheim. Die Sonne sei schon untergegangen, es sei angenehm warm. Durch das Telefon hört man das Zirpen der Grillen. Vor knapp einem Jahr ist die 19 Jahre alte Pfarrerstochter nach Nepal aufgebrochen, ihren Einsatz hat sie kürzlich bis Januar verlängert. "Ich hatte das Gefühl, dass ich in dieser Zeit noch einmal einen Unterschied machen kann", erzählt Mößner, "ich habe jetzt keine Sprachprobleme mehr und kenne die Kultur."

Mit einem Visum als Musikstudentin ist sie unter der Leitung der christlichen Organisation "Operation Mobilisation" nach Nepal eingereist, deswegen lernt sie zweimal pro Woche "Tabla" spielen, eine Art Bongo. Für die Unterrichtsstunden muss sich Mößner im Bus oder mit dem Fahrrad durch das Verkehrschaos der nepalesischen Hauptstadt quälen, bis zu zwei Stunden kann die Reise über die stark befahrene Ringstraße dauern.

Ansonsten besteht ihr Tag aus Missionsdiensten, Andachten, Gebetsnächten und inzwischen auch ein bisschen "gumne", was auf Nepali so viel heißt wie "herumlaufen ohne besonderes Ziel". Dann komme sie mit Nachbarn und Anwohnern ins Gespräch, werde auf eine Tasse Tee eingeladen oder auch mal zum Essen. "Die Kultur hier ist sehr familiär", sagt die Abiturientin, "man wird schnell mit der eigenen Tochter oder der jüngeren Schwester verglichen." Das mache es einfach, Kontakte zu knüpfen.

Daran musste sich Mößner als Deutsche zunächst gewöhnen, genau so wie daran, dass in Nepal schon ein leichtes Nicken die Einigung bei den Verhandlungen über die Preise beim Einkauf kommunizieren kann. "Bitte", "Danke" oder "Entschuldigung" werden seltenverwendet, sagt sie, "und die Frauen benutzen häufig die Höflichkeitsform, wenn sie mit ihrem Mann sprechen".

Trotz all dieser Barrieren habe sie die Kultur der Nepalesen kennen und schätzen gelernt, sagt Mößner. "Das hat mir auch gezeigt, dass wir Deutsche manchmal als sehr viel lauter und direkter wahrgenommen werden, als mir das selbst bewusst war." In asiatischen Kulturen werde dies häufig als unangenehm oder beleidigend aufgefasst, das werde auch in ihrer internationalen Wohngemeinschaft deutlich. Momentan wohnt sie mit vier jungen und älteren Frauen zusammen, seit Kurzem leitet sie die WG sogar. "Das ist schon etwas seltsam, weil eine Mitbewohnerin immerhin schon 48 Jahre alt ist", sagt Mößner, "das ist schon eine Herausforderung." Genau so, wie die Ausflüge, die sie an den Wochenenden ab und zu unternimmt. Da kann es schon mal an Kühen, Hunden und Hühnern vorbei aus der Hauptstadt über staubige Straßen voller Krater auf der Ladefläche eines Kartoffelhändlers in entlegene Dörfer in den Hügeln gehen, verbunden mit stundenlangen, teils unfreiwilligen Wanderungen. "Das sind aber auch Dinge, die ich zuhause niemals machen könnte", zieht Mößner bisher ein positives Fazit der abenteuerlichen Trips.

Dennoch packt sie momentan ein wenig das Heimweh: Zwei ihrer Mitfreiwilligen fliegen morgen zurück, sie wird dann die Erfahrenste in ihrer Wohngemeinschaft sein. "Das ist schon eine komische Zeit gerade", gibt sie zu, "und trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, wie es wäre, jetzt zu gehen."

Im Januar wird es dann aber so weit sein: Mößner wird im Flieger zurück nach Deutschland sitzen, auf dem Weg in ihre alte Heimat Schriesheim und das neue Zuhause ihrer Familie, Kleinsteinbach in der Nähe von Karlsruhe. Ihr Vater, Pfarrer Lothar Mößner, hat dort im vergangenen Jahr nach 16 Jahren in Schriesheim seinen Dienst angetreten. "Ich werde auf jeden Fall dort und in Schriesheim Zeit verbringen", sagt Mößner.

Zum Wintersemester im nächsten Jahr will sie ein Studium in "Internationaler sozialer Arbeit" beginnen, am liebsten in Ludwigsburg. Doch bis dahin ist noch ein wenig Zeit. Gerade ist Pia Mößner vor allem froh, dass es in Kathmandu nicht so schwül-heiß ist wie sonst - und dass sie einen Schriesheimer Spenderkreis hat, der auch die fünf zusätzlichen Monate in Nepal möglich macht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung