28.08.2017

Positive Bilanz trotz eines extremen Jahres

Winzergenossenschaft konnte trotz Schwierigkeiten mit dem Wetter ihren Umsatz steigern - Wolfgang Amann verlässt Aufsichtsrat

25.08.2017, 06:00 Uhr

Schriesheim. (mpt) 2016 war ein Jahr der Extreme. Nicht nur global betrachtet, sondern auch für die Winzer vor Ort. Ein milder Winter und ein verregneter Früh- sowie ein heißer Spätsommer ließen an der Bergstraße nichts Gutes verheißen. Doch auch im Jahr Eins nach der "Jahrhundert-ernte" von 2015 können die Schriesheimer Weinbauern mit ihrer Traubenausbeute zufrieden sein. Und teilweise sogar noch ein wenig zulegen, wie Geschäftsführer Harald Weiss bei der Generalversammlung der Winzergenossenschaft (WG) im Zehntkeller am Mittwochabend erklärte.

Trauben- und Maischewagen erwiesen sich als Segen

Lag die Gesamteinlagerung im Vorjahr bei 1307 Tonnen, so konnte sie 2016 auf 1320 Tonnen gesteigert werden. Der Durchschnittsertrag lag bei 102 Kilo pro Ar, 2015 waren es 110,8 Kilo. Das Mostgewicht betrug im Schnitt 90 Grad Oechsle. Ein Grund für den höheren Mengenertrag ist die maschinelle Lese, die bei den Winzern immer mehr an Bedeutung gewinnt und bereits ein Drittel der Gesamtlese ausmacht. "Sie ist nicht mehr wegzudenken und hat insbesondere bei witterungsbedingten Problemen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt", sagte Weiss.

Die neuen Trauben- und Maischewagen erwiesen sich somit als Segen nach dem Regen. Nach dem Austrieb Ende April hatten die Winzer wegen der enormen Niederschlagsmengen im Mai und Juni vor allem mit Peronospora, falschem Mehltau an der Weinrebe, zu kämpfen.

Die guten Durchschnittswerte spiegelten auch nicht immer das Gesamtbild wider, so Weiss: "Von Totalschäden bis hervorragend dastehende Rebanlagen war die ganze Bandbreite geboten. Es gab extreme Unterschiede von Winzer zu Winzer." Aufgrund der Hitze im Juli und August mussten manche Weinbauern teilweise auch Sonnenbrandschäden hinnehmen. Zumindest von der Kirschessigfliege, die 2014 zur Plage für die Winzer mutierte, wurden die hiesigen Flächen im vergangenen Jahr verschont. Da es zudem pünktlich zum Herbst wieder kräftig regnete, schoss die zunächst als sehr gering geschätzte Erntemenge gerade noch rechtzeitig nach oben. Aber nicht Quantität, sondern Qualität hat die Winzergenossenschaft als Credo ausgegeben - und die Schriesheimer konnten auch 2016 wieder einige Weinprämierungen feiern. So hagelte es bei der badischen Landesweinprämierung 35 Gold- und 14 Silbermedaillen. Zum zwölften Mal erhielt die WG zudem den Ehrenpreis als punktbester Betrieb der badischen Bergstraße.

Erfolge, die sich auch wirtschaftlich bemerkbar machen. Der Umsatz konnte um 1,5 Prozent gesteigert werden, vor allem im Einzelhandel und in der Gastronomie gibt es einen Zuwachs zu verzeichnen. Aktuelle Trendsetter sind der Weiß- und Grauburgunder. Einem Anstieg im Weißweinbereich steht ein Rückgang bei der Nachfrage im Rotwein-Sortiment gegenüber.

Ein Stühlerücken ist in der Vorstandsetage zu verzeichnen. Wolfgang Amann scheidet nach 21 Jahren auf eigenen Wunsch aus dem Aufsichtsrat aus. Vorstandsmitglied Hans Rufer wechselt stattdessen aus beruflichen Gründen in den Aufsichtsrat. Den umgekehrten Weg geht Hartmut Haas, der in den Vorstand gewählt wurde.

Karlheinz Spieß, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, und Aufsichtsratsmitglied Stefan Röger wurden in ihren Ämtern bestätigt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung