28.08.2017

Eine "kleine Sensation" in den Feldern um Ursenbach

Eine "kleine Sensation" in den Feldern um UrsenbachBiologe Marcel Münderle hat beim Schriesheimer Ortsteil zwei seltene Heuschreckenarten entdeckt - Ideale Lebensräume für Kleintiere

26.08.2017, 06:00 Uhr

Schriesheim-Ursenbach. (keke) Ein sommerlicher Streifzug durch Bergsträßer Feld und Flur kann mitunter ziemlich aufregend enden. So traute der Altenbacher Biologe Marcel Münderle seinen Augen kaum, als ihm vor einigen Tagen bei einem Spaziergang auf einer Wiese im Bereich der Ursenbacher Höhe eine etwa fünf Zentimeter große, bullig wirkende Heuschrecke über den Weg sprang. Es war ein Weibchen des "Warzenbeißers" (Decticus verrucivorous), ein typischer Bodenbewohner, der bevorzugt auf artenreichen, mageren Bergwiesen vorkommt, wie Münderle schnell feststellte.

"Die mittlerweile stark gefährdete Art stellt hohe Anforderungen an ihren Lebensraum und reagiert äußerst sensibel auf Veränderungen der landwirtschaftlichen Nutzung", sagte der 43-Jährige im Gespräch mit der RNZ. Der Warzenbeißer liebe schonend bewirtschaftete, spät gemähte und reich strukturierte Wiesen mit einem vielfältigen Angebot an Gräsern und Kräutern.

Meist werden von dem Tier sonnenbeschienene Standorte in Hanglage bevorzugt. Die speziellen Ansprüche dieser zu den Langfühlerschrecken zählenden Art haben allerdings dazu geführt, dass sie in weiten Teilen unseres Landes verschwunden ist. "Intensivierung der Landwirtschaft, Überdüngung, zu häufige und zu frühe Wiesenmahd, Verlust des Lebensraums durch Umbruch von ehemaligem Dauergrünland in Maismonokulturen", nennt Münderle als Hauptursachen für den starken Rückgang des einst häufigen Insekts.

Mittlerweile gibt es nur noch spärliche Restvorkommen im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb. "Und neuerdings oder erst jetzt entdeckt auch bei uns", freut sich Münderle über die "kleine Sensation", denn diese Heuschreckenart konnte seinen Erkenntnissen nach seit den 1980er Jahren im Odenwald nicht mehr nachgewiesen werden.

Dass die Art dennoch auf einigen Wiesen rund um Ursenbach zu finden ist, sei hiesigen Landwirten wie Thomas Edelmann zu verdanken, weiß Münderle um die "richtige Dankadresse". Mit seiner Frau Gerlinde bewirtschaftet Edelmann die Wiesen wie anno dazumal und klein parzelliert. "Und schafft und erhält so nicht nur für den seltenen Warzenbeißer, sondern auch noch für viele andere Kleinlebewesen ideale Lebensräume", so Münderle.

Münderles Forscherdrang hat sich intensiviert, seit das Areal als mögliches Gebiet für Windkraftanlagen ausgewiesen wurde. Auch deshalb möchte der Altenbacher Biologe und "Hobbyfilmer" den Menschen in der Region nahebringen, "was für eine interessante Natur wir doch vor der eigenen Haustür haben". Seinen Namen erhielt der Warzenbeißer übrigens aufgrund seiner ätzenden Verdauungssäfte, weswegen man diese Heuschreckenart vor allem im Mittelalter in Warzen beißen ließ und sich davon heilende Wirkung erhoffte.

Eine weitere stark gefährdete Heuschreckenart, die "Sumpfschrecke" (Stethophyma grossum) fand der Biologe darüber hinaus gleich auf mehreren Feucht- und Nasswiesen rund um Ursenbach. "Wichtig für diese Art sei es, dass die Wiesen wenig bis gar nicht gedüngt und maximal ein bis zwei Mal pro Jahr gemäht werden, damit die Grasnarbe nicht zu sehr verfilzt", so Münderle.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung