22.09.2017

Fairer Handel beginnt vor der eigenen Haustür

Das zweite "Faire Frühstück" der Stadt fand im "mittendrin" großen Zuspruch - BDS-Chef Edelmann warb für den Einkauf vor Ort

20.09.2017, 06:00 Uhr

Von Günther Grosch

Schriesheim. Faire Rosen aus Kenia, Kaffee aus Brasilien, Rohrzucker aus Paraguay, Bananen-Chips von den Philippinen, lila Reis aus Laos, schwarze Bohnen aus Ecuador und Agaven-Sirup aus Mexiko: Solche Produkte gibt es nicht nur in rund 2000 Städten in 26 Ländern, von Rom über Kopenhagen bis San Francisco, die sich mit dem Zertifikat einer "Fairtrade-Town" schmücken dürfen, sondern auch in Schriesheim.

Deutschland weist aktuell rund 500 solcher Städte und Gemeinden auf, deren Bürger sich den Verkauf und Verzehr von fair gehandelten Produkten aus Schwellen- und Entwicklungsländern auf ihre Fahnen geschrieben haben und gleichzeitig auch auf regionale Produkte aufmerksam machen. Seit zwei Jahren gehört die Weinstadt an der Bergstraße als 383. Kommune in Deutschland und 86. Gemeinde in Baden-Württemberg zu den Städten, in denen "Eine-Welt-Produkte" ein festerer Bestandteil der Einkaufskörbe werden sollen.

Am Samstag hatten Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger im Namen der Stadtverwaltung und die Mitglieder der Fair-Trade-Steuerungsgruppe in Zusammenarbeit mit den Aktiven des Begegnungszentrums und Mehrgenerationenhauses "mittendrin" zum zweiten Mal zu einem "Fairen Frühstück" inklusive "all you can eat and drink" für fünf Euro eingeladen.

Nicht unbedingt ein "Streben nach Gewinn" sei der Hintergrund des Engagements so vieler Menschen, erläutert Filsinger. Was viel stärker zählt, sei die Absicht, den Menschen das Thema des "Fairen Handels zu einem erschwinglichen Preis" näherzubringen. Unter diesem Aspekt steht auch das Angebot des "Fairen Frühstücks", mit dem man bereits bei der Premiere vor zwei Jahren eine enorme Resonanz erlebte, so die "mittendrin"-Leiterinnen Sarah Strohhäcker und Christine Vierling im Gespräch mit der RNZ.

Bei schönstem Sonnenschein waren die Tische drinnen wie draußen auch diesmal schnell besetzt, wie Bürgermeister-Stellvertreterin Barbara Schenk-Zitsch zur Genugtuung auch des BDS-Vorsitzenden Rolf W. Edelmann und Wilhelm Gröger von der Katholischen Pfarrgemeinde feststellte. Seit den 1970er Jahren existiert hier der "Eine-Welt-Laden", so Gröger. Seit gut 20 Jahren funktioniert er drüber hinaus in ökumenischer Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde "reibungslos".

Doch fairer Handel fängt schon vor der eigenen Haustür an: Beim heimischen Bauern, dem Metzger und Bäcker, dem Einzelhandel und unzähligen anderen Dienstleistern - und nicht erst in Afrika, warb BDS-Chef Rolf W. Edelmann um den Einkauf vor Ort: "Auch das ist Fair Trade."

Aus dem Heinrich-Sigmund-Gymnasium war eine "starke Küchenmannschaft" mit Direktor Wolfgang Metzger sowie Mensakoch René Bespol und seinem Sohn David gekommen. Sie stellten die Bedeutung von Fair-Trade-Produkten vor, welche die Schule im Schulalltag anbietet, und wie es gelingt, die Schüler bereits ab der fünften Klasse hierfür zu sensibilisieren und zu begeistern. Ohne zu verschweigen, dass dies oftmals einen "schwierigen Spagat zwischen den Wünschen und Anforderungen des Schulalltags" darstellt.

"Ausgehungert sind wir nicht, uns geht es um die Unterstützung der guten Sache" - bestens aufgelegt gaben sich die Frühstücksgäste. Hier war es die zahlenmäßig stark vertretene Gemeinschaft der Schriesheimer "Naturfreunde-Abteilung Ü 60" mit Marianne, Anneliese, Ursel, Sonja "und dreimal Hilde" , die sich in die immer länger werdende Schlange vor der Theke einreihten.

An einem anderen Tisch ließen sich Elke und Waltraud aus Dossenheim sowie Claudia und Karlheinz, Letzterer Kassenwart des Vereins "Herz-Transplantation Südwest" bereits den Kaffee schmecken, "ohne davon einen Herzkasper zu bekommen". Während es sich an wieder anderer Stelle Mama Christine als "Stammgast vom mittendrin" und ihre Kinder Wilhelm (5), Margarethe (3) und Theresia (1) bei Kakao und Konfitüre gemütlich eingerichtet hatten.

Schenk-Zitsch wies auch darauf hin, dass im Amtszimmer von Bürgermeister Hansjörg Höfer für die Besucher ständig Kaffee, Zucker und Kekse aus fairem Handel bereitstehen. Insofern sei ihr auch nicht bange davor, dass es mit der im regelmäßigen Turnus anstehenden Re-Zertifizierung Schriesheims nicht klappen könnte. Allerdings, so Schenk-Zitsch: "Ohne die unzähligen Projektteilnehmer und engagierten Mitmacher aus den unterschiedlichsten Gruppierungen der Stadt wäre selbst ein derartiges Angebot kaum zu stemmen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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