22.09.2017

Umverteilung in Kuchenform

Linken-Kandidatin Sahra Mirow machte am Wochenmarkt mit Frischgebackenem auf die Schere zwischen Arm und Reich aufmerksam

20.09.2017, 13:15 Uhr

Von Harald Berlinghof

Schriesheim. Ein kleines Stückchen vom trockenen Rand des Apfel-Birnen-Nashi-Kuchens bleibt für die ärmere Hälfte der Menschen in Deutschland. Die oberen zehn Prozent dagegen kriegen fast 60 Prozent. Das geht so nicht, meinen die Vertreter der Partei "Die Linke" auf ihrem Stand am Rande des Schriesheimer Wochenmarktes. Drei Stunden lang argumentieren sie und erklären den Passanten die aus ihrer Sicht ungerechte bundesdeutsche Realität. Die Bundestagskandidatin des Wahlkreises Heidelberg Sahra Mirow ist anwesend, wie auch Kreisrat Detlef Gräser.

Eine der Hauptpersonen am Wahlkampf-Stand ist aber Marie Treiber, denn sie hat die beiden Kuchen gebacken und für die Aktion der Partei zur Verfügung gestellt - einen Schokoladenkuchen und eben jenen leckeren Obstkuchen.

"Wir möchten mit dieser Aktion spielerisch verdeutlichen, was es heißt, dass zehn Prozent der Bevölkerung 60 Prozent des Vermögens in Deutschland besitzen, weitere zehn Prozent noch einmal 20 Prozent und die restlichen zwanzig Prozent dann nur den schmalen Rest", so Mirow. Und die Ärmsten besitzen gar nichts. Sogar negatives Vermögen ist am unteren Rand der Gesellschaft zu verzeichnen: mehr Schulden als Einkommen. "Wir treten dafür an, dass sich das ändert", betont die Kandidatin. Es ist der bundesweite Aktionstag "Umverteilung" der Linken, wie Sahra Mirow erklärt.

Jeder, der möchte kann ab 10 Uhr am Samstagvormittag ein Los ziehen und kurz nach 11 wieder kommen, dann werden die gewonnenen Kuchenstücke ausgehändigt. Wer zum oberen Teil der Gesellschaft gehört und das mit seinem Los nachweisen kann, bekommt einen Teller voll Kuchen. Sahra Mirow spielt derweil die Vermögenden im Land und kassiert 60 Prozent des Kuchens für sich selbst. "Ich wollte eigentlich gar keinen Kuchen", sagt einer. "Ein Kugelschreiber mit Werbeaufdruck wäre mir lieber gewesen." Kugelschreiber sind am Stand aber nicht vorgesehen. Zur Konkurrenz will der Besucher aber auch nicht: "Einen von der AfD will ich nicht, die haben mir einen angeboten", sagt er.

Bei der Linken gibt es stattdessen Informationen zur ungerechten Verteilung des Vermögens in Deutschland, zur Schuldfrage in dieser Sache (die Große Koalition) und zum drängenden Problem der Kinderarmut. Die Aktion in Schriesheim findet in direkter Nachbarschaft zu den anderen Parteien beim Schriesheimer Wochenmarkt statt. FDP, Grüne, AfD, SPD, CDU, alle sind sie da.

Nach und nach bildet sich eine kleine Ansammlung von Neugierigen um den Stand der Linken. Nicht nur Befürworter der Linken-Politik, auch Kritiker finden sich ein. "Was ist denn für Euch reich? Was zählt denn zum Vermögen?", wird da unter anderem gefragt. Ab der zweiten Million und ohne Einbeziehung selbst genutzten Wohneigentums oder Unternehmensanteilen, stellt Mirow klar. "Ich finde, bei einem Freibetrag von einer Million kann man schon 0,5 Prozent für alles darüber hinaus Gehende einfordern. Das brächte 80 Milliarden Euro in die Staatskasse, die man für Schulen und Bildung einsetzen könnte."

Eins jedenfalls ist klar: "Mit den Krümeln wollen wir uns nicht mehr zufrieden geben", sagt Mirow und bleibt damit im sprachlichen Bild rund um die Kuchenaktion. Und geht mit gutem Beispiel voran, indem sie das Vermögen der Reichen an die Passanten verteilt. In Kuchenform, versteht sich.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung