22.09.2017

Im Heiligen Land den Frieden schätzen gelernt

Felix Mersi verbrachte ein Jahr in Jerusalem - Geografie-Studium in Heidelberg geplant

21.09.2017, 06:00 Uhr

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. "Ich habe noch nie so viel über den Kontext von Juden- und Christentum erfahren", stellt Felix Mersi im Gespräch mit der RNZ fest. Ende August kam der 19-Jährige zurück von seinem Aufenthalt in Jerusalem, wo er während seines Freiwilligen Sozialen Jahres in der evangelisch-deutschen Erlöserkirche in der Altstadt gearbeitet hat. Eine Anlaufstelle für Firmenmitarbeiter, Botschafter, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen sowie Entwicklungshelfer.

"Es gibt so zehn Leute, die dort ständig leben und rund 500 Deutsche, die für einige Jahre im Land sind." Mit denen hatte Mersi am meisten zu tun, kam aber im Pfortendienst ebenfalls mit vielen anderen Nationen in Kontakt. Als Volontär war er überall im Land unterwegs, habe aber auch festgestellt, dass die einzelnen Gruppierungen eher unter sich bleiben. In der Zeit vor dem Abitur am Kurpfalz-Gymnasium bewarb sich Mersi beim Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst, der ihm die Stelle in der Erlöserkirche anbot.

Der junge Mann griff zu und ist dankbar für die vielfältigen Erfahrungen und Eindrücke, die er sammeln konnte. "Es war eine riesige Bereicherung, das Heilige Land hat eine unheimliche Vielfalt an Landschaften und Kultur." Politik, so meint er, sei ein großes Streitthema: "Es gibt aber auch eine große Politikverdrossenheit", hat er festgestellt. Viele Hintergründe im Nahost-Konflikt seien ihm bewusster geworden, weil er die Chance gehabt habe, alle Seiten zu hören. "Ich kenne jetzt die verschiedenen Sichtweisen und die geschichtlichen Hintergründe", meint er.

Schlussendlich wünschten sich "dort alle Frieden, aber die Bedingungen sind nicht geklärt." Er ergänzt: "In diesem Jahr hat sich mein Blick geweitet, und mir sind globale Zusammenhänge jetzt klarer. Und außerdem rücken Ereignisse im Nahen Osten jetzt auch näher - die Nachbarländer von Israel scheinen nun nicht mehr weit weg."

Zugleich lerne man im Ausland aber auch den Frieden in Deutschland schätzen. In Israel gebe es überall Grenzen, Stacheldrahtzäune, Sperranlagen und eben auch den Kriegsdienst für alle. "Ein Teil der Ausbildung zum Kämpfer besteht darin, ständig sein Maschinengewehr bei sich zu tragen." Der Kriegsdienst sei Voraussetzung, um beruflich weiterzukommen, es sei denn, man ist ultraorthodox. "Das ist aber ein umstrittenes Sonderrecht", meint Mersi. Und in jedem Einkaufszentrum oder an den großen Busbahnhöfen gebe es Metalldetektoren: "Also muss man immer wieder seinen Schlüssel rausholen."

Ein FSJ sei eine gute Sache, findet Mersi. Er besuchte während seines Dienstes Seminare und Vorträge und lernte sogar ein wenig Hebräisch für den Alltagsgebrauch. Für ihn brachte die Zeit zudem die Erkenntnis, welchen Ausbildungsweg er einschlagen will: Am 16. Oktober beginnt er sein Geografie-Studium in Heidelberg. "Das interessiert mich sehr. Ich habe gelernt, nach Fakten zu schauen und vorschnelle Bilder, die man sich im Kopf gemacht hat, zu entzerren."

Stück für Stück sei er dabei, sich jetzt wieder in Schriesheim einzugewöhnen. Klimatisch ist die Veränderung groß: "In Israel hat es seit März praktisch nicht geregnet. Jetzt ist alles eher Wüste, außer im Norden, wo es immer grün ist und es einen kleinen Fluss gibt." Künstliche Bewässerung sorge dafür, dass es auch in anderen Teilen des Landes grün bleibe.

Sobald seine Erkältung abgeklungen ist, will Mersi wieder im Posaunenchor mitspielen. Ebenso mag er grafische Gestaltung am Computer. "Und Gartenarbeit mache ich unheimlich gerne. In der Altstadt von Jerusalem gab es das nicht so. Da hatte ich zwar den Kreuzgang, wo aber nicht so viel zu tun war." Immerhin ließ sich aus den Weintrauben dort Saft herstellen. Ein Projekt, das auch zu Schriesheim passt.

Info: "Ein Jahr im Heiligen Land", Vortrag von Felix Mersi, heute um 20 Uhr im Begegnungszentrum "mittendrin".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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