22.09.2017

Amnesty International zeigt "Magnum"-Fotos zu Flucht und Vertreibung

Die Bilder zeigen: Geschichte wiederholt sich

22.09.2017, 06:00 Uhr

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Am Eingang der Stadtbibliothek werden die Besucher seit etwa einer Woche von einem Mädchen empfangen, mit offenem Mund, fragendem Blick und einem leeren Metallbecher in der Hand. David Seymour hat das Schwarz-Weiß-Foto 1948 in Griechenland in einem Flüchtlingscamp in Ioannina aufgenommen, es ist eines von 30 ausgestellten Werken in der Bücherei. "Man sieht, wie lange wir dieses Problem schon mit uns herumtragen", sagt Bärbel Luppe, Sprecherin der Ortsgruppe Ladenburg-Schriesheim von "Am-nesty International".

Anlässlich des Tags des Flüchtlings am 29. September hat der Verein eine Ausstellung mit Fotos der renommierten Agentur "Magnum" in die Bücherei gebracht, verbunden mit Informationen zu Vertreibung und Flucht weltweit. Schutthaufen, brennende Gebäudeüberreste und gepackte Koffer sind zu sehen, verzweifelte und verunsicherten Menschen. "Man muss immer berücksichtigen, dass zwei Drittel aller Flüchtlinge innerhalb ihrer Länder vertrieben wurden", sagt Luppe. Die Flüchtlingskrise sei längst nicht nur ein deutsches Problem.

Auch Fotos aus den Kurdengebieten in den 1970er Jahren sind an den Stellwänden zu sehen. "An dem Referendum im Irak und dem Verhalten von Erdogan sieht man, dass das alles noch nicht erledigt ist", sagt Frenkel. Geschichte wiederholt sich, auch in Deutschland: Schon nach dem Zweiten Weltkrieg habe es in Deutschland Vorbehalte gegenüber Vertriebenen gegeben, obwohl diese meist sogar die gleiche Sprache beherrschten wie die Alteingesessenen. Frenkel selbst hat eine irakische Familie in Schriesheim betreut, war beeindruckt von dem Willen und den Bemühungen gerade der Kinder, hier eine Heimat zu finden.

Auch wenn der Einsatz für die derzeit etwa zehn Aktiven in der Ortsgruppe der Menschenrechtsorganisation langwierig und frustrierend ist, denken sie nicht ans Hinschmeißen. "Die Erfolge sind vorzeigbar", sagt Roland Dubberke. "Das ist auch Thema bei unseren Gesprächen im Begegnungszentrum", ergänzt Frenkel. Schließlich haben sich die Ladenburger und Schriesheimer in der Vergangenheit mehrmals mit Erfolg für die Freilassung von politischen Gefangenen in Griechenland, Marokko, Syrien und zuletzt in Myanmar eingesetzt.

"Es ist schon ein mühsames Bohren dicker Bretter", sagt Sprecherin Luppe, "es lohnt sich aber für jeden kleinen Erfolg." Frenkel sagt: "Einen dieser Gefangenen dann lebendig vor sich zu sehen, ist ein tolles Gefühl."

Deshalb wollen sie auch mit der Ausstellung in der Stadtbibliothek zum Nachdenken und Mitfühlen anregen. "Die Weltgemeinschaft ist auf unsere Empathie angewiesen", sagt Luppe. Das gelte auch bei der Unterstützung und Versorgung von Geflüchteten.

"Es geht in der Politik im Moment doch nur noch darum, alles zuzumachen und das Problem so weit wie möglich wegzuschieben", sagt Luppe. Eine europäische Lösung wäre nötig, findet Dubberke. Und die könne nicht darin liegen, in Libyen mit irgendwelchen Kriegsparteien zu verhandeln, die dann bei der Unterbringung der Flüchtlinge die Menschenrechte einhalten sollen, so Frenkel. Mit der Ausstellung will die Ortsgruppe während des Alltags Bewusstsein für die Hintergründe von Flucht und Vertreibung schaffen und an einem öffentlichen Ort zum Hinschauen animieren. "Denn wer wegguckt, macht sich schuldig", sagt Dubberke.

Info: Die Ausstellung "Menschen auf der Flucht" ist noch bis Samstag, 7. Oktober, in der Stadtbibliothek zu deren Öffnungszeiten zu sehen. Den Link zum Audioguide für Smartphones gibt es im Internet unter www.amnesty-ladenburg-schriesheim.de/aktuelles.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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