22.09.2017

Das Herbsten endet für viele mit dem Herbstbeginn

Winzer liegen mit der Lese schon jetzt in den letzten Zügen - Klimawandel bereitet Sorgen - Geringere Mengen, gute Qualität

22.09.2017, 06:00 Uhr

Schriesheim. (fjm) Heute beginnt aus meteorologischer Sicht der Herbst, doch für viele Schriesheimer Weinbauern ist er schon fast wieder vorbei: Die Winzergenossenschaft geht in die letzte Lesewoche, Georg Bielig will am Wochenende "zu 95 Prozent" fertig sein, Max Jäck und Philipp Wehweck nutzen den heutigen und den morgigen Tag, um die letzten Trauben zu ernten.

"Wir haben einen Weinberg, in dem wir jahrelang am 6. Oktober gelesen haben", sagt Georg Bielig, "dieses Jahr waren wir am 6. September dort." Grundsätzlich müsse man mit der Lese immer früher beginnen, das sei vor allem eine Folge des Klimawandels. "Wenn das noch jemand leugnet, kann ich ihm gern meine Aufzeichnungen der letzten 26 Jahre zeigen", so Bielig. Die Lese sei durch den frühen Beginn hektischer und schwieriger geworden, man müsse aufpassen, dass die Trauben bei den warmen Temperaturen nicht zu schnell faulen.

Die Lese wird sich bei Bielig zwar noch etwa zwei Wochen hinziehen, doch ihm geht es dabei ums "Pokern": Er lässt es bei einer kleinen Menge Trauben auf höhere Reifegrade ankommen. Ein Schuss, der bei starken Regenfällen durchaus nach hinten losgehen kann. Bisher sei die Lese aber gut verlaufen, am morgigen Samstag soll noch einmal ein "Großkampftag" für die Sorte "Souvignier gris" folgen.

Die Winzergenossenschaft liegt bisher trotz Regenunterbrechungen weitgehend im Leseplan, am Wochenende soll das Programm für die letzten Tage bekannt gegeben werden. "Beim Spätburgunder sind die Reifegrade wegen der Frostschäden im Frühjahr extrem unterschiedlich", sagt Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Krämer.

Beim Aussortieren müssen die Winzer daher genau aufpassen, möglichst viele Trauben sollen am Ende möglichst reif gelesen werden. "Das ist eine Gratwanderung, die man machen muss, wenn man entsprechende Qualitätsansprüche hat." Mit dabei ist nach seiner Augenoperation inzwischen auch wieder Vorsitzender Harald Weiss. Die Menge des Leseguts ist geringer als im Vorjahr, mit der Qualität sind die Winzer aber zufrieden.

Das gilt auch für Georg Bielig: "Die ersten Weine sind bereits im Fass und machen richtig Spaß." Auch Philipp Wehweck sagt: "Bisher sind wir sehr zufrieden." Besonders gut sei in diesem Jahr der Neue Wein angekommen, erstmals in gekühlten Edelstahlbehältern gelagert. "Dann ist er nicht mal pappsüß, mal ganz herb", so Wehweck, "und Edelstahl sieht besser aus als Plastiktanks, das Auge trinkt ja auch mit."

Winzer Max Jäck ist mit seinem aktuellen Jahrgang bisher ebenfalls zufrieden: "Letztes Jahr hatten wir mehr als normal, dieses Jahr ist der Ertrag wieder auf Normalniveau." Zehn bis 15 Prozent der Trauben habe er maschinell ernten lassen, der Rest wird immer noch von Hand gelesen. Auch Jäck will die sonnigen Tage nutzen, um mit dem Riesling und dem Weißburgunder seine letzten Trauben in diesem Jahr zu ernten. Am Samstag soll Schluss sein: "Letztes Jahr haben wir erst am 20. September angefangen", sagt er, "das ist schon verrückt."

Und nach der Lese? "Da habe ich hundert Mails zu beantworten und einen großen Papierstapel im Büro zu bearbeiten", sagt Jäck und lacht. "Aber ich freue mich auf das Fest für die Lesehelfer."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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