29.09.2017

"Auslandsdeutsche" brachte Wahlhelfer an ihre Grenzen

In der Schweiz lebende Altenbacherin wollte in alter Heimat wählen - Am Ende musste die "Wahl-Notfallnummer" herhalten

27.09.2017, 06:00 Uhr

Von Philipp Weber

Schriesheim/St. Gallen. Sie üben ein wichtiges, viel zu wenig beachtetes Ehrenamt aus: die Wahlhelfer. Sie opfern einen halben Sonntag, um in Schulhäusern, Verwaltungsstellen und Turnhallen darauf zu achten, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Und doch sind sie nur die routinierten Nebendarsteller eines Schauspiels mit wechselnder Starbesetzung. Es gibt aber Ausnahme-Situationen, die selbst langjährige Helfer an ihre Grenzen bringen. So wie am Sonntag bei der Bundestagswahl im Schriesheimer Ortsteil Altenbach.

Dort schildert Wähler Bernd Reidinger seinen Fall. Genauer: den seiner Schwester Heike. Die gebürtige Altenbacherin lebt heute im Schweizer Kanton St. Gallen. Damit ist sie eine so genannte Auslandsdeutsche. "Da sie politisch interessiert ist, wollte sie unbedingt von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen", so ihr Bruder. Dabei habe sie hohe Hürden überwinden müssen: "Es war ihr nur unter größter Mühe und mit massivem Kampfgeist möglich, ihre Stimme abzugeben." Es sei in der Schweiz mit Schwierigkeiten verbunden, an die Wahlunterlagen zu kommen.

Die letzte Hürde aber wartete in der Altenbacher Grundschule - im Raum von Wahlhelfer Christian Wolf, Fraktionssprecher der Schriesheimer Grünen Liste. Wolf habe die Wahlunterlagen nicht anerkennen wollen, da es sich angeblich um Briefwahlunterlagen gehandelt habe. "Selbst ein politisch erfahrener Mann wie er hatte schlichtweg keine Erfahrung damit." Von dieser Stelle an unterscheiden sich die Versionen. Reidinger sagt, seine Schwester und ihr Schweizer Lebenspartner hätten zunächst den Altenbacher Ortsvorsteher Herbert Kraus und später per "Wahl-Notfallnummer" das Schriesheimer Rathaus angerufen.

Wahlhelfer Wolf sagt, er habe den Ortsvorsteher suchen lassen und schließlich Dominik Morast vom Schriesheimer Ordnungsamt informiert. "Es gibt Ausnahmefälle, in denen man als Ehrenamtlicher nicht weiter weiß. Aber nach zehn Minuten war der Fall gelöst." Das Rathaus gab grünes Licht gab. Die Stimmen zählten.

Wie kam es zu dieser Entscheidung? Morast muss passen. "Ich kann mich nicht genau erinnern; wir haben dieses Mal viele Anrufe bekommen." Auslandsdeutsche bekämen auf Antrag stets Wahlschein und Stimmzettel zugeschickt - ausgestellt auf den Wahlbezirk, in dem sie zuletzt gemeldet waren: "In aller Regel stimmen sie dann von ihrem Wohnort im Ausland aus ab, per Briefwahl." Tatsächlich könnten sie Wahlschein und Stimmzettel aber auch persönlich abgeben. "In jedem Wahllokal ihres alten Wahlkreises. Die Frau hätte auch in Hirschberg wählen dürfen." Reidinger aber war in Altenbach - weil ihr Vater Geburtstag hatte. Schwieriger sei es, so Morast, wenn die Stimmen schon im Briefwahlkuvert sind. Die Umschläge müssten zwingend ans Rathaus in der Kernstadt gesendet werden. "Die Wählerin hätte den Umschlag trotzdem in Altenbach abgeben dürfen - wenn sichergestellt gewesen wäre, dass er vor 18 Uhr in die Stadt kommt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung