29.09.2017

"Wie finden Sie die Graffiti am Bahnhof?":

Die Austauschschüler aus Cambridge durften zum Abschluss ihres Aufenthalts Bürgermeister Hansjörg Höfer löchern

28.09.2017, 06:00 Uhr

Von Maren Schenk

Schriesheim. Schriesheim hatte Besuch aus England: 33 Schülerinnen und Schüler vom Chesterton Community College in Cambridge, der Partnerschule des Kurpfalz-Gymnasiums (KGS), verbrachten eine Woche in der Weinstadt und deren Umgebung. Die Austauschschüler lernten in ihren Gastfamilien den Alltag in Deutschland kennen und besichtigten einige Sehenswürdigkeiten. 33 Achtklässler des KGS werden beim Gegenbesuch im Oktober eine Woche lang Cambridge erkunden dürfen.

Gestern nahmen die englischen Schüler am Unterricht teil und bekamen so einen Einblick in den Schulalltag. Anschließend stand ein Empfang im Rathaus auf dem Programm: Bürgermeister Hansjörg Höfer empfing die Schüler und ihre Lehrerinnen im Großen Ratssaal. Nach einigen allgemeinen Informationen über Schriesheim erklärte Höfer auch die Besonderheiten der Lokalpolitik.

Die Schüler saßen auf den Stühlen der Gemeinderäte - und Höfer beschrieb anhand der Sitzplätze die verschiedenen Fraktionen im Gremium. Dann stellte er sich den Fragen der Gäste. Da die 13- bis 14-jährigen Schüler aus England erst seit gut einem Jahr Deutsch lernen, waren manche Wortmeldungen auf Englisch, aber ihre Lehrerinnen Jutta Wolf und Lorna Lang übersetzten - auch die Antworten von Höfer. Auf dem Weg von der Schule zum Rathaus war einem Schüler die Unterführung am alten OEG-Bahnhof aufgefallen. Wie Höfer die Graffiti beziehungsweise die Schmierereien dort finde und ob er etwas dagegen unternehme? "Mich ärgern solche Schmierereien sehr." Die Polizei ermittle - und würde ein Täter gefasst, müsse er "bezahlen oder sogar selbst streichen", so der Bürgermeister.

Einige Jugendliche interessierten sich für seine Person: Warum er Bürgermeister geworden sei, ob er sich mit Amtskollegen aus der Region treffe und ob er auch Freizeit habe? "Ich war schon immer politisch interessiert und dann auch Stadtrat", sagte Höfer. Es sei sehr spannend, Bürgermeister in Baden-Württemberg zu sein: "Man kann sehr viel gestalten und seine Ideen einbringen." Mit seinen Amtskollegen trifft er sich alle sechs Wochen, gemeinsam werden Probleme erörtert. "Und in meiner Freizeit jogge ich und kümmere mich um zwei Weinberge." Nicht nur Lokalpolitik interessierte die Schüler, sondern auch Höfers Meinung zu Bundeskanzlerin Angela Merkel. Höfer lobte ihren Einsatz für ein vereinigtes Europa, vor allem freut ihn, dass es schon so lange Frieden in Europa gibt und seine Generation noch keinen Krieg erleben musste. "Ich bin allerdings nicht immer einverstanden mit dem, was sie in Deutschland macht."

Im kleinen Sitzungssaal informierte er über die Geschichte Schriesheims anhand des Gemäldes dort - vor allem der Pranger am Alten Rathaus interessierte die Schüler. Diesen konnten sie beim anschließenden Stadtrundgang besichtigen.

Den Nachmittag verbrachten sie mit den Gastfamilien, am heutigen Donnerstag verlassen sie Schriesheim wieder. Gesehen haben sie das Heidelberger Schloss und den dortigen Zoo sowie das Technikmuseum und den Dom in Speyer. Beim Gegenbesuch in England ist ein Ausflug nach London und an die Norfolk-Küste geplant.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung