19.10.2017

Schriesheimer Lehrling ausgezeichnet

Lehrling Ahmad Karimi von der Firma Pfeifer Bau erhielt Verbands-Preis der Bauwirtschaft - "Zielstrebigkeit und Wissensdrang"

Von Marco Partner

Schriesheim. Was wohl die größere Herausforderung war? Deutsch zu lernen oder die Zwischenprüfung als Baugeselle zu bestehen? Ahmad Karimi fährt mit Daumen und Zeigefinger durch seinen Bart und überlegt. "Deutsch natürlich", sagt der 24-Jährige recht schnell und lacht. Seit 2011 lebt der Afghane in Deutschland. Sechs Jahre nach seiner Ankunft ist er nicht nur der schwierigen Sprache in seiner neuen Heimat mächtig, sondern auch auf dem sicheren Weg, seine Lehrlingsausbildung bei der Schriesheimer Firma Pfeifer Bau mit Bravour zu bestehen.

Nervös sei er schon gewesen, aber auch mächtig stolz, als er kürzlich mit seinem "Chef", Geschäftsführer Stefan Pfeifer, das Merchinger Schloss besuchte. Bei der Ludwig-Klee-Preisverleihung, die jedes Jahr die besten Gesellen im Baugewerbe ehrt, wurde Karimi vom nordbadischen Bau-Verbandspräsident Markus Böll lobend hervorgehoben.

Die Zwischenprüfung bei seiner Ausbildung zum Maurer meisterte er als Bester in seiner Branche. "Keine Arbeit ist ihm zu schade, jede Aufgabe wird gewissenhaft und präzise durchgeführt. Dabei achtet er auf Details, Genauigkeit und Schnelligkeit. Zusätzliche Aufgaben nimmt er selbstständig wahr. Seine Zielstrebigkeit und sein Wissensdrang sind besonders hervorzuheben." Mit diesen Worten hatte ihn das BTZ, das Bildungs- und Technologiezentrum Mannheim, für den Verbandspreis vorgeschlagen.

Dass er seinen Lehrling auch nach der abschließenden Gesellenprüfung im kommenden Jahr übernehmen wird, steht für seinen Ausbilder Stefan Pfeifer außer Frage. Für Karimi bedeutet dieses Vertrauen aber nicht nur die Aussicht auf einen festen Job und ein geregeltes Einkommen. Es bietet ihm darüber hinaus die Gewissheit, überhaupt in Deutschland bleiben zu können. Zumindest vorerst. Denn auch nach sechs Jahren im Land und der Aussicht auf eine Festanstellung, genießt der Lehrling nach wie vor nur den Status der Duldung.

2011 ließ Karimi alles zurück. Seine Eltern, seine Freunde, seine Heimatstadt Tachar im Norden Afghanistans, nahe an der Grenze zu Tadschikistan. Über den Iran und die Türkei floh er Richtung Europa. Nach kurzen Aufenthalten in Griechenland, Italien und Frankreich landete er schließlich in Deutschland. Genauer gesagt in Spechbach, mitten im Odenwald, in einer Erstunterbringung. Wie andere 50 Flüchtlinge aus den verschiedensten Ländern auch. Mit Zug und Bus machte er sich schon bald jeden Tag auf nach Mannheim, um auf der Justus-von-Liebig-Schule Deutsch zu lernen. "Er kam nicht an einem einzigen Tag zu spät und musste ja nicht nur die deutsche Sprache von Grund auf lernen, sondern auch unsere Schrift", erklärt sein Berufsschullehrer Christian Schwab.

Schnell entdeckte Schwab das sprachliche und handwerkliche Potential von Karimi, und empfahl ihn für ein Praktikum bei der Schriesheimer Baufirma. "Das war am Anfang gar nicht so leicht, und auch der anschließende Lehrvertrag war mit Schwierigkeiten verbunden", weist Pfeifer auf die bürokratischen Hürden hin. Überzeugt von den baulichen Qualitäten seines neuen Schülers war er aber sofort. Und das kommt nicht von ungefähr, schließlich arbeitete Karimi schon in seiner Heimat auf dem Bau. "In Afghanistan ist es körperlich anstrengender, hier gibt es mehr Maschinen", sagt der Afghane.

2015 zog Karimi nach Schriesheim und begann seine Lehre. Aufgeregt sei er zu Beginn gewesen, gleich am ersten Tag ging es raus zu einer Baustelle. "Wir arbeiten immer draußen, auch bei Regen", sagt Pfeifer. Auch an die deutschen Wetterverhältnisse musste sich Karimi also schnell gewöhnen.

"Aber dann kam der Knaller", betont der Geschäftsführer. Plötzlich drohte seinem neuen Lehrling nämlich die Abschiebung, trotz eines gültigen Lehrvertrages und ausgezeichneter Noten. "Da hat man mal jemanden mit einer hochwertigen Qualifizierung gefunden, und dann so etwas", ärgert sich Pfeifer immer noch. Ein Rechtsanwalt musste eingeschaltet werden, nun hat Karimi die Gewissheit, dass er bis 2021 sicher in Deutschland leben kann.

Vorausgesetzt, er hat Arbeit. "Die hat er sicher. Wir sind restlos glücklich. Er ist einer der besten Lehrlinge der letzten Jahre", lobt Pfeifer und blickt hinüber zu Ahmad Karimi. Der freut sich, wirkt fast etwas verlegen - und lacht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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