26.10.2017

Eine Mauer trennt jetzt die KSV-Halle von der Mehrzweckhalle

Für die Stadt löst sie ein altes Problem, für den Verein schafft sie ein neues

Aus versicherungsrechtlichen Gründen habe der Durchgang zwischen den Hallen geschlossen werden müssen, sagt die Stadt. Der KSV fühlt sich unzureichend informiert. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Wer die mit gelb lackiertem Holz verkleidete Tür in der Mehrzweckhalle öffnet, denkt vermutlich zunächst an einen aufwendigen Streich: Dort erblickt man statt des Durchgangs in die benachbarte KSV-Halle seit September eine graue Mauer. Für die Stadt Schriesheim ist sie die Lösung eines alten, für den Kraftsportverein der Auslöser eines neuen Problems.

Der Durchgang hat die Stadt laut Kämmerer Volker Arras schon seit über fünf Jahren beschäftigt. Das Problem daran: KSV- und Mehrzweckhalle, die "Rasselbande"-Kinderkrippe der AWO und das Fitnessstudio des Kraftsportvereins liegen auf demselben Grundstück wie die Tennishalle, die angegliederten Parkplätze und die anschließenden Grünanlagen. Die jeweiligen Vermieter der Gebäude sind allesamt Erbpachtnehmer der Pflege Schönau, was einen bedeutenden Nachteil mit sich bringt: Alle Eigentümer sind für Unfälle auf dem gesamten Gelände haftbar.

"Das heißt, wer sich in der Tennishalle wegen eines Lochs im Boden verletzt, kann Ansprüche gegenüber der Stadt, zum Beispiel dem Bürgermeister geltend machen", erklärt Arras. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand, der allerdings mehrere Jahrzehnte galt. Um jetzt die Verträge mit der Pflege Schönau neu zu sortieren, müssen die beiden Hallen baulich komplett voneinander getrennt sein. "Dazu brauche ich eine Abgeschlossenheitsbescheinigung", so Arras. Und so kam die Idee einer Mauer ins Spiel.

Den KSV informierte die Stadtverwaltung durch ein Schreiben an den Vorsitzenden Sven Witteler über das Vorhaben. Darin wurde die Notwendigkeit der Maßnahme mit brandschutzrechtlichen Vorgaben begründet. "Wir sind mit dieser Lösung natürlich überhaupt nicht glücklich", sagte Witteler gestern im Gespräch mit der RNZ. Schließlich brauche man den Durchgang für Veranstaltungen wie den beliebten Kinderfasching. Also ging Witteler laut eigener Aussage nach Erhalt des Schreibens mit seiner Stellvertreterin Gabriele Katz zu Bauamtsleiter Markus Schäfer.

"Eine Brandschutztür wäre aus unserer Sicht eine Lösung gewesen", sagt Witteler, "das haben wir in diesem Gespräch auch gesagt." Die Antwort der Stadt erfolgte wiederum schriftlich: Wegen der Vorgaben für Versammlungsstätten sei die einzige Alternative zur Mauer die Schließung der Halle. Kämmerer Arras erklärt das so: Eine Brandschutztür, wie vom KSV vorgeschlagen, biete nicht den in einer Sporthalle nötigen Prallschutz. Wenn die Tür aber mit Holzlamellen zum Schutz beim Aufprall verkleidet würde, wäre sie keine Brandschutztür mehr.

Der KSV-Vorstand wusste davon laut eigenem Bekunden nichts: "Danach hat niemand mehr mit uns das Gespräch gesucht", sagte Zweite Vorsitzende Gabriele Katz: "Die Mauer haben wir dann am Dreck in der Halle bemerkt."

Kurz vor Ende der Sommerferien wurde der Durchgang zugemauert, die KSV-Halle musste wegen des durch die Arbeiten anfallenden Staubs kurz vor dem nächsten Heimkampf der Ringer ein zweites Mal geputzt werden. "Das Datum für die Mauer wurde uns vorher nicht mitgeteilt", so Katz.

Auch KSV-Vorsitzender Sven Witteler ist mit der Kommunikation unzufrieden: "Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt." Von den beschriebenen versicherungsrechtlichen Gründen für die Mauer habe er erst aus der Presse erfahren. Seine Stellvertreterin Gabriele Katz sieht in der Mauer auch für andere Hallenmieter ein Problem: "Die Bestuhlung muss bei Veranstaltungen jetzt immer außenrum getragen werden, das ist schon ein ganz schöner Umweg."

Wirklich zufrieden mit der Mauer ist auch Bürgermeister Hansjörg Höfer nicht: "Es tut mir leid, dass wir keine andere Lösung gefunden haben." Dass noch weitere Türen auf dem Grundstück verschlossen werden, steht zwar laut Kämmerer Volker Arras derzeit "aller Voraussicht nach" nicht zu befürchten.

Den Kraftsportverein treffen die Konsequenzen der neuen Mauer aber schon jetzt: Was den Kinderfasching 2018 angeht, müsse dessen Fortbestehen nun in den nächsten Wochen erörtert werden, sagt Witteler.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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