27.10.2017

Der Weg für weitere Stolpersteine ist frei

Gemeinderat beschloss am Mittwochabend mehrheitlich, dass Zustimmung der Hausbesitzer zu Gedenkplatten nicht mehr nötig ist

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Rein rechtlich war sie schon vorher keine Voraussetzung, ab jetzt wird auf die Zustimmung der Hausbesitzer auch de facto keine Rücksicht mehr genommen: Der Schriesheimer Gemeinderat votierte am Mittwochabend mit breiter Mehrheit für die Möglichkeit, 25 weitere Stolpersteine zum Gedenken an Schriesheimer Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen - auch gegen den Willen der anliegenden Hauseigentümer.

Den Antrag dazu hatte die Initiativgruppe "Stolpersteine für Schriesheim" bei der Stadtverwaltung gestellt. Die Begründung: Sieben Jahre nach dem Beschluss, Stolpersteine nur mit Zustimmung der Eigentümer zu verlegen, hätten sich die Ängste der Besitzer vor Wertverlust ihrer Immobilien, Stigmatisierung oder Schmierereien nicht bestätigt. 26 Gedenksteine wurden seitdem verlegt. Davon ließ sich auch Bürgermeister Hansjörg Höfer überzeugen: "Diese Gedenkkultur muss ihren Abschluss finden."

Dieser Meinung seien die betroffenen Besitzer, mit denen er im Vorfeld der Sitzung gesprochen habe, aber weiterhin nicht, sagte Höfer: "Die Gehörten haben darum gebeten, dass man die alte Regelung beibehält." Michael Mittelstädt von der CDU betonte, dass eine Enthaltung oder die Ablehnung der neuen Regelung im Rat keinesfalls ein Votum gegen die Stolpersteine an sich sei: "Wenn heute jemand dagegen stimmt, dann sagt er eigentlich, er würde lieber versuchen, weiterhin zu vermitteln." Seine Fraktion stimmte bei zwei Enthaltungen mehrheitlich für den Antrag.

Dr. Barbara Schenk-Zitsch (Grüne Liste) hatte zuvor ein Plädoyer für die Verlegung aller goldenen Gedenksteine gehalten: "Dabei haben die Belange der Opfer, die Verewigung ihrer Namen sowie die Belange der Bürger, im öffentlichen Straßenraum der Opfer zu gedenken, Vorrang", so die Stadträtin, "wir gehören zu der letzten Generation, die für ihre Nachkommen dieses Denkmal vollenden kann und muss." Mittelstädt betonte ebenfalls die Bedeutung des Gedenkens: "In letzter Zeit wird oftmals darauf hingewiesen, dass man das auch bleiben lassen könne. Das sollten wir gerade nicht tun." Schriesheim sei in Deutschland in guter Gesellschaft: "Es ist einfach Erinnerungskultur."

Aus den Reihen der Freien Wähler stimmten mit Ausnahme von Wolfgang Metzger und Matthias Meffert alle Räte gegen den Vorschlag. Jutta Becker sagte: "Ich persönlich halte Stolpersteine nicht für eine geeignete Erinnerungskultur." Gründe dafür nannte sie nicht, betonte aber, es müsse möglich sein, die Zustimmung der Besitzer zu bekommen, wenn sich Ängste nicht bewahrheitet hätten.

Marco Ginal (SPD) bezeichnete die Stolpersteine dagegen als "dezentrale Form der Erinnerung", mit der man "sehr gute Erfahrungen" gemacht habe. Den Sozialdemokraten sei zwar auch wichtig, dass die Sorgen der Anwohner ernstgenommen würden. Es dürfe in Schriesheim aber keine zwei Kategorien von Opfern des Nationalsozialismus geben.

FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger sagte, es gehe bei den Stolpersteinen nicht um Schuld oder Unschuld. Es seien keine Fälle von Stigmatisierung der Hausbesitzer bekannt: "Es gibt objektiv keinen Nachteil durch einen Stolperstein vor dem Haus." Man könne das Projekt nicht nach der Hälfte abbrechen, so bleibe die Auswahl der Bürger, derer gedacht würde, völlig willkürlich: "Wir haben Stolpersteine beschlossen, also können es nur alle Stolpersteine sein."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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