31.10.2017

Schriesheim: Die Geschichte einer großen Liebe - mit Hund

Autorin Sabine Friedrich las in der Stadtbibliothek aus "Epilog mit Enten" - Ihre Begleiterin "Lila" fühlte sich dabei sichtlich wohl

Von Maren Schenk

Schriesheim. Eine Lesung mit Hund ist in der Weinstadt ein äußerst seltenes Ereignis. Nicht nur Regine Hindorf, Geschäftsführerin von "Ute’s Bücherstube", war bei ihrer Begrüßung des Gastes überrascht, sondern auch die Besucher, die kürzlich in die Stadtbibliothek gekommen waren, um Sabine Friedrich zu hören und zu sehen. Die Autorin las auf Einladung der Buchhandlung, Stadtbibliothek und der Volkshochschule aus ihrem neuen Roman "Epilog mit Enten" - mit dabei war ihre acht Monate junge Golden-Retriever-Hündin Lila. Nicht ungewöhnlich sei eine Lesung von ihr mit Hund, berichtete die Autorin: "Das habe ich mit meinem Vorgänger-Hund auch oft gemacht." Außerdem spielten Hunde auch in ihrem Buch eine Rolle.

"Der Roman ist eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem Mann, die in den 1970er-Jahren in Berlin beginnt und eigentlich bis heute geht", erklärte Sabine Friedrich. Sylvie - die Ich-Erzählerin - und Gabo verlieben sich, trennen sich und kommen immer wieder zusammen: die Geschichte einer großen, unmöglichen Liebe. "Aber nicht nur: Einen großen Teil des Buches nimmt die Reise auf dem Hippie-Trail nach Indien ein", so Friedrich.

Um die Zuhörer mit in die Geschichte hineinzunehmen, las die Autorin, wie die 18-jährige Schülerin Sylvie den 25-jährigen Kleindealer Gabo in einem Berliner Club kennenlernt und sich in ihn verliebt. "Die Liebesgeschichte beginnt im Berlin der 1970er-Jahre, als auch David Bowie dort gelebt hat."

Das ist jedoch nicht der Anfang des Buches, denn der Roman beginnt fast 40 Jahre später mit dem Tod von Gabo, der an Krebs stirbt. Sylvie blickt aus diesem Anlass zurück auf ihr Leben: auf ihre Reisen, ihre Versöhnungen und Trennungen, ihre Ehe in Norwegen, die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter, die Scheidung. Immer wieder springen Sylvies Erzählung und ihre Gedanken zu verschiedenen Szenen in der Vergangenheit, immer wieder wechselt sie in die Du-Form, als spreche sie direkt mit Gabo.

Sabine Friedrich erzählte vom Trip, den Sylvie mit Gabo gemacht hat: eine Reise auf dem Hippie-Trail, der auf dem Landweg unter anderem über die Türkei, den Iran und Afghanistan nach Indien geführt hat. "Eine mythische Tour war in den 70er-Jahren diese Reise nach Indien", erklärte die Autorin. Sie sei damals auch dort gewesen. "Zu Goethes Zeit ging eine solche Tour dagegen nach Italien", merkte Friedrich an und überlegte, wohin eine solche Tour heutzutage führen könnte: "Ich denke, entlang der Fluchtroute über den Balkan."

Protagonistin Sylvie beginnt ihre Tour mit ihrem damaligen Freund Tom, hinter ihr liegt die erste Trennung von Gabo. In Venedig angekommen, muss sie immer noch an Letzteren denken. Nach einer halben Stunde war dann in der Stadtbibliothek erst einmal eine Pause angesagt: "Dem Hund ist langweilig", gab die Autorin das Signal für eine (Sekt-)Auszeit. Den Besuchern erzählte sie dabei, wie Hündin Lila zu ihrem Namen gekommen ist. Der Name habe auch einen Bezug zu Indien: Lila heißt auf Sanskrit "Spiel".

Nach der Pause ging es in weiteren Passagen zurück zu Sylvies Reise auf dem Hippie-Trail: Nach Afghanistan kommt die Protagonistin kurz vor dem Einmarsch der Russen 1979 und dem Bürgerkrieg. "Nur in dieses Land würde Sylvie wiederkehren", so die Autorin. Bevor sie eine Textstelle über Sylvies Aufenthalt im indischen Goa liest, erläuterte sie ihre Gedanken über den Tourismus dort, der in den späten 1960er-Jahren mit den Hippies begann, während heute Pauschaltouristen dominieren.

Die Beschreibung der Zustände damals und heute überlässt die Autorin Sylvie: "Wir waren der Auslöser der Touristenströme, denen die Region ihren Reichtum verdankt. Die Horden der Pauschalreisenden, die für vierzehn Tage einfallen, Knete ausspucken und sich wieder verpissen, wie es sich gehört, ein Glück auch, dass die Hippies weg sind, das verdammte Drogen- und Hepatitisgesindel."

Zum Schluss überreichte VHS-Leiter Frank Röger passenderweise eine "Schriesheimer Droge" - eine Flasche Wein - und bedankte sich damit für "eine einzigartige Lesung, mit pünktlichem Beginn und Hund". Lila fühlte sich sichtlich wohl: Sie hatte sich mit ihrem Kauknochen beschäftigt, sich bei den Büchern umgeschaut und war immer wieder durch die Zuschauerreihen gelaufen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung