06.11.2017

Winzer Georg Bielig stellt Süßwein für seine Tochter her

Auswahl geeigneter Trauben brachte auch langjährige Helfer ins Grübeln

Auch mit bis zu 60 Jahren Weinbauerfahrung war die Lese der Trauben am Freitag für Georg Bielig (2.v.r.) und seine Helfer kein leichtes Unterfangen. Foto: Dorn

Schriesheim. (fjm) Georg Bielig begutachtet die Trauben in seinen Händen: teils grün, teils braun, teils sogar schon mit einem weißen Pelz überzogen. Eine der verfaultesten wirft er schnell in seinen Mund, zögert kurz und sagt dann zufrieden: "Die sind so süß, da bleibt dir das Gesicht stehen." Denn was bei der normalen Lese aussortiert wird, soll bei diesem speziellen Wein das gewisse Etwas ausmachen: Bielig will für seine zweite Tochter Klara einen Süßwein produzieren, den nicht nur die eigene Familie genießen soll.

Dafür hat er einige Trauben in seinen besten Lagen besonders lange hängen lassen. Bei der Lese am Freitagmorgen schwirren schon Fruchtfliegen und Wespen zwischen den mit Netzen vor Vögeln geschützten Reben hin und her, eifrig auf der Suche nach aufgeplatzten Silvaner-Trauben. Die schmeißen Bielig und seine gut ein Dutzend Erntehelfer weg, nur die Früchte mit Botrytis, der Edelfäule, landen mit den grünen Trauben in den Plastikbottichen.

"Bei der normalen Lese würden wir sagen: Alles, was faul ist, schmeißen wir auf den Boden", erläutert Bielig. Aber für einen Süßwein will er Trauben mit besonders hohem Zuckergehalt, je mehr Grad Oechsle desto besser. "Ich hoffe auf etwa 110 Grad im Durchschnitt", sagt er. Silvaner und Riesling erntet er, daraus soll ein Wein entstehen. Ungewöhnlich, doch Bielig probiert immer wieder gern neue Produkte aus.

Die Trauben aus dem Weinberg, in dem er und seine Helfer unterwegs sind, hat er bereits für einen im Barrique-Fass gereiften Silvaner verwendet, der im neuen Eichelmann-Weinführer 2018, dem Standardwerk des Deutschen Weins, explizit gelobt wird. Sein Silvaner mit Riesling-Auslese wird vermutlich noch ein Weilchen brauchen, bis er in den Verkauf geht: Auch der Eiswein, den Bielig bereits Anfang 2008 für seine erste Tochter gelesen hat, hat bisher noch nicht den Weg auf den Verkaufstisch gefunden. Das soll aber noch passieren: "Ich schätze, dass wir zwischen 500 und 800 Liter ernten werden", sagt Bielig am Freitagmorgen, "das können selbst hart gesottene Winzerfamilien nicht allein trinken." Der Erlös aus dem Verkauf soll aber seinen Töchtern zugutekommen. "Und für Hochzeit, Taufen und ähnliches wird sicher auch etwas übrig bleiben."

Für die Lese hat sich Bielig Erntehelfer geholt, denen er vertraut: Seine Mutter ist dabei, Georg Kippenhan, Patenonkel von Töchterchen Klara, ebenfalls. Auch Matthias Schmidt vom ebenfalls im Eichelmann ausgezeichneten Weingut Rosenhof hilft mit. "Außerdem sind hier treue Helfer mit bis zu 60 Jahren Weinbauerfahrung", sagt Bielig. Trotzdem bitten die ihn um Hilfe, wenn sie nicht sicher sind, welche faulen Trauben nun in den Bottichen gewollt sind und welche nicht.

Bis 14 Uhr sind die Helfer am Freitag zugange, zwischen Wespen und Fruchtfliegen, bei typischem, aber trockenem Novemberwetter. Am Ende kommen im Durchschnitt 120 Grad Oechsle direkt auf die Presse, Georg Bielig ist zufrieden. Für eine erste Kostprobe ist nun jedoch noch ein bisschen Geduld gefragt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung