26.11.2017

Schriesheims Wälder: 17 Jäger, 11 Pachtstellen

Interesse an Jagdmandat ist groß - Verwaltung will Vergabe noch in diesem Jahr abschließen

Von Stefan Kern und Frederick Mersi

Schriesheim. Hochsitze bauen, Tiere nach Wildunfällen versorgen, Schäden durch Wildschweine aufnehmen und diese gegebenenfalls erschießen: Für die elf Jagdpächter, die derzeit in Schriesheims Wäldern und Feldern unterwegs sind, ist ihre Tätigkeit ein zeitintensives und teures Hobby. "Man kann damit kein Geld verdienen", sagt Jäger Michael Schwöbel, "aber darum geht es auch nicht." Anders lässt es sich auch kaum erklären, dass sich in der Weinstadt bis zum 25. Oktober wieder 17 Jäger als Pächter beworben haben. Nur elf von ihnen werden den Zuschlag bekommen, doch die Vergabe ist erst einmal ins Stottern geraten.

Wer auf Schriesheimer Grundstücken jagen darf, bestimmen zunächst einmal deren Eigentümer, die eine sogenannte Jagdgenossenschaft bilden. In der Weinstadt gibt es zwei: eine für die Kernstadt, und eine für die Ortsteile Altenbach und Ursenbach. Bisher haben die Genossenschaften, bei denen auch jeweils die Stadt als Grundstückseigentümer Mitglied ist, dem Gemeinderat die Verwaltung ihrer Aufgaben übertragen. Dabei gibt es jetzt aber Probleme - zumindest in Altenbach und Ursenbach.

Denn als die Jagdgenossenschaft am Dienstagabend nicht öffentlich einberufen wurde, kam von rund 275 eingeladenen Eigentümern gerade mal einer - und der konnte sich mit Bürgermeister Hansjörg Höfer als Vertreter der Stadt nicht auf ein gemeinsames Vorgehen in Sachen Satzung und Tagesordnung einigen, wie dieser am Donnerstagabend im Ursenbacher Ortschaftsrat erklärte.

Die Verwaltung will die Vergabe dennoch erst einmal fortsetzen - allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich die Jagdgenossenschaft Altenbach/Ursenbach bei ihrem nächsten Treffen am 19. Dezember darauf einigt, dem Gemeinderat wieder die Verantwortung für die Vergabe zu erteilen. "Theoretisch ist der Rat noch bis 2021 für die Jagdgenossenschaft zuständig", sagt Dominik Morast vom Ordnungsamt, "man könnte die Vergabe also auch noch solange hinauszögern."

Dann muss aber auch ein neues Jagdkataster, ein Verzeichnis aller Jagdreviere und deren Inhaber, erstellt werden. Das kostet Zeit und Geld. "Es ist eine Riesenarbeit", sagt Morast. Deswegen drückt die Verwaltung weiterhin aufs Tempo: Am Donnerstag hat der Ursenbacher Ortschaftsrat bereits seine Empfehlungen für den betreffenden Jagdbogen abgegeben. Am Montagabend steht das Thema im Altenbacher Gremium als einziger Punkt neben den Fragestunden auf der Tagesordnung.

Michael Schwöbel ist einer von acht Bewerbern, der bereits auf Schriesheimer Gebiet als Jagdpächter aktiv ist. Nach der Empfehlung seitens des Ortschaftsrates - mit Winfried Wenisch und Altenbachs Ortsvorsteher Dr. Herbert Kraus - ist er trotz der Verzögerung bei der Vergabe optimistisch, auch für die nächsten sechs Jahre wieder den Zuschlag zu erhalten.

"Es ist ein Minusgeschäft", sagt er, "aber ich kann in der Natur einfach gut abschalten." Bei der Jagd gehe es um viel mehr als nur das Erschießen von Tieren: Landschaftspflege, das Aufstellen von Nistkästen oder das Anbringen von Wildreflektoren gehören auch zu Schwöbels Tätigkeiten. "Man bekommt durch die aber auch exzellentes Biofleisch", sagt er.

Für dessen Vermarktung sind die Jäger selbst verantwortlich, einen verbindlichen Abschussplan gibt es inzwischen nicht mehr. Die nächste größere Jagd steht bereits nächstes Wochenende an: Am Samstag, 2. Dezember, sollten Weinberge und Wald daher zwischen 8 und 15 Uhr nicht betreten werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung